# taz.de -- Marius Borg Høiby vor Gericht: Ein Bonusprinz auf der Anklagebank
> Am Montag fällt das Urteil gegen Marius Borg Høiby. Dem Sohn von
> Kronprinzessin Mette-Marit werden Vergewaltigung und Drogendelikte
> vorgeworfen.
(IMG) Bild: Marius Borg Høiby mit Kronprinz Haakon von Norwegen in einer Aufnahme von 2016
Schon damals gab es seinetwegen Gerede: Ob seine Mutter überhaupt die
passende Kronprinzessin sein könnte? Eine Alleinerziehende, die zu viel auf
Partys unterwegs gewesen war! Aber auch seinetwegen konnte Norwegen sich
dann großzügig und offen fühlen. Die Liebe des Kronprinzen war doch wohl
wichtiger als der Dünkel? Na, also.
Der Vierjährige auf dem Arm der Braut, ein ganz normales Kind, nur halt
plötzlich auf dem Schlossbalkon mit Blick auf jubelnde Menschenmassen: Das
Bild vom Tag der Kronprinzenhochzeit gehört seit 25 Jahren zur Geschichte
des Landes – und zur Biografie des Angeklagten von heute. Am Montag fällt
in Oslo das Urteil gegen Marius Borg Høiby, den sogenannten Bonusprinzen.
[1][Über 40 Anklagepunkte waren vor dem Osloer Amtsgericht] verhandelt
worden, in sechs langen Wochen im Februar und März. Die vier schwersten
Vorwürfe sind sexuelle Handlungen an wehrlosen, weil schlafenden oder
berauschten Frauen. In Norwegen lautet der Straftatbestand
Schlafvergewaltigung. Außerdem werden dem 29-Jährigen Körperverletzung,
Bedrohungen, Sachbeschädigung, Drogendelikte vorgeworfen.
Spätestens mit diesem bis dahin für Norwegen [2][unvorstellbarem Prozess
wurde Høiby auch international ein Begriff], selbst für jene, die
Königshäuser für irrelevantes Chi-Chi halten. Den nicht enden wollenden
skandalösen Enthüllungen war medial schwer aus dem Weg zu gehen, seit der
älteste Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit im August 2024 das erste Mal
festgenommen wurde. Da hatte er im Drogenrausch in der Wohnung einer
Ex-Freundin randaliert.
„Bonusprinz“, den Titel hatte er da in Norwegens Presse längst weg, in
Anlehnung an „Bonuskind“, das dort den Begriff Stiefkind ersetzt hat. Er
war als nicht-royales Mitglied in der Königsfamilie aufgewachsen. Seine
Bonusgroßeltern sind die sehr beliebten Staatsoberhäupter des Landes.
Unnormal privilegierte Kindheit also, nur ohne jegliche Rollendefinition.
Das war neu.
Unter Nonstop-Beobachtung der Klatschpresse hatte dieser Nicht-Prinz als
Teenager zu feiern angefangen, nicht mehr aufgehört und dabei offenbar die
Kontrolle über sich und sein Leben verloren. Vor Gericht versuchte er sich
zu erklären: Er sei ein Nichts, nur bekannt als Mamas Sohn. Er habe
Bestätigung gebraucht und sie im Rausch gesucht.
## Kokain, Party, Sex
[3][Kokain, Party, Sex – Norwegen wollte lieber gar nicht so genau wissen,
was in Oslos Elite offenbar Alltag geworden ist]. Man sah in einen nicht
als typisch norwegisch geltenden Abgrund aus Maßlosigkeit, Leere und
Dekadenz, nachdem die von Høiby geschädigten Frauen und Zeugen vor Gericht
ihr Leben beschrieben hatten.
Seine Familie betonte, sie habe immer wieder versucht, ihm zurück in ein
anderes, gesundes Leben zu helfen. Offenbar erfolglos. Und nun saß er in
U-Haft, anstatt wie die beiden royalen Halbgeschwister Zeit mit seiner
mittlerweile lebensbedrohend lungenkranken Mutter zu verbringen. Man ließ
ihn auch nicht für ein paar Tage vor der Urteilsverkündigung nach Hause,
traute ihm nicht zu, das Kontaktverbot zu einer Ex-Freundin einzuhalten.
Unglaublich hart sei das, hatte er gesagt. Es ging in seinen Aussagen sehr
viel darum, was alles sehr hart für ihn war.
Ob er sich der Vergewaltigung schuldig gemacht hat, wenn es vor den
verhandelten Fällen einvernehmlichen Sex gab und sich aus Rauschgründen
niemand an etwas erinnern kann? Die Verteidigung sagt nein. Die Anklage
sieht ihren Vorwurf mit Videoaufnahmen vom Handy des Angeklagten bewiesen.
Das in Norwegen für möglich gehaltene Strafmaß liegt irgendwo zwischen
Geldstrafe und maximal 16 Jahren Haft.
14 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anne Diekhoff
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