# taz.de -- Krakaus Bürgermeister ist abgewählt: Aleksander Miszalski geht k. o.
       
       > Die Krakauer haben ihren Oberbürgermeister nach nur zwei Amtsjahren
       > abgewählt. Für Polens Mitte-links-Regierung ist das ein fatales Signal.
       
 (IMG) Bild: Denkzettel nach zwei Jahren im Rathaus: Aleksander Miszalski
       
       Für Politiker ist Krakau ein schwieriges Pflaster. Das musste am Wochenende
       auch Aleksander Miszalski, 45, erfahren, der bisherige Oberbürgermeister
       der Stadt. Nach nur zwei von insgesamt fünf Amtsjahren hatten die Krakauer
       genug vom Parteienklüngel des Liberalkonservativen, der starken
       Neuverschuldung der Stadt und den steigenden Preisen im öffentlichen
       Nahverkehr. Zudem habe Miszalski viele Wahlversprechen nicht eingelöst.
       
       Obwohl Volksbegehren in Polen normalerweise an einer zu niedrigen
       Beteiligung scheitern, schwante Miszalski, dass es dieses Mal knapp werden
       könnte. Als vor ein paar Monaten eine Bürgerinitiative die Kampagne zur
       Abberufung des Oberbürgermeisters startete, rief er seine Anhänger dazu
       auf, nicht am Referendum teilzunehmen. Sie sollten ihre Unterstützung durch
       „Zuhausebleiben“ und „Nichtstun“ ausdrücken. Die Außenwirkung war fatal.
       
       Im März 2025 war ein ähnliches Referendum zur Abberufung des der
       Bürgerkoalition (KO) nahestehenden Oberbürgermeisters von Wrocław (Breslau)
       schon in der ersten Phase gescheitert. Die Initiatoren hatten es nicht
       geschafft, die notwendige Zahl an Unterschriften zusammenzubekommen, um das
       Referendum überhaupt erst starten zu können. In Zoppot (Sopot) hingegen
       hatte 2009 der amtierende KO-Bürgermeister das Referendum für sich
       entscheiden können.
       
       Kraków (Krakau), nach Warschau die zweitgrößte Stadt Polens, gilt als sehr
       konservativ und traditionell. Dennoch wählten die Krakauer fünfmal
       hintereinander den Kommunisten Jacek Majchrowski. Nach 22 Jahren wurde
       Miszalski zu seinem Nachfolger gewählt, sehr viel jünger, moderner denkend,
       aber auch machtbewusster.
       
       ## Dominospiel von rechts
       
       Jetzt verteidigte Vorgänger Majchrowski ihn: „Es wäre besser gewesen, wenn
       er die volle Amtszeit gehabt hätte“, sagte er der Tageszeitung Gazeta
       Wyborcza. Nun würden Leute triumphieren wie der „ewige Kandidat“. Gemeint
       ist der Unternehmer Lukasz Gibala, der die Kampagne gegen Miszalski
       mitfinanziert und schon dreimal vergeblich für das Amt kandidiert hatte. Am
       Montag kündigte er an, es bei den Neuwahlen im Herbst ein weiteres Mal zu
       versuchen.
       
       Für die Tusk-Regierung ist der Ausgang des Krakauer Referendums ein
       schwerer Schlag. Denn in einem Jahr stehen Parlamentswahlen an. Die
       rechtspopulistische Opposition wird die KO-Niederlage in Krakau als rote
       Karte für die Regierung interpretieren. Tatsächlich hat auch Tusk viele
       Wahlversprechen nicht eingelöst, dafür aber die Staatsverschuldung stark in
       die Höhe getrieben.
       
       Zwar ist denkbar, dass im September wieder ein KO-Kandidat das Rennen
       macht, im Stadtrat stellt die Partei ebenfalls die Mehrheit. Aber gegen das
       jüngste Votum anzukämpfen, wird schwierig werden. Zudem kündigten rechte
       Politiker bereits an, nun auch in anderen Städten die KO-Bürgermeister mit
       Referenden zu Fall zu bringen und so einen Dominoeffekt von Niederlagen
       herbeizuführen.
       
       Miszalski schrieb am Montagmorgen auf der Plattform X: „Die Krakauer haben
       ihre Entscheidung getroffen. Ich nehme sie mit Respekt an und danke allen
       Krakauern und Krakauerinnen für ihre Teilnahme am Referendum.“ Die
       Einwohner hätten in der kommunalen Demokratie das letzte Wort.
       
       Wahrscheinlich wird Miszalski, der an drei Krakauer Hochschulen Abschlüsse
       in Internationalen Beziehungen, Tourismus und Soziologie erworben hat, zu
       Lehre und Forschung zurückkehren. Möglich ist aber auch, dass er erneut mit
       einem eigenen Unternehmen in der Tourismusbranche durchstartet.
       
       25 May 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gabriele Lesser
       
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