# taz.de -- Menschenrechtsaktivistin inhaftiert: Ägyptische Oppositionelle wird im Oman gefangen gehalten
       
       > Die ägyptische Aktivistin Mariam Mohamed El-Sayed Abdel Baset wird ohne
       > rechtliche Grundlage festgehalten. Ihr droht die Auslieferung nach
       > Ägypten.
       
 (IMG) Bild: Mariam Mohamed El-Sayed Abdel Baset wurde nach der Geburt ihres dritten Kindes im Krankenhaus festgesetzt
       
       Die 31-jährige Mariam Mohamed El-Sayed Abdel Baset bringt am 25. Mai ihr
       drittes Kind auf die Welt. Sie gebiert das Kind in Oman im Krankenhaus der
       Military Medical City. Das Krankenhaus gilt als fortschrittlich und gut
       ausgestattet. Doch zwei Tage nach der Geburt erfährt die Mutter, dass sie
       im Krankenhaus als „Gefangene“ registriert ist. Sie und ihr Neugeborenes
       dürfen die Einrichtung nicht verlassen. Sie werden in ihrem Zimmer
       festgehalten. Für die Haft nennen die omanischen Behörden ihr keinen
       rechtlichen Grund.
       
       Das „[1][Verbrechen]“, das der Ägypterin wohl vorgeworfen wird, ist das
       Teilen und Kommentieren regierungskritischer Inhalte in den sozialen
       Medien. Sie habe an nicht näher genannten digitalen Oppositionsseiten
       mitgearbeitet, die sich für einen politischen Wandel mit friedlichen
       Mitteln einsetzten, so Menschenrechtsorganisationen.
       
       Die Inhalte sind mittlerweile gelöscht, doch die Haft dauert an. Laut ihrem
       Anwalt wird der Oppositionellen vorgeworfen, Falschnachrichten zu
       verbreiten, eine terroristische Vereinigung zu führen und zu zivilem
       Ungehorsam anzustiften. Es seien aber keine konkret zurechenbaren
       Straftaten genannt.
       
       ## Auch Ehemann wurde bereits verhaftet
       
       Mariam Mohamed El-Sayed Abdel Baset ist Mutter von drei Kindern. Gemeinsam
       mit ihrem Ehemann Ahmed Moussa lebten sie seit 2021 in Oman. Am 26. März
       2026 – Mariam Baset ist in der Zeit im achten Monat schwanger – wird Ahmed
       Moussa festgenommen. Eine Sicherheitsbehörde in Oman bestellte den
       38-Jährigen ein, verhaftete ihn und brachte ihn in ein Gefängnis, ohne dass
       ihm eine gerichtliche Entscheidung mitgeteilt oder ihm das Recht eingeräumt
       wurde, die Entscheidung anzufechten. Ihm soll nur ein einziger Besuch
       gestattet worden sein.
       
       Am 9. April 2026 ließen die omanischen Behörden verlauten, er werde
       freigelassen. Dann erhielt seine Familie einen Anruf von Ahmed Moussa vom
       Flughafen Maskat: Er werde gegen seinen Willen nach Ägypten abgeschoben –
       ohne schriftliche Entscheidung oder Gerichtsbeschluss. Grund sei ein
       mündliches Interpol-Ersuchen gewesen, so die Behörden. Die Familie sagt,
       sie habe nie offizielle Interpol-Dokumente gesehen. Seit der gewaltsamen
       Abschiebung gilt der Ehemann als verschwunden.
       
       Am 15. April 2026 wollte Mariam Baset in ein sicheres Drittland ausreisen.
       Doch die Beamten verweigerten ihr am Flughafen die Ausreise. Wegen eines
       Interpol-Eintrags bestehe ein Reiseverbot, hieß es. Doch auch dafür gab es
       laut Baset kein offizielles Dokument oder einen Gerichtsbeschluss. Noch am
       selben Tag sowie am Tag darauf sei sie ohne Anwalt verhört worden.
       
       Menschenrechtsorganisationen beklagen, Ägypten missbrauche Interpol als
       Instrument zur politischen Abrechnung und zur Verfolgung friedlicher
       Dissidenten.
       
       ## Anwalt reicht Beschwerde ein
       
       Basets Anwalt, der in London lebende Ben Keith, kennt sich mit
       Interpol-Fällen aus. Am 5. Mai 2026 reichte er Beschwerde bei der
       Kommission zur Kontrolle der Interpol-Dateien (CCF) ein. [2][Diese
       erklärte]: „Mariams Fall trägt alle Merkmale transnationaler Repression.“
       
       „Das Muster in diesem Fall ist mittlerweile in der gesamten Region
       bekannt“, [3][sagt Anwalt Keith]. „Eine Regierung in Kairo, Riad, Abu
       Dhabi, Teheran oder Ankara stellt einen Antrag. Ein Nachbarstaat handelt
       informell, ohne Papierkram, ohne formelles Verfahren. Der Dissident
       verschwindet. Bis der Anwalt seinen Aufenthaltsort erfährt, sitzt er
       bereits in seiner Heimat in Haft.“ Ägypten ist dafür bekannt,
       Dissident:innen [4][willkürlich zu inhaftieren].
       
       31 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7466084741486657536/
 (DIR) [2] https://ldsf.info/blog/2026/05/26/egypts-misuse-of-interpol-as-a-tool-of-transnational-repression-detention-of-egyptian-opposition-activist-in-oman-raises-fears-of-forced-return/
 (DIR) [3] https://www.linkedin.com/posts/benkeithbarrister_egypts-misuse-of-interpol-as-a-tool-of-transnational-activity-7465646839686447104-MJlr/
 (DIR) [4] /Aktivist-Alaa-Abd-el-Fattah/!6111524
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Julia Neumann
       
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