# taz.de -- Unaufsteigbarer Meister Lok Leipzig: Völlig lost im Osten
> Regionalligameister Lok Leipzig steigt schon wieder nicht auf. Sie
> scheitern an den Würzburger Kickers und fehlendem Reformwillen der
> Vereine.
(IMG) Bild: Schon wieder nix: Nach dem zweiten Würzburger Treffer ist die Leipziger Enttäuschung und Verärgerung groß
Die Tränen konnte Djamal Ziane am Ende nicht mehr zurückhalten. Völlig
aufgelöst schlich er über den Rasen des Würzburger Stadions. „Ich bin sehr
leer“, sagte der Kapitän [1][des 1. FC Lokomotive Leipzig] der Leipziger
Volkszeitung. „Du kannst Gefühle nicht unterdrücken.“ Ziane, vor 34 Jahren
in Leipzig geboren, seit zwölf Jahren bei Lok, 352 Pflichtspiele auf dem
Buckel, konnte sich den großen Traum wieder nicht erfüllen: den Aufstieg in
die 3. Liga. Mit 1:2 das entscheidende Aufstiegsspiel bei den Würzburger
Kickers verloren.
Zum dritten Mal in sechs Jahren scheiterte er mit seinem Klub an den
Aufstiegsspielen. Gegen Verl war es die Auswärtstorregel, gegen Havelse
verlor Lok in der Verlängerung, und jetzt eine Saison später fehlten für
die entscheidenden zwei Spiele fünf Stammspieler. Würzburg steigt damit in
den Profifußball auf, Lok bleibt in der Regionalliga-Nordost.
Man könnte jetzt sagen, dass Lok Leipzig der unglücklichste Verein in
Fußball-Deutschland ist. Doch das Problem ist ein strukturelles: An der
Schwelle zwischen Amateur- und Profifußball, [2][zwischen Regionalligen]
und 3. Liga hat sich eine Ungerechtigkeit etabliert: Meister steigen nicht
zwangsläufig auf. Eine Reform könnte es längst geben, doch einige
Provinzfürsten wehren sich dagegen.
Die Mechanik ist schnell erklärt. Es gibt fünf Regionalligen, aber nur vier
Absteiger aus der 3. Liga. Die Meister aus West und Südwest steigen jedes
Jahr direkt auf. Die anderen drei Staffeln teilen sich die verbleibenden
zwei Plätze: Einer bekommt pro Jahr im Rotationsprinzip einen direkten
Aufstiegsplatz, die übrigen beiden spielen um den letzten Platz. In dieser
Saison traf es Nordost und Bayern.
## Fehlende Planbarkeit
Bayern schickte seinen Vizemeister ins Rennen. Der eigentliche Meister,
Nürnberg II, hatte keine Drittligalizenz beantragt; Verfolger Unterhaching
zog am 28. April zurück. Seitdem wussten die Würzburger Kickers, dass sie
spielen würden – knappe vier Wochen, bevor Lok am letzten Spieltag die
Meisterschaft gewann. Aufstiegsspiele werden wohl niemals fair sein, ziehen
aber weitere Folgen nach sich: „Uns fehlt ein Stück Planbarkeit, etwa was
Investitionen angeht. Die Relegation ist bei Gesprächen mit allen Spielern
und Beratern ein Thema“, sagt Toni Wachsmuth, Sportgeschäftsführer bei Lok.
Wer noch Zweifel hat, schaue sich die 3. Liga für die kommende Saison an:
15 der 20 Klubs stammen aus West und Südwest. Im kommenden Jahr hat die
Staffel Nordost den direkten Aufstiegsplatz, was ein Hauen und Stechen
zwischen den Klubs auslösen dürfte. Die Liga gilt in der Spitze als
besonders stark, weil mit Erfurt, Jena, Lok, Halle, Zwickau und dem BFC
Dynamo viele DDR-Traditionsklubs vertreten sind. Kaum verwunderlich, dass
diese Staffel mit Abstand die meisten Zuschauer hat. Die direkten
Aufstiegsplätze gingen bei den letzten Reformen in den Westen, weil die
Verbände dort argumentierten, dass sie insgesamt mehr Vereine in ihrer
Region haben. Was wiegt also schwerer: Zuschauerinteresse oder
Vereinsdichte?
Jedenfalls fühlen sich die Klubs im Osten schon seit einer Weile
strukturell benachteiligt. Lok Leipzig ist dabei das traurige
Aushängeschild. „Wir können uns in unserer Liga noch so anstrengen – im
Zweifel kommen wir nicht durch das Nadelöhr“, sagt Tommy Haeder. Er ist
Geschäftsführer beim Chemnitzer FC und Sprecher der Initiative
Aufstiegsreform 2025. Die entstand aus einem Dialog mit Ultras. Die
Verbände waren zunächst skeptisch, aber durch beständige Arbeit wurden
mittlerweile 77 Klubs aus den ersten fünf Ligen vereint, die hinter dem
Ziel stehen, dass Meister aufsteigen müssen.
Der DFB berief daraufhin eine Arbeitsgruppe, [3][die eine Lösung erarbeiten
sollte]. 20 Modelle wurden diskutiert und nach übereinstimmenden Berichten
von Teilnehmern gab es einen klaren Favoriten: das Kompassmodell. Das sieht
vor, dass vier Staffeln jede Saison so neu zusammengestellt werden, dass
die Fahrtwege am kürzesten sind. Das bedeutet auch, dass die Regionalligen
zentral von einer Spielbetriebs-GmbH oder dem DFB geleitet werden müssen.
Oder anders formuliert: Die Regionalverbände verlieren die Hoheit über
„ihre“ Liga.
Alle schienen sich auf das Kompassmodell geeinigt zu haben, bis auf einmal
der Bayerische Fußball-Verband ein Gegenmodell einbrachte. Mehrere
Beteiligte werten das als Hinhaltetaktik, damit die Reform im Sand
verläuft. Das sieht auch Initiativensprecher Haeder so: „Das Problem sind
die Kurfürsten. Denen geht es nicht darum, was gut für den Fußball ist,
sondern was gut für sie ist.“ In den kommenden Tagen soll es weitere
Gespräche geben. Die anderen Verbände stehen wohl hinter der Reform. „Jetzt
oder nie“, sagt Haeder. Denn nochmal wird sich solch ein Kraftakt nicht
bewerkstelligen lassen.
2 Jun 2026
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## AUTOREN
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