# taz.de -- Baustellen in Berlin: BVG filmt mit
> Ab sofort scannen Kameras in BVG-Bussen die Straßen im Auftrag des Senats
> nach Baustellen ab. Die Datenschutzbeauftragte hat dazu noch Fragen.
(IMG) Bild: Darf der das? Das soll die Auswertung der von den Buskameras gesammelten Daten zeigen
Ortstermin am Dienstagmittag, Bushaltestelle „Urban Tech Republic“. Vom
immer noch ziemlich verwaisten Ex-Flughafen Tegel, wo nur einige Start-ups
die alten Betriebsgebäude bevölkern, startet gleich ein BVG-Bus zur
Sonderfahrt. Mit dabei: Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU), BVG-Chef Henrik
Falk und Ilja Radusch, Leiter des Geschäftsbereichs Smart Mobility des
Fraunhofer-Instituts Fokus. Und ein Handy.
Das Handy klebt mittels Saugnapfhalterung an der Windschutzscheibe des
Busses und wird die ganze Fahrt über die Straße filmen – oder besser
gesagt: scannen. Nach rot-weißen Baken, nach Linien auf dem Asphalt, die
eine veränderte Verkehrsführung anzeigen, nach Baustellenfahrzeugen. Diese
– und nur diese – Daten, erklärt Radusch, würden gesammelt und auf einen
Server des Fraunhofer-Instituts hochgeladen.
„Dikas“ (Digitale Kontrolle von Arbeitsstellen an Straßen) nennt sich das
Scanprojekt im Auftrag der Senatsverwaltung für Mobilität. Es ist ein
Element des neuen Gesamtkonzepts zur Baustellenkoordinierung, das Ute Bonde
im April im Senat präsentiert hat. Ziel ist es, durch die „automatisierte
Erfassung von Baustellen, Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen durch
vorbeifahrende Fahrzeuge in Echtzeit“ gegen Firmen vorgehen zu können,
welche Baustellen einrichten, die mehr Straßenraum einnehmen als erlaubt
oder für die überhaupt keine Genehmigung vorliegt. Oder solche, auf deren
Baustellen über längere Zeiträume hinweg einfach nichts passiert.
Dass die Fraunhofer-Software etwa die genauen Positionen von Absperrungen
erkennen kann, was dann mit vorliegenden Genehmigungen abgeglichen werden
kann, leuchtet schnell ein. Im Fall von „Geisterbaustellen“ (Radusch) oder
„Schlafbaustellen“ (Bonde) liegt das nicht so auf der Hand. „Wir wissen
noch nicht genau, welche Signale wir dazu auswerten müssen“, räumt Ilja
Radusch ein.
## Unsichtbare Auswertung
Die Fahrt geht los, der Bus dreht eine Runde zum Jakob-Kaiser-Platz und
zurück. Zwar filmt die Kamera die ganze Zeit, zur Enttäuschung der
mitfahrenden Presse liefert sie aber keine sichtbare Auswertung in
Echtzeit. Als Ersatz hat das Fraunhofer-Institut ein paar Videos
vorbereitet: Vor schwarzem Hintergrund schweben abstrahierte Elemente wie
Baken und Schilder vorbei. Wenn das System sich nicht sicher ist, was genau
es „gesehen“ hat – zum Beispiel eine umgekippte Bake –, zeigt es ein Foto
von diesem Ausschnitt, das dann gegengecheckt werden kann.
Los geht es in der Pilotphase mit 20 Handys in Bussen, die auf dem
Betriebshof Indira-Gandhi-Straße in Hohenschönhausen beheimatet sind. Bis
Jahresende sollen es 100 werden. Ob irgendwann einmal alle rund 1.600
BVG-Busse mit der Dikas-Technik ausgestattet werden, ist noch offen und
soll sich im Laufe der Zeit ergeben. Möglicherweise wird irgendwann auch
eine andere Lösung gefunden, als Mobiltelefone an die Windschutzscheibe zu
heften.
Offen sind zum aktuellen Zeitpunkt aber noch mehr Fragen: Wie viele
Baustellen auf und an Straßen könnte die BVG-Blusflotte überhaupt sichten?
Alle Straßen, durch die keine Buslinie führt, fallen schon mal durchs
Raster, und auch im Falle von Umleitungen stößt das System an seine
Grenzen. Senatorin Bonde sagt, es kämen perspektivisch weitere Betriebe
infrage, deren Fahrzeuge mit Dikas ausgestattet werden könnten – mit der
BSR etwa sei man schon im Gespräch.
## Fragen zum Datenschutz
Natürlich sei die ganze Filmerei datenschutzkonform, erklärt Ilja Radusch.
Im Grunde würden überhaupt keine Bilder dauerhaft gespeichert, es gehe nur
um die herausanalysierten Daten wie die exakten Positionen von
Baustellenzäunen und Ähnlichem.
Berlins Datenschutzbeauftragte Meike Kamp ist sich da noch nicht so sicher.
[1][Bei ihrer Jahrespressekonferenz am selben Tag] sagte sie der taz, ihre
Behörde habe von der BVG Unterlagen zum Dikas-Projekt angefordert. „Wie man
daran sehen kann, wurden wir zu diesem Vorgang im Vorfeld nicht
eingebunden.“ Aus Kamps Sicht ist der „Knackpunkt“, dass das
Baustellenscannen an die BVG ausgelagert werde: „Es gehört nicht zum
Aufgabengebiet eines Verkehrsunternehmens, den Straßenraum abzufilmen.“ Ihr
stelle sich die Frage, „wie diese Situation zustande kommt“.
Das wäre bei den von einigen Bezirken heiß ersehnten „Scan Cars“ für die
Parkraumüberwachung anders. Mit denen sollen künftig einmal die
Ordnungsämter durch die Straßen rollen und höchst effizient
FalschparkerInnen identifizieren – durch automatischen Abgleich der
Nummernschilder mit den vorliegenden Parkberechtigungen. Der Senat hat
allerdings im vergangenen Jahr ein solches Modellprojekt gestoppt – und
zwar mit Verweis auf Unklarheiten beim Datenschutz.
Die Landesregierung will erst einmal eine bundesweite Scan-Car-Regelung
abwarten. Eine solche befindet sich auch bereits im parlamentarischen
Verfahren: Im Januar hat die Bundesregierung den entsprechenden
Gesetzentwurf in den Bundestag eingebracht. Für die Beschaffung von
Fahrzeugen gibt es im aktuellen Berliner Haushalt auch gar keinen Posten.
Das stehe „derzeit noch nicht im Fokus“, wie Verkehrsstaatssekretär Arne
Herz unlängst der Berliner Morgenpost sagte. Im Augenblick liege der
Schwerpunkt erst einmal auf der Digitalisierung der Parkberechtigungen.
Nachtrag 24. 6., 14 Uhr: Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr,
Klimaschutz und Umwelt bestreitet, dass die Datenschutzbeauftragte nicht
eingebunden worden sei. Laut einer Sprecherin der Verwaltung wurde die
Behörde der Datenschutzbeauftragten am 1. Juni über das Projekt informiert,
dabei sei auch das Datenschutzkonzept übermittelt worden. Es habe daraufhin
Nachfragen gegeben, die dann beantwortet worden seien.
Die BVG wiederum weist darauf hin, dass das Scannen nicht in ihrer
Verantwortung geschieht, es also nicht an sie „ausgelagert“ sei. Die
Smartphones seien lediglich in ihren Bussen montiert, alles Weitere liege
in der Hand der Senatsverwaltung beziehungsweise des Fraunhofer-Instituts.
23 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Claudius Prößer
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