# taz.de -- Betroffene über Endometriose: „Trink' einfach mehr Cranberrysaft“
       
       > Viele Jahre lebte Larissa mit einer chronischen Erkrankung, nur durch
       > Zufall wurde ihre Endometriose entdeckt. Heute spricht sie öffentlich
       > darüber.
       
 (IMG) Bild: Manchmal hilft eine Wärmflasche: Endometriose kann gemeine Unterleibsschmerzen verursachen
       
       taz: Larissa, du hast mehr als zehn Jahre lang nicht gewusst, dass du unter
       einer chronischen Erkrankung leidest, obwohl du ständig Schmerzen und
       periodenunabhängige Beschwerden hattest. 
       
       Larissa Dubiel: Ja genau, das ist aber nicht selten. Ich war oft im
       Krankenhaus und habe immer wieder Fehldiagnosen bekommen. Es hieß immer
       Blinddarmentzündung oder mir wurde gesagt, dass Schmerzen einfach zur
       Periode gehören würden. Dass ich Endometriose habe, kam nur per Zufall
       raus.
       
       taz: Und wie bist du zu deiner Diagnose gekommen? 
       
       Larissa: Ich bin in die Notaufnahme gefahren, weil ich wieder starke
       Schmerzen hatte – besonders im unteren Bauchraum. Ich wurde dann wegen des
       Verdachts auf eine Blinddarmentzündung operiert. Während dieser OP wurde
       dann meine Endometriose entdeckt.
       
       taz: Schmerzen wie diese hattest du aber schon lange davor. 
       
       Larissa: Starke Beschwerden habe ich schon lang, seit der frühen Pubertät.
       Endometriose ist chronisch und die Beschwerden treten oft vielseitig auf,
       weil dabei gebärmutterähnliches Gewebe im ganzen Körper wachsen kann. Bei
       mir sind auch Organe außerhalb der Gebärmutter betroffen. Der Weg zu meiner
       Diagnose war lang, trotz meiner vielen Beschwerden.
       
       taz: Hast du dich von Ärzt*innen nicht gesehen gefühlt? 
       
       Larissa: Absolut. Das Medical Gaslighting (Anm. d. R. [1][wenn Ärzt*innen
       Beschwerden nicht ernst nehmen und auf Hysterie oder Einbildung beziehen,
       eine ernsthafte Diagnose bleibt aus]) war extrem. Ich bin ständig von Arzt
       zu Arzt, keiner konnte mir helfen. Die meisten wussten einfach nichts über
       die Krankheit. Der Begriff Endometriose hat nie existiert. Erst als meine
       Erkrankung zufällig entdeckt wurde, ist auch Endometriose thematisiert
       worden. Davor nie.
       
       taz: Wie ging es dir damit? 
       
       Larissa: Psychisch war das Medical Gaslighting belastend. Ich war
       regelmäßig wegen meiner Unterleibsschmerzen in der Notaufnahme, hatte aber
       auch Beschwerden wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit und
       Konzentrationsschwierigkeiten. Trotzdem nahm mich keiner ernst. Mir wurde
       oft gesagt, dass ich einfach mehr [2][Cranberrysaft] trinken soll, dass ich
       zu viel Stress habe oder einfach die Pille nehmen soll. Man verzweifelt
       schnell, weil man merkt: Etwas stimmt nicht. Auch extrem belastend ist,
       dass ich lange nicht das machen konnte, was mir Spaß macht. Ich liebe
       Sport. Poledance, Tanzen, Akrobatik, Kraftsport. Nur hat mein Körper oft
       nicht mitgemacht.
       
       taz: Und was hat dir dann geholfen? 
       
       Larissa: Ich hatte Operationen, bei denen eine Zyste und
       [3][Endometrioseherde] entfernt wurden. Und ich habe nach vielen Wechseln
       eine neue Gynäkologin gefunden, die mir wirklich zuhört und mir nicht sagen
       muss, dass sie keine Ahnung von der Krankheit hat. Gespräche mit
       Freundinnen und anderen Betroffenen helfen mir auch sehr. Man kriegt dann
       einfach viel mehr Verständnis und Empathie entgegengebracht. Dazu auch
       Events, wie Lesungen oder das Podium am Donnerstag. Sowas ist toll.
       
       taz: Warum die Podiumsdiskussion am Donnerstag? 
       
       Larissa: Ich finde es wichtig, dem Thema Raum zu geben. Es sind so viele
       Frauen betroffen. Trotzdem ist die Krankheit gesellschaftlich nicht
       anerkannt. Es braucht mehr Bewusstsein und Aufklärung, mehr Hilfsangebote
       für Betroffene und besser ausgebildete Ärzt*innen. Und es braucht viel mehr
       Forschung.
       
       taz: Durch Endometriose ist die Wahrscheinlichkeit für
       [4][Schwangerschaftskomplikationen] und das Risiko, einen Kinderwunsch
       nicht erfüllen zu können, höher. Ist das ein Thema der Zukunftsplanung von
       dir und deinem Partner? 
       
       Larissa: Mein Partner hat zu mir gesagt: „Welches [5][männliche
       Selbstverständnis] hätte ich denn, jemanden in Gefahr zu bringen, nur um
       ein Kind zu haben.“ Das fand ich schön.
       
       taz: Nicht selbstverständlich, oder? 
       
       Larissa: Ne!
       
       26 May 2026
       
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