# taz.de -- Krawalle in Nordirland: Mob zündet Häuser von Migranten an
> Nach der brutalen Messerattacke eines sudanesischen Asylbewerbers in
> Belfast kommt es zu weiteren Ausschreitungen. Mehrere Häuser wurden
> niedergebrannt.
(IMG) Bild: Das Ergebnis von antimigrantischen Pogromen: zerstörte Existenzen, wie die von Jamie Corrie
Die Krawalle in Nordirland gehen weiter. Auch in der zweiten Nacht nach der
brutalen Messerattacke eines sudanesischen Asylbewerbers gegen einen
Schotten in Belfast kam es in der nordirischen Hauptstadt und in anderen
nordirischen Städten zu rassistischen Ausschreitungen. Auch in Dublin,
Glasgow, Edinburgh und London fanden Demonstrationen gegen die Asylpolitik
der Regierungen statt.
Das Opfer, ein Mann in den Vierzigern, verlor sein linkes Auge und erlitt
tiefe Schnittwunden an Kopf, Gesicht und Rücken. Seine Familie erklärte,
dass sie mit der Randale nicht einverstanden sei: „Wir haben viele
Migranten, die einen äußerst wertvollen Beitrag für unser Land leisten,
unter anderem in unserem Gesundheitssystem und im Gastgewerbe, und wir sind
auf sie angewiesen, damit unser Land funktioniert.“
Das sehen die rassistischen Gruppen freilich anders. Elon Musk und andere
rechtsextreme Aufwiegler versuchten, die Tat für ihre Zwecke auszunutzen.
Musk schrieb auf seiner X-Plattform: „Nur wenn wir wiederholt und laut
protestieren, wird sich etwas ändern!!“ Er hatte einen Beitrag des
rechtsextremen Aktivisten Tommy Robinson geteilt, in dem [1][Dutzende Orte
aufgeführt waren,] an denen protestiert werden sollte.
Eine Krankenschwester mit einer „anderen Hautfarbe“, wie es ein Beobachter
beschrieb, wurde von vier maskierten Männern bis ins [2][Ulster Hospital in
Belfast verfolgt.] Zwei ugandische Pflegekräfte mussten von einem Pfarrer
gerettet werden, der die Meute überredete, die Frauen gehen zu lassen. Ein
Randalierer zündete sich selbst an, als er in Portadown versuchte, einen
Molotowcocktail zu werfen. 27 Migranten, darunter ein zwei Monate altes
Baby, sind obdachlos geworden, weil ihre Häuser angezündet wurden und
niederbrannten.
## Offene Grenze ist ein Dorn im Auge
Bei den Krawallen, die sich ausschließlich in protestantisch-unionistischen
Gegenden abspielen, mischen auch die paramilitärischen loyalistischen
Verbände Ulster Defence Association (UDA) und Ulster Volunteer Force (UVF)
mit, weil sie sich davon erhoffen, dass die Grenze zwischen beiden Teilen
Irlands geschlossen wird. Der sudanesische Attentäter war 2023 von Paris
nach Dublin geflogen und dann mit dem Bus weiter nach Belfast gereist, wo
seinem Asylantrag stattgegeben wurde.
Der Democratic Unionist Party (DUP), die die stellvertretende
Regierungschefin in Nordirland stellt, ist die offene Grenze ebenfalls ein
Dorn im Auge. Parteichef Gavin Robinson schlug vor, die „durchlässige
Grenze“ dicht zu machen. Der britische Nordirland-Minister Hilary Benn
sagte, er habe die irische Justizministerin Helen McEntee angerufen, „um
sie über die Geschehnisse zu informieren, angesichts dessen, was wir nun
darüber wissen, wie der Verdächtige nach Nordirland gelangt ist“.
Das Abkommen über den Gemeinsamen Reiseverkehr (Common Travel Area) ist
mehr als 100 Jahre alt, und die offene Grenze ist im Belfaster Abkommen vom
Karfreitag 1998, das der Krisenprovinz relativen Frieden bescherte,
bekräftigt worden. Sollte die Grenze geschlossen werden, müsste man sich
wohl auf ein Wiederaufleben des Konflikts gefasst machen.
11 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.politico.eu/article/labour-slams-appalling-elon-musk-after-belfast-riots/
(DIR) [2] https://www.belfasttelegraph.co.uk/news/northern-ireland/sdlp-leader-accuses-dup-of-exploiting-belfast-stabbing-to-raise-questions-over-irish-border/a/156285563.html
## AUTOREN
(DIR) Ralf Sotscheck
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