# taz.de -- Ravensburger übernimmt Steiff: Elefantenhochzeit im Kinderzimmer
> Das Spiele-Unternehmen Ravensburger steigt beim Plüschtierhersteller
> Steiff ein. Damit sind zwei der bekanntesten deutschen Spielzeugmarken
> bald eng verflochten.
(IMG) Bild: Wie es leibt und mittelmäßig lebendig wirkt: Plüschtier von Steiff, natürlich mit „Knopf im Ohr“
dpa | Der Knopf im Ohr steht in Zukunft unter Ravensburger-Regie: Der
Spielehersteller übernimmt eine Mehrheit am Plüschtierhersteller Steiff,
wie beide Unternehmen gemeinsam mitteilten. Verkäuferin ist die Steiff
Beteiligungsgesellschaft, die von den Erben der Gründerin Margarete Steiff
gehalten wird. Steiff soll weiterhin eigenständig geführt werden.
Durch den Schritt sind zwei der bekanntesten deutschen Spielzeugmarken
künftig eng verflochten. [1][Ravensburger] ist vor allem für
Gesellschaftsspiele, Puzzles und Sammelkarten bekannt. Klassiker sind
beispielsweise „Fang den Hut“, „Memory“, „Das verrückte Labyrinth“ und
„Scotland Yard“. In vielen Kinderzimmern finden sich heute aber auch das
spielerische Lernsystem „Tiptoi“ und die modulare Kugelbahn „GraviTrax“ der
Oberschwaben.
Steiff gilt als Erfinder des Teddybären und steht seit mehr als 140 Jahren
für hochwertige Plüschtiere – erkennbar am markanten Knopf im Ohr. Der Sitz
der Firma ist in Giengen an der Brenz, im Osten Baden-Württembergs. In
welcher Höhe sich Ravensburger genau beteiligt, blieb offen. Der
Familienanteil werde wesentlich bleiben, hieß es. Zum Kaufpreis wurde
Stillschweigen vereinbart. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt
der kartellrechtlichen Freigabe.
## Familie Steiff stellt Weichen für die Zukunft
Ravensburger-Chef Clemens Maier begründete den Schritt mit der emotionalen
Stärke der Kultmarke: „Unser Firmengründer Otto Maier war inspiriert von
der Vorstellung, Spielzeug für Hirn, Hand und Herz zu entwickeln. Steiff
steht dabei in besonderer Weise für das Herz“, sagte der Manager. Die
Produkte seien seit Generationen für viele Menschen Teil ihrer Kindheit.
Mit dem Verkauf will die Familie die Weichen für eine langfristige
Perspektive des Traditionsunternehmens stellen. „Für uns war entscheidend,
Steiff in verantwortungsvolle, unternehmerische Hände zu geben, die die
Marke, die Werte und Geschichte verstehen und respektieren“, teilte der
Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft, Frederik Reimann, mit.
Ravensburger stehe wie kaum ein anderes Unternehmen für genau diese
Haltung. Steiff-Chef Frank Rheinboldt ergänzte, die Partnerschaft schaffe
den Rahmen, internationale Potenziale gezielt zu nutzen und Tradition mit
neuen Impulsen zu verbinden.
## Ravensburger mit Umsatzrückgang
Für Ravensburger kommt die Ankündigung in einer Phase des wirtschaftlichen
Gegenwinds. Nach einem Rekordumsatz von 790 Millionen Euro im Jahr 2024 –
angetrieben vom Hype um das Sammelkartenspiel „Disney Lorcana“ – ging der
Umsatz 2025 auf 742 Millionen Euro zurück. Das Kerngeschäft mit Spielen,
Puzzles und Büchern legte nach früheren Angaben zwar zu. Der
Sammelkarten-Boom habe aber merklich nachgelassen.
Außerdem steige der Kostendruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Die Schwaben hatten daher angekündigt, an Strukturen und Kosten zu
arbeiten. Das umfasst auch einen Stellenabbau im unteren zweistelligen
Bereich. Zuletzt waren bei dem Spielehersteller gut 2.500 Menschen [2][in
Ravensburg] und in einem Werk in Tschechien beschäftigt.
## Events und personalisierte Produkte im Fokus
Bereits im Frühjahr hatte Ravensburger angekündigt, sich breiter
aufzustellen. Unter anderem soll das Eventportfolio ausgebaut werden. Dazu
gehören Sammelkarten-Turniere und Speedpuzzle-Wettbewerbe. An Bedeutung
gewinnen demnach auch personalisierte Angebote wie Fotopuzzles.
Die Steiff-Übernahme ist nicht der erste Zukauf des Unternehmens in
jüngster Zeit: Ravensburger hat sich zuletzt mehrheitlich am NordSüd Verlag
beteiligt – dem größten Schweizer Kinderbuchverlag, bekannt für Klassiker
wie „Der Regenbogenfisch“ und „Lars, der kleine Eisbär“. Ravensburger baut
damit sein Kinderbuchsegment aus und sichert sich Zugang zu etablierten
Figuren. Zur Ravensburger-Gruppe gehören unter anderem bereits Marken wie
Brio, die für Holzeisenbahnen bekannt sind, und der Spielkartenverlag FX
Schmidt. Mit Steiff kommt nun ein weiterer großer Name hinzu.
## Vom Nadelkissen zum Teddybären
Die Geschichte von Steiff beginnt nicht mit einem Teddybären, sondern einem
anderen Tier: Nach der Schneiderlehre macht sich Margarete Steiff 1877 mit
einem Filzgeschäft selbstständig – und stellt einen kleinen Stoffelefanten
als Nadelkissen her. Dieser wird der Firmenhistorie zufolge als
Kinderspielzeug schnell zum Verkaufsschlager. 1880 gilt als das
Gründungsjahr von Steiff.
Bereits wenig später gehören neben dem Elefanten unter anderem auch Affen,
Esel, Pferde, Kamele, Schweine und Giraffen zum Sortiment. Bis der berühmte
Teddybär entsteht, dauert es allerdings noch ein paar Jahre: Margaretes
Neffe Richard Steiff entwirft den Bären 1902. Es ist nach Firmenangaben der
weltweit erste Plüschbär mit beweglichen Armen und Beinen. Ab 1906 sei der
Bär unter dem Namen „Teddybär“ verkauft worden – benannt nach dem
amerikanischen Präsidenten Theodore „Teddy“ Roosevelt.
## Steiff zuletzt mit roten Zahlen
Heute verkauft das Unternehmen auch weniger [3][traditionelle
Kuscheltiere]. So gibt es beispielsweise Bären in Fußballtrikots oder
Figuren aus dem Disney-Universum wie Winnie Puuh und Micky Maus. Außerdem
hat Steiff Baby- und Kinderkleidung im Angebot.
Die Steiff Beteiligungsgesellschaft, zu der die Margarete Steiff GmbH
gehört, besitzt auch einen kleinen Automobilzulieferer und eine Weberei.
Die Gruppe erwirtschafte 2023 mit knapp 1.300 Mitarbeitern einen Umsatz von
rund 94 Millionen Euro. Mehr als zwei Drittel davon entfallen auf das
Spielzeug-Geschäft, wie aus dem Unternehmensregister des Bundes hervorgeht.
Zum Vergleich: 2019 machte Steiff einen Umsatz von mehr als 112 Millionen
Euro.
Der Verlust lag 2023 bei gut 416.000 Euro. Das geht laut Jahresabschluss
vor allem auf die schwächelnde Autosparte zurück. Das
Spielzeug-Kerngeschäft lief demnach besser. Die gesamte Gruppe schrieb in
den Vorjahren mehrfach rote Zahlen, zum Teil im Millionenbereich. Wie es
Steiff aktuell geht, ist nicht bekannt. Neuere Daten sind bislang nicht
verfügbar.
## Umbruch in der Spielzeugbranche?
Auch andere Unternehmen suchen aktuell nach Partnern oder neuen Wegen. So
übernahm etwa die Simba-Dickie-Group, zu der unter anderem der
Bobby-Car-Hersteller Big und das Modelleisenbahn-Unternehmen Märklin
gehören, Anfang 2026 eine US-Firma, um ihr internationales Geschäft
auszubauen. Playmobil setzt angesichts sinkender Umsätze auf neue
Zielgruppen – unter anderem mit Figuren der Fußball-Nationalmannschaft und
aller Bundesligisten.
17 Jun 2026
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