# taz.de -- Geburtstagsgruß für Prince in Berlin: Ehrerbietung im Peacock-Stuhl
       
       > US-House-DJ Moodymann feierte in Berlin das Werk von Funk-Superstar
       > Prince: Videoclips und weniger bekannte Songs betonten neue Facetten von
       > dessen Universum.
       
 (IMG) Bild: Unvergessen: Prince bei einem Konzert 1998 in Stockholm
       
       Moodymann entschuldigt sich gleich zu Anfang: Seine Schallplatten hat er
       nicht mitgebracht ins Berliner Haus der Visionäre. Aus Angst, sagt er, dass
       sie unterwegs verloren gehen. Nur zu Hause in den USA legt der House-DJ und
       -Produzent [1][Vinyl] auf, weil er da mit dem Auto zu den Gigs fährt.
       
       Das Wort Fan kommt bekanntlich vom englischen Adjektiv fanatic, fanatisch.
       Und Kenny Dixon Jr., wie Moodymann eigentlich heißt, ist ein regelrechter
       Prince Ultra: ein Super-Fan des Superstars aus Minneapolis.
       
       ## Begehbarer Schrein in Lila
       
       Seit seinem 15. Lebensjahr sammelt Moodymann die Platten von His Royal
       Purpleness. Inzwischen hat er in Detroit ein ganzes Haus, das er als Studio
       nutzt, in einen begehbaren Schrein zu Ehren seines Idols eingerichtet. Es
       ist von oben bis unten mit Devotionalien vollgestopft samt lila Vorhängen
       vor den Fenstern.
       
       Bis heute hat er noch nicht alle Aufnahmen aus seinem umfangreichen Archiv
       aus Kassetten, 8-Tracks und Schallplatten mit unveröffentlichten Liedern,
       Demos und Live-Mitschnitten digitalisiert. Nach Berlin habe er nur sieben
       Prozent seines Bestands mitgebracht, schätzt Moodymann lässig: neben viel
       Musik auch jede Menge Videoclips von Konzerten.
       
       Zehn Jahre ist es her, dass Prince verstarb. Anlässlich dieses Jahrestags
       fand im Haus der Visionäre eine Veranstaltungsreihe zum Gedenken an den
       US-Ausnahmemusiker statt. Unter dem Titel „Heaven U Wish 4 Purple“ wurden
       dort seit seinem Todestag am 21. April wöchentlich Konzerte, DJ-Sets,
       Workshops und Talks abgehalten. Den Abschluss bildete der Auftritt von
       Moodymann an Princeʼ Geburtstag am 7. Juni.
       
       ## Eindeutig vom Idol geprägt
       
       Kenny Dixon Jr. begann in den Neunzigern erste Platten zu veröffentlichen.
       Gleich sein Debütalbum „Silentintroduction“ (1997) verändert die
       House-Musik für immer. In seinen Tracks verbindet Moodymann Gospel, Jazz
       und Soul miteinander. Vor allem aber enthalten sie eine gehörige Portion
       Funk, der eindeutig von Prince geprägt ist.
       
       So basieren einige seiner Tracks auf Samples von Prince, etwa „U Can Dance
       If U Want 2“ (1997) mit einer Zeile aus „All the Critics Love U in New
       York“ von 1982. Neben der Musik von Prince dürften noch andere Gründe für
       seine glühende Verehrung eine Rolle spielen. Wie Moodymann hat Prince seine
       Heimatstadt immer gestärkt. Auch die Verweigerungshaltung gegenüber der
       Musikindustrie und die Do-it-Yourself-Haltung haben beide gemein.
       
       Das Verhältnis von Prince zu House ist indes etwas kompliziert. [2][Der
       Kulturkritiker Greg Tate] sah in dem Stück „Housequake“ (1987) einen
       Seitenhieb auf den damals frischen Sound aus Chicago. Später ließ Prince
       Remixe seiner Stücke von dem New Yorker DJ Junior Vasquez und dem
       House-Pionier Steve „Silk“ Hurley anfertigen.
       
       Er besuchte regelmäßig Clubs, nicht zum Tanzen, sondern, um dem Treiben auf
       und neben dem Dancefloor zuzuschauen. Beeindruckt zeigte er sich nicht so
       sehr von den musikalischen Innovationen aus dem Untergrund. Eine wichtige
       Inspirationsquelle für das Prince-Album „Diamonds and Pearls“ (1991) war
       der Dance-Megahit „Gonna Make You Sweat (Everybody Dance Now)“ von C & C
       Music Factory.
       
       Bereits in Montreux und Wien hat Moodymann sein Prince-Programm mit
       Raritäten aus seiner Sammlung vorgestellt. Ob dieses Format als Höhepunkt
       eines Clubabends funktioniert, sei dahingestellt. In Berlin sitzt Moodymann
       auf einem Peacock Chair, die Bühne leicht erhöht. In so einem Korbstuhl
       ließ sich auch der Black-Panther-Anführer Huey P. Newton 1967
       fotografieren, was dem Möbel eine politische und popkulturelle Aufladung
       verlieh.
       
       ## Viel Unveröffentlichtes
       
       Moodymann lässt sich nicht fotografieren. Die Kapuze seines schwarzen
       Hoodies tief ins Gesicht gezogen, nickt er hin und wieder mit dem Kopf.
       Hinter ihm hängt eine Projektionsfläche. Vor und zwischen den Liedern macht
       Dixon mit seiner sonoren Stimme kurze Ansagen. Die Auswahl wirkt spontan.
       Videos aus unterschiedlichen Schaffensperioden von Prince wechseln mit
       Soundfiles ab. Wie zu erwarten, gibt es viel Unveröffentlichtes zu hören,
       wie etwa ein Police-haftes Stück von 1981, und alternative Versionen,
       darunter eine lange Fassung der B-Seite „17 Days“ oder der zehnminütige,
       großartige Remix von „I Wish U Heaven“.
       
       Zwar lässt Moodymann den unbändigen, kreativen Geist von Prince am späten
       Sonntagabend wiederauferstehen. Eine rauschende Abschlussfeier steht aber
       noch aus. Vielleicht kann DJ Rashida, die früher regelmäßig für Prince
       aufgelegt hat, noch einmal vorbeischauen.
       
       8 Jun 2026
       
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