# taz.de -- Korruptionsprozess gegen Ex-Präsident: Sarkozy ist sich keiner Schuld bewusst
> In Paris endet der Berufungsprozess gegen Nicolas Sarkozy wegen
> Bestechung durch Libyens Ex-Premier Gaddafi. Es droht eine mehrjährige
> Haftstrafe.
(IMG) Bild: Könnte lange im Knast landen: Frankreichs ehemaliger Präsident Nicolas Sarkozy
Das Schlusswort im Berufungsprozess wegen der Libyengelder hatte am
Mittwoch der Hauptangeklagte, Ex-Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Er war
[1][im vergangenen Herbst] wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung zu 5
Jahren Haft verurteilt worden und verbrachte bereits drei Wochen hinter
Gittern.
Dieses Mal fordert die Staatsanwaltschaft 7 Jahre Haft ohne Bewährung. Sie
hält es für erwiesen, dass Sarkozy 2007 von seinen engsten Mitarbeitern und
zwei Vermittlern einen Bestechungspakt mit dem damaligen libyschen
Machthaber Muammar al-Gaddafi aushandeln ließ. Dieser habe seine
Präsidentschaftswahlkampagne mit mehreren Millionen unterstützt. Das Urteil
soll am 30. November verkündet werden.
Für den Angeklagten Sarkozy ist das nichts weiter als ein „grotesker
Roman“, erfunden von „Lügnern und Komplotteuren“, die von Beginn an
einseitig gegen ihn ermittelt hätten. Bei den von der Anklage vorgelegten
Dokumenten aus libyschen Quellen handele es sich um „Fälschungen“.
Geschäftsleute, die als Vermittler bei Gaddafi vorstellig wurden, sollen
ohne sein Wissen und keinesfalls in seinem Auftrag verhandelt und später
Geld bezogen haben.
Niemand war überrascht von Sarkozys erneuten Beteuerungen. Auch seine
Anwälte hatten in ihren Plädoyers einen Freispruch gefordert. Dass man ihm
nur die Absicht unterstellen könne, sich die Wahl von Gaddafi finanzieren
zu lassen, verletze ihn. Das sei auch ein Affront für die 37 Millionen
Franzosen und Französinnen, die 2007 bei der Präsidentenwahl für ihn
gestimmt hätten. „Ich habe das Vertrauen der Franzosen nicht missbraucht“,
beteuerte Sarkozy.
## Sarkozy drückt auf die Tränendrüse
Erstaunlicher war es, dass Sarkozy die Richter auch um Mitgefühl und
Nachsicht bat, denn er habe gelitten, als er ins Gefängnis gehen musste,
und auch jetzt beim Berufungsprozess: „Es waren schwierige Momente für
mich. Zuhören, ohne antworten zu können, einstecken, ohne zu widersprechen,
sich beschimpfen lassen und verrückte Dinge anzuhören und zugleich
unbeeindruckt auszusehen.“
Ob sich die Berufungsrichter davon erweichen lassen, wird sich nach langer
Beratung hinter verschlossenen Türen im November zeigen. Der Verlauf der
Verhandlungen vor dem Berufungsgericht dürften Sarkozy und seinen 9
Mitangeklagten wenig Hoffnung geben. Dass aus Libyen über Offshore-Konten
große Beträge überwiesen wurden, ist im Detail belegt. Anders als noch im
ersten Prozess hat zudem sein ehemals engster Mitarbeiter Claude Guéant,
der aus Gesundheitsgründen als Angeklagter nicht vor Gericht erscheinen
konnte, Sarkozy in zwei Briefen belastet.
So habe Sarkozy seinem Ehrengast Gaddafi bei dessen Besuch in Paris im
Dezember 2007 sehr wohl versprochen, sich für die Rücknahme eines
internationalen Haftbefehls gegen seinen Schwager, den libyschen
Geheimdienstchef Abdallah Senussi, einzusetzen. Dieser war 1999 in
Frankreich in Abwesenheit für die Organisation eines Terroranschlags auf
ein Flugzeug der Gesellschaft UTA zu lebenslanger Haft verurteilt worden.
Dass die Anklage diesmal einen Schulspruch gegen Sarkozy als „Drahtzieher“
und „einzigen Nutznießer“ einer heimlich vereinbarten Korruption zu
illegalen Wahlfinanzierung verlangt, ist ebenfalls kein gutes Vorzeichen
für den Ex-Präsidenten. In erster Instanz war es noch lediglich um die
Bildung einer kriminellen Vereinigung gegangen.
Sarkozy muss nun damit rechnen, nicht nur ein paar Tage als „Anzahlung“ im
Gefängnis zu verbringen, sondern gleich mehrere Jahre. In zwei anderen
Verfahren (wegen Bestechung eines Richters und wegen illegaler Finanzierung
seiner Wahlkampagne von 2012) ist er bereits rechtskräftig zur Verbüßung
der Haftstrafen mit elektronischer Fußfessel verurteilt worden.
29 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Rudolf Balmer
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