# taz.de -- Baumsterben in Städten: Klimawandel bedroht Deutschlands Stadtbäume
> Im Berliner Besselpark werden kranke Bäume gefällt. Wie hier gehen
> bundesweit Schattenspender verloren, weil die zunehmende Trockenheit
> ihnen zusetzt.
(IMG) Bild: 25 Bäume werden im Besselpark gefällt, weil sie von einem Bakterium befallen sind
Im Kreuzberger Besselpark, direkt vor den Fenstern der taz-Redaktion,
werden gerade Rotblühende Rosskastanien gefällt. Die Exemplare müssen
weichen, weil sie von einem Bakterium befallen sind, das Stämme und Kronen
schädigt. Laut einer Ankündigung des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg
sollten bis zu 25 Bäume fallen, die taz hat allerdings 29 frische Fällungen
gezählt.
„Sehr schade“ findet das eine Besucherin des Parks. Im Sommer verbringe sie
jede Mittagspause hier, es sei ein „Zufluchtsort“. Im Besselpark findet
auch regelmäßig das tazlab statt, für das es nun erst einmal weniger
Schatten geben wird. Aber natürlich geht es um mehr: In deutschen Städten
wurden [1][in den letzten sieben Jahren laut diesjährigem Hitzecheck der
Deutschen Umwelthilfe (DUH) 900.000 Bäume gefällt.]
„Wenn sich dieser Trend fortsetzt, leben wir in wenigen Jahren in
menschenfeindlichen Betonwüsten“, [2][sagt Barbara Metz,
Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe, über den Baumschwund.]
Nur sieben Städte erreichen den kritischen Wert von 30 Prozent
baumbeschatteter Fläche. Ulf Stein, Professor für Landschaftsplanung und
Regionalentwicklung an der Hochschule Eberswalde, betont gegenüber der taz
die Wichtigkeit von Stadtbäumen. Durch sie gebe es Schatten,
Verdunstungseffekte und Lebensraum für Tiere. All das sei „bioklimatisch
von unendlichem Wert“.
## Trockenheit, Extremwetter, Abgase
In Städten leiden Bäume laut [3][Naturschutzbund (Nabu)] unter wenig Platz,
Extremwetter und Abgasen. Zusätzlich gerieten Bäume durch den Klimawandel
zunehmend unter Trockenstress, so Ulf Stein. Ein Problem sei auch, dass in
den letzten Jahrzehnten auf relativ wenig Arten gesetzt wurde. Die
immergleichen Sorten von Kastanien, Platanen und Ahorn stünden an den
Straßen und in den Parks. Doch gerade sie seien nicht auf die zunehmende
Trockenheit eingestellt und büßten nun an Vitalität ein. Schädlinge und
Krankheiten hätten ein leichtes Spiel – treffe es einen Baum, treffe es
meist auch die anderen.
Auch im Besselpark hat es die meisten getroffen: 70 Prozent der rund 100
Kastanien seien bereits von dem Bakterium Pseudomonas syringae pv. aesculi
befallen, eine weitere Verbreitung sei zu erwarten, [4][teilt das
Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg mit.] „Eine Bekämpfung des Erregers ist
nach aktuellem wissenschaftlichen Stand nicht möglich“, heißt es weiter.
Die Fällung der 25 am stärksten betroffenen Exemplare erfolgte trotz
Vogelschutzperiode – Grund ist laut Bezirksamt das Verkehrsrisiko durch
Ast- und Stammbrüche. Ein enger Austausch mit dem Umwelt- und
Naturschutzamt habe stattgefunden.
## Grüne wünschen sich mehr Ambition
Wenn die alten Bäume schwinden, braucht es Ersatz. Die Europäische Union
hat sich vorgenommen, bis 2030 drei Milliarden Bäume zu pflanzen.
Deutschland will sich mit 16 Millionen Bäumen an dem Ziel beteiligen – etwa
0,5 Prozent. „Das ist beschämend wenig“, kritisiert Julia Schneider,
Berliner Grünen-Abgeordnete im Bundestag. Einige Bundesländer hätten laut
dem Entwurf für den „Nationalen Wiederherstellungsplan“ gar keine neuen
Bäume vorgesehen.
„Durch die Verschuldung in den Kommunen fällt das Stadtgrün hintenüber“,
sagte Schneider der taz. Der Bund und die Länder sollten daher die
Gemeinden mit Mitteln beispielsweise aus dem Sondervermögen für
Infrastruktur und Klimaneutralität unterstützen. Positiv sieht sie, dass
sich die Bundesregierung auf eine [5][Anfrage ihrer Fraktion] hin
bereiterklärt hat, den Baumbestand bundesweit zu dokumentieren. Eine
transparente Beobachtung sei „Grundlage für besseren Schutz von
Bestandsbäumen und gezielte Neupflanzungen“, so Schneider.
## Die Zukunft braucht „Klimabäume“
Neupflanzungen werde es im Besselpark aus personellen und finanziellen
Gründen vor Ende 2027 nicht geben, teilte das Bezirksamt der taz mit. Doch
was gilt es zu beachten, wenn es so weit ist? „Es hilft nicht allein, neue
Bäume zu pflanzen“, betont Ulf Stein. „Klimabäume“, also trockenresistente
Straßenbäume, müssten es sein. Das sind heimische Bäume wie die Winterlinde
oder mediterrane Arten wie die Zerreiche oder der Speierling.
Also bye-bye, Rosskastanie? Nicht unbedingt. „Wir müssen die alten
Baumsorten nicht verbannen“, sagt Stein. An ausreichend feuchten Orten
könnten Bäume wie die Rosskastanie weiterhin gut stehen. Konzepte, um es
neuen und alten Bäumen in der Stadt leichter zu machen, gibt es auch – etwa
durch unterirdische Regenwasserspeicher und weniger Versiegelung rund um
die Bäume, damit sie Nährstoffe und Wasser gut aufnehmen können.
Der Besselpark dürfte in jedem Fall etwas diverser werden: „Für die gesamte
Fläche ist ein Nachpflanzkonzept mit unterschiedlichen Baumarten
vorgesehen“, teilte das Bezirksamt mit.
19 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Hitze-Check-der-Deutschen-Umwelthilfe/!6185857
(DIR) [2] https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/hitze-check-2026-der-deutschen-umwelthilfe-fast-eine-million-baeume-aus-deutschen-staedten-verschwund/
(DIR) [3] https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pflanzen/pflanzenwissen/04009.html
(DIR) [4] https://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/aktuelles/pressemitteilungen/2026/pressemitteilung.1679327.php
(DIR) [5] https://dserver.bundestag.de/btd/21/062/2106203.pdf
## AUTOREN
(DIR) Charlotte Gabel
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