# taz.de -- Schutz Jugendlicher vor Sportwetten: Risikoquote eins zu eins
       
       > Berlin beschließt eine Strategie gegen Spielsucht von Minderjährigen. Vor
       > allem die Werbung von Wettanbietern, gerade im Umfeld der WM, birgt
       > Gefahren.
       
 (IMG) Bild: Die Fussballweltmeisterschaft ist die Hochzeit für Sportwetten
       
       Für [1][Sportwettenanbieter] stehen mit der am Donnerstag beginnenden
       Fußball-Weltmeisterschaft fünfeinhalb goldene Wochen bevor. Der Deutsche
       Sportwettenverband schätzt, dass allein in Deutschland knapp eine Milliarde
       Euro auf die WM gesetzt werden. Tipico, mit einem Marktanteil von mehr als
       50 Prozent größter Anbieter hierzulande, hat erstmals sogar
       Übertragungsrechte für sämtliche 104 Spiele erworben und stellt seinen
       aktiven Nutzer:innen Livestreams zur Verfügung.
       
       Viele der Spieler:innen dürften zu den 1,3 Millionen Erwachsenen mit
       einer glücksspielbezogenen Störung oder den weiteren 3 Millionen
       Suchtgefährdeten gehören, die es laut [2][Glücksspielatlas 2023] über alle
       Glücksspielarten hinweg geben soll. Doch auch Kinder und Jugendliche lassen
       sich von der Aussicht auf Gewinne und zusätzliches Adrenalin bei den
       Spielen anziehen und durch Werbung im Umfeld der Übertragungen ansprechen.
       
       Der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck (CDU) warnte zuletzt im
       Ärzteblatt, es sei „problematisch, wenn Fußball, Emotion und Wetteinsatz so
       eng miteinander verbunden werden, dass gerade junge Menschen den Eindruck
       bekommen, Wetten gehörten selbstverständlich zum Spiel dazu“.
       
       Zwar ist unter-18-Jährigen das Wetten gesetzlich verboten, doch mehrere
       Jugendstudien belegen, dass etwa jeder zehnte Heranwachsende der Gruppe der
       aktuellen Sportwetter angehört. Laut [3][Fachstelle Suchtprävention] haben
       in Berlin 11,6 Prozent der 16- und 17-jährigen Jugendlichen in den letzten
       12 Monaten an Glücksspielen teilgenommen. Besonders gefährdet: männliche
       Jugendliche mit Migrationshintergrund und niedrigem Schulabschluss. Sie
       wetten sowohl online als auch – trotz eines generellen Zutrittsverbots – in
       Wettbüros.
       
       Nun soll in Berlin der Schutz für Minderjährige vor Sportwetten verbessert
       werden. Das hat das Abgeordnetenhaus am vergangenen Donnerstag
       [4][beschlossen]. Das besondere daran: Die Koalitionsparteien SPD und CDU
       stimmten einem Antrag der Opposition zu – erst zum zweiten Mal in der
       laufenden Legislaturperiode. Der Initiatorin des Antrags, die
       jugendpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Klara Schedlich, ist im
       Gespräch mit der taz die Überraschung und Freude darüber anzumerken. Sie
       spricht von einem „Meilenstein im Kampf gegen die Glücksspiellobby“.
       
       ## Konzept gegen Werbung
       
       Bereits zur Fußball-Europameisterschaft 2024 hatte Schedlich den Antrag
       „Kinder und Jugendliche vor Sportwettsucht schützen: Werbung endlich
       regulieren“ eingebracht. Die positive Resonanz und Ankündigung vor allem
       der SPD, diesen zu übernehmen, führte dann zur Verzögerung, aber auch zum
       aktuellen Beschluss in nur leicht geänderter Form.
       
       Der Senat ist jetzt beauftragt, ein Konzept zum Schutz von Kindern und
       Jugendlichen vor Sportwettenwerbung zu erarbeiten und dabei die Schulen mit
       einzubeziehen. Teil eines Konzepts könnte laut Schedlich sein, „zu
       überprüfen, ob man Sportwettenwerbung in Stadien oder Vereinen verbieten
       kann“. Die Abgeordnete denkt dabei etwa ans Olympiastadion, wo
       Sportwettenwerbung omnipräsent ist – was insbesondere für suchtgefährdete
       Menschen ein „Riesenproblem“ sei. Innerhalb eines Jahres, so Schedlichs
       Hoffnung, könnte ein Gesamtkonzept stehen.
       
       Beschlossen wurde zudem eine öffentliche Kampagne über die Risiken von
       Glücksspiel und deutlichere Warnhinweise auf entsprechender Werbung – auch
       wenn Schedlich „ein generelles Werbeverbot“ bevorzugen würde. Ausgebaut
       werden soll die Suchthilfe für Glücksspielsucht, die vermehrt in
       Sportvereinen verankert werden soll.
       
       Zusätzlich ist der Senat aufgefordert, sich in den laufenden Verhandlungen
       zum Glücksspielstaatsvertrag auf Bundesebene für eine Eindämmung der
       Werbung einzusetzen. Unter anderem mit dem Ziel, Werbung für Glücksspiel
       nur nachts ausstrahlen zu dürfen und Sportwettenanbietern die Kosten für
       Prävention von Spielsucht aufzuerlegen.
       
       Für Schedlich ist es „ein großer Schritt, dass Berlin sich auf den Weg
       macht“, denn bislang sei das Thema unterbelichtet. Auf ihre Anfrage vor
       zwei Jahren hatte der Senat zwar einige Präventionsangebote für Jugendliche
       aufgezählt, etwa von der Fachstelle für Suchtprävention und der
       gemeinnützigen „pad – präventive, altersübergreifende Dienste im sozialen
       Bereich“, doch eine Gesamtstrategie fehlte bislang.
       
       9 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Sportwetten-in-Berlin/!5630821
 (DIR) [2] https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/publikationen/details/gluecksspielatlas-2023
 (DIR) [3] https://www.berlin-suchtpraevention.de/wp-content/uploads/2026/04/260407_Infoblatt_Gluecksspiel_8-Seiter_FINAL.pdf
 (DIR) [4] https://www.parlament-berlin.de/ados/19/IIIPlen//vorgang/d19-3259.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Erik Peter
       
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