# taz.de -- Die Wahrheit: Biergestützte Metamorphosen
       
       > Eine Fliege im Bier ist schon schlimm, aber im Hals muss sie gar nicht
       > sein, wenn die Stammkneipenbesatzung an der Theke wichtige Dinge
       > erörtert.
       
       Raimund nahm einen großen Schluck Bier, hustete aber auf einmal los und
       spie eine Fliege aus, die betrunken über die Theke torkelte, ehe Petris,
       Wirt des Café Gum, sie mit seiner Fliegenpatsche platt haute.
       
       „Bäh!“, machte Raimund. Theo grinste. „Die Frage ist: Hat sie zuletzt auf
       einer Himbeertorte oder in einer Biomülltonne gesessen? Ich erspare dir
       ekligere Möglichkeiten.“ – „Och, nö …“, stöhnte Raimund. „Du darfst dir das
       nicht bildlich vorstellen“, sagte Luis. „Zudem könnte es schlimmer sein.
       Denk nur an Jeff Goldblum in ‚Die Fliege‘: Der hat die Fliege in seinem
       Teleporter auch nicht bemerkt und sich dann in ein Mischwesen – halb
       Mensch, halb Fliege – verwandelt.“
       
       „Boah, stimmt“, ächzte Theo angewidert. „Erinnert ihr euch, wie er
       Süßigkeiten immer mit diesem hochgewürgten Schleim vollgeschmaddert hat, um
       sie exkorporal vorzuverdauen?“ – „Uuh“, machte Luis. „Und wie ihm der
       Unterkiefer abfällt … grässlich!“
       
       Raimund schüttelte sich voller Abscheu. „Ruhig Blut, Mann“, sagte Theo.
       „Immerhin wird beim Biertrinken kein Genmaterial ausgetauscht, auch nicht,
       wenn eine Fliege aus deinem Glas trinkt.“ Luis zuckte die Schultern. „Bist
       du sicher? Beate sagt jedenfalls, ich werde euch immer ähnlicher. Und
       außerdem: Wer weiß schon, womit Gregor Samsa den Abend vor der
       ‚Verwandlung‘ verbracht hat? Ich meine: Prag, Hauptstadt des Bieres –
       könnte doch sein, dass er einen gewaltigen Zug durch die Gemeinde gemacht
       hat. Einmal aus dem falschen Bierglas getrunken – es ist niemals
       gutzumachen …“
       
       ## Chips aus Insekten
       
       „Da fällt mir ein …“, sagte Petris und schob uns ein paar kleine Tüten über
       die Theke. „Die hat der Vertreter dagelassen. Probiert mal.“ – „Chips aus
       Insekten?“ Petris nickte. „Ohne Fett, ohne Kartoffeln, fast ohne Kalorien.
       Dafür mit Vitaminen und Ballaststoffen und was weiß ich. Angeblich ist eine
       Packung so gesund wie drei Tage Mittelmeerdiät auf Kreta.“
       
       „Hm“, machte Theo, „schmecken jedenfalls wie Chips.“ Auch Raimund schob
       sich eine Handvoll in den Mund, um die Geister zu verscheuchen, die in
       seinem Kopf herumspukten. Allerdings waren wir mit dem Thema noch nicht
       durch. „Also, ich finde“, sagte Luis kauend, „wenn du nach der Verwandlung
       wie Puck, die Stubenfliege, aussiehst, ist das kein Problem.“ – „Dieser
       Freund von der Biene Maja?“, fragte Theo. Luis nickte. „Er ist fröhlich und
       freundlich, ein bisschen faul und sitzt gerne in der Sonne – genauso wie
       Raimund.“
       
       Raimund lächelte, riss aber plötzlich die Augen weit auf und bekam rote
       Quaddeln. Er keuchte, würgte, und Theo rief: „Oh Gott, es geht los, er
       würgt diesen Schleim hoch, schnell weg!“ Wir sprangen kreischend unter den
       nächstbesten Tisch.
       
       Nur Petris blieb da. Er hob zwar zunächst die Patsche, kriegte dann jedoch
       Zweifel und rief den Notarzt, der dann auch sehr schnell vermutete, dass
       Raimund wohl allergisch auf diese Insektenchips war.
       
       3 Jun 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Joachim Schulz
       
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