# taz.de -- Geplantes Tourismusprojekt in Albanien: „Flamingo-Revolution“ gegen das Trump-Resort
       
       > In einem albanischen Naturschutzgebiet wollen US-Präsidententochter
       > Ivanka Trump und Ehemann Jared Kushner eine luxuriöse Ferienanlage bauen.
       > Dagegen regt sich Protest.
       
 (IMG) Bild: Für die Flamingos: Demonstration gegen Trumps und Kushners Bauprojekt; Tirana am 13. Juni
       
       Sie schwenken die albanische Nationalflagge und halten Pappmodelle von
       Flamingos hoch. Tausende Albaner – manche sind dafür extra aus dem Ausland
       eingeflogen – haben sich am Samstagabend auf dem zentralen Skanderbeg-Platz
       der Hauptstadt Tirana versammelt, um gegen ein geplantes Luxusresort zu
       demonstrieren. Den 14. Tag in Folge halten sie Transparente hoch, mit
       Slogans wie „Albanien ist nicht zu verkaufen“.
       
       „Das ist ein historischer Moment“, sagt Fatos Lubonja, einer der
       bedeutendsten Schriftsteller des Landes. Am Samstagabend steht der
       75-Jährige an der Seite der meist jungen Demonstranten. Er sagt: „Das ist
       eine Revolution, eine friedliche Revolution“.
       
       Die Proteste ausgelöst hat ein Tourismusprojekt auf Albaniens größter Insel
       Sazan. Teil des Vorhabens ist auch die Lagune Narta und der gegenüber auf
       dem Festland gelegene Strand Pishë Poro, der in einem Naturschutzgebiet
       liegt. 2024 wurden dafür langjährige Bauauflagen gelockert. Daraufhin
       wurden Pläne bekannt, wonach [1][Ivanka Trump], die Tochter von
       US-Präsident Donald Trump, und ihr Ehemann, Jared Kushner, dort eine
       Luxusferienanlage bauen wollen. Konkret umfasst das Projekt eine 1,4
       Milliarden US-Dollar teure Hotelanlage auf der unbewohnten Insel und ein
       4,7 Milliarden US-Dollar teures Bauprojekt nahe dem Ort Zvërnec.
       
       Das Gebiet zählt zu den ökologisch bedeutendsten Küstenabschnitten am
       Mittelmeer. Es dient als Rastplatz für Zugvögel auf ihrem Weg nach Afrika
       und bietet Lebensraum für mehr als 200 Arten, darunter Pelikane und
       Flamingos. Nun stellt sich heraus: Die Regierung in Tirana hatte das
       Projekt bereits Anfang 2025 genehmigt – intransparent, unter Ausschluss der
       Öffentlichkeit.
       
       ## Proteste weiten sich aus
       
       Das brachte die „Flamingo-Revolution“ ins Rollen. Sie begann am 23. Mai an
       der Küste von Zvërnec. Als die Demonstranten sich am 30. Mai abermals
       friedlich dort versammelten, wurden sie von privaten Sicherheitskräften
       angegriffen. Die Proteste breiteten sich rasch auf weitere Städte aus.
       
       Schon längst richtet sich der Unmut nicht mehr nur gegen das umstrittene
       Tourismusprojekt. Die Demonstranten sind wütend auf [2][Premier Edi Rama
       und seine sozialistische Regierungspartei]. Auch Sali Berisha, der
       konservative Ex-Staatspräsident, Ex-Premier und Chef der größten
       Oppositionspartei PD, wird kritisiert. Ebenso die restliche Polit- und
       Wirtschaftselite. Die Forderung der Demonstranten: das Alte muss weg, das
       Neue muss kommen.
       
       Am Freitag hat die albanische Sonderstaatsanwaltschaft zur
       [3][Korruptionsbekämpfung] (SPAK) die Festnahme von 20 Staatsangehörigen
       beantragt. Sie werden des Drogenhandels und der Geldwäsche verdächtigt.
       Berichten lokaler Medien zufolge sollen einige der Verdächtigen womöglich
       mit dem Tourismusprojekt der [4][Familie Trump] in Verbindung stehen.
       
       Langzeitpremier Rama, der nach den jüngsten Parlamentswahlen im Mai 2025
       dank eines klaren Wahlsiegs seine vierte Amtszeit antrat, hält am Vorhaben
       fest. „Ich werde Albanien zur Prinzessin der Urlaubsziele am Mittelmeer
       machen“, so Rama.
       
       Doch die Proteste gehen weiter, allabendlich in Tirana und in verschiedenen
       albanischen Küstenorten. Auch die Bewohner des Dorfes Riol in einer Region
       mit Sandstränden und Pinienwäldern im Nordwesten Albaniens demonstrieren
       derweil gegen ein Tourismusprojekt. Eine albanische Firma baut dort ein
       Fünf-Sterne-Ferienresort.
       
       Wie beim Vorhaben der Familie Trump auf der Insel Sazan und in Zvërnec hat
       das Projekt in Riol von der Regierung Rama den „Sonderstatus für
       Investoren“ erhalten. Dieses werde auf ihrem enteigneten Land errichtet,
       sagen indes die Anwohner. „Was in diesem Land vor sich geht, ist Wahnsinn“,
       sagte Nikolín Markpál, 60, ein lokaler Landbesitzer. „Glauben die
       Investoren etwa, sie könnten all diesen Reichtum ungestraft an sich
       reißen?“
       
       14 Jun 2026
       
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 (DIR) Ferry Batzoglou
       
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