# taz.de -- Neuer US-Geheimdienstchef ernannt: Wieder ein militanter Loyalist statt eines Profis
       
       > US-Präsident Donald Trump macht den Wahlkampfspender Bill Pullte zum
       > Interims-Geheimdienst-Koordinator. In Sicherheitsfragen ist er völlig
       > unerfahren.
       
 (IMG) Bild: Wurde von US-Präsident Donald Trump am Dienstag zum amtierenden US-Geheimdienstchef ernannt: William „Bill“ Pulte
       
       Er hat keinerlei Geheimdiensterfahrung und sein aktueller Regierungsposten
       ist nur ein Dankeschön für seine finanziellen Wahlkampfspenden. Dennoch
       wurde William „Bill“ Pulte von US-Präsident Donald Trump am Dienstag zum
       amtierenden US-Geheimdienstchef ernannt. In dieser Funktion ersetzt er
       Tulsi Gabbard, die aus persönlichen Gründen [1][vor kurzem ihren Rücktritt
       angekündigt] hatte.
       
       Gabbard hatte zuletzt einen schweren Stand in der Trump-Regierung, aber im
       Gegensatz zu Pulte brachte sie militärische Erfahrung mit und war während
       ihrer Zeit im US-Kongress ein Mitglied des Militär- wie auch des
       Auswärtigen Ausschusses im Repräsentantenhaus.
       
       „William verfügt über umfassende Erfahrung im Umgang mit den sensibelsten
       Angelegenheiten in Amerika – der Sicherheit und Stabilität der Märkte“,
       sagte Trump in seinem Post auf Truth Social. Gemeint war damit Pultes
       aktuelles Amt als Direktor der Bundesagentur für Wohnungsbau FHFA, in der
       er unter anderem den amerikanischen Hypothekenmarkt beaufsichtigt.
       
       Diese Aufsichtsfunktion hatte Pulte bisher vor allem dazu genutzt, um gegen
       Trumps vermeintliche politische Gegner vorzugehen und diese des
       Darlehensbetrugs zu beschuldigen. Bisher kam es nur zu einer einzigen
       Anklage, die später fallen gelassen wurde. Diese Loyalität dem Präsidenten
       gegenüber scheint nun belohnt worden zu sein.
       
       ## Bestätigung im Senat praktisch unmöglich
       
       Pulte, der nun beide Jobs – Geheimdienstchef und FHFA-Direktor –
       gleichzeitig ausführen wird, kommt aus einer wohlhabenden Familie. Sein
       Großvater William J. Pulte gründete in den 1950er Jahren das
       Hausbauunternehmen Pulte Homes, das heute unter dem Namen PulteGroup
       bekannt ist. Zum Zeitpunkt von Bill Pultes Geburt im Jahr 1988 gehörte das
       am Aktienmarkt gehandelte Unternehmen zu den größten
       Wohnungsbaugesellschaften in den Vereinigten Staaten.
       
       Sein Großvater wurde dadurch zu einem Milliardär. Pulte selbst wuchs in
       Florida auf, besuchte eine Privatschule und ging zum Studieren an die
       Northwestern University nahe Chicago. Nur ein Jahr nach seinem Abschluss
       gründete er ein Investmentunternehmen. Doch der lange Schatten des
       Familienunternehmens ließ ihn nicht los.
       
       Seine Rolle im Familienunternehmen sowie seine wachsende Online-Präsenz
       sorgen jedoch immer wieder für Streitigkeiten. Im Jahr 2019 begann er Geld
       auf Twitter – mittlerweile X – an unbekannte Menschen zu verlosen. Das
       sorgte für Internet-Fame und machte auch Trump auf ihn aufmerksam.
       
       Zusammen mit seiner Frau spendete Pulte etwa 1 Million Dollar an Trump, um
       diesen beim Wahlkampf zu unterstützen. Nachdem Trump vor zwei Jahren erneut
       zum US-Präsidenten gewählt wurde, berief er Pulte trotz dessen mangelnder
       Qualifikationen in die Regierung. Dort wurde er im März 2025 vom US-Senat
       in seiner aktuellen Position als FHFA-Direktor bestätigt.
       
       In dieser Funktion hat er bisher alles dafür getan, um Trump bei seinem
       politischen Rachefeldzug zu unterstützen. Er verkündete Untersuchungen
       gegen die [2][New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James], gegen die
       [3][Notenbank-Gouverneurin Lisa Cook] und den kalifornischen Senator Adam
       Schiff, um nur einige zu nennen.
       
       In der Funktion als amtierender Geheimdienstchef darf Pulte bis zu 210 Tage
       arbeiten, dann bräuchte es die Bestätigung durch den US-Senat. Dies scheint
       nahezu unmöglich. „Ich sehe keinerlei Anzeichen dafür, dass er für diese
       Stelle qualifiziert ist“, sagte der republikanische Senator John Cornyn.
       Der republikanische Mehrheitsführer im Senat, John Thune, ergänzte: „Wir
       brauchen da Profis.“
       
       Der unabhängige Senator Angus King resümierte: „Diese Ernennung macht
       keinen Sinn.“
       
       3 Jun 2026
       
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