# taz.de -- US-Vorwahlen: In Kentucky gewinnen die Trump-Loyalisten
> Thomas Massie war die Hoffnungsfigur gemäßigter Republikaner für die
> US-Zwischenwahlen im November. Stattdessen wurde ein Trump-treuer
> Marineveteran ohne Wahlprogramm gewählt.
(IMG) Bild: Zwar auch stramm rechts, aber nicht treu genug gegenüber dem US-Präsidenten: Thomas Massie in Hebron, Kentucky
Kentucky hat etwa halb so viel Einwohner wie die Stadt New York, was dem
Bundesstaat an der Grenze zwischen dem US-amerikanischen Norden und dem
Süden gerade einmal 6 der 435 Sitze im US-Repräsentantenhaus einbringt.
Eine parteiinterne Vorwahl der Republikaner um Parlamentssitze dürfte
deshalb eigentlich keine nationalen Schlagzeilen machen. Und doch blickte
am Dienstag, am bisher größten Abend der Vorwahlen zu den Midterms im
November, das ganze Land auf Kentucky.
Grund war die Kandidatur eines Abgeordneten namens Thomas Massie in seinem
Wahlbezirk im Nordosten des Staates entlang des Ohio Rivers. Massie, der
seit seiner ersten Kandidatur im Jahr 2012 zum rechten Flügel der
republikanischen Partei zählt, war seither ein sicherer Bewerber, die
Vorwahlen waren für ihn Formsache. Doch in diesem Jahr war alles anders.
Massie, der gegen Covid-Impfungen und gegen Abtreibung, gegen Umweltschutz
und gegen ein Bundesbildungsministerium steht, das Lehrpläne diktiert, war
die große Hoffnung gemäßigter Republikaner und interessierter Demokraten.
2025 war der Mann seinen Prinzipien treu geblieben, die ihn ins Amt
gebracht hatten: Er hatte sich gegen eine kostspielige [1][Intervention im
Iran] gestellt und gefordert, dass das Justizministerium die Akten um
Sexualstraftäter Jeffrey Epstein veröffentlicht.
Doch diejenigen US-Amerikaner, die gehofft hatten, dass ein Republikaner,
der sich gegen Trump stellt, eine Chance hat, wurden nun enttäuscht. Die
Parteigenossen von Kentucky wählten Ed Gallrein, einen Marineveteranen und
Bauern in fünfter Generation, zum Kandidaten für die Midterms im November.
Ein nennenswertes Wahlprogramm hatte er nicht, von dem Versprechen
abgesehen, dass er Donald Trump gegenüber bedingungslos treu sein wird.
## Massie bliebt seinen Positionen treu
Was solche Loyalität bedeutet, musste Massie gerade erfahren. Mit seiner
„America First“-Botschaft, die beinhaltet, die USA aus militärischen
Konflikten in Übersee möglichst herauszuhalten, lag er noch vor zwei Jahren
auf Linie mit dem Präsidenten. Doch er weigerte sich, zusammen mit Trump
plötzlich seine Meinung zu ändern und blieb stattdessen dem Versprechen
gegenüber seinen Wählern treu, ihre Interessen an erste Stelle zu stellen.
Das verärgerte Trump so sehr, dass er mehr als 18 Millionen Dollar dafür
mobilisierte, Massie zu besiegen. Insgesamt war die Vorwahl um den
Kongresssitz von Kentucky mit 32 Millionen Dollar die teuerste Vorwahl
aller Zeiten in den USA. Dabei wurde auf beiden Seiten mit harten Bandagen
gekämpft.
Ein Anti-Massie-Video zeigte KI-generierte Bilder, in denen er mit den
beiden [2][linksprogressiven Abgeordneten Ilhan Omar] und Alexandria
Ocasio-Cortez herumscharwenzelt und suggeriert am Ende, dass er mit ihnen
ins Bett steigt. Massie hingegen behauptete in seinen Videos, Gallrein sei
von der „Schwulenmafia“ gekauft.
Die Vorwahl von Kentucky am Dienstag war jedoch nur das jüngste Zeichen
dafür, dass die republikanische Partei mehr denn je ein Personenkult ist.
In Louisiana wurde der Senator Bill Cassidy, der 2021 für das Impeachment
von Trump wegen des Umsturzversuches vom 6. Januar gestimmt hatte, in der
Vorwahl besiegt. In Georgia schaffte es der ehemalige Staatssekretär Brad
Raffensberger nicht einmal ins Finale der letzten zwei Kandidaten.
Raffensberger hatte sich 2020 geweigert, Trump aus dem Nichts ein paar
Tausend Stimmen zu besorgen.
## Eine dritte Amtszeit für Trump?
In Indiana wurden bei Parlamentswahlen auf Staatsebene die Kandidaten
besiegt, die sich geweigert hatten, nach Trumps Vorgaben die
[3][Wahlbezirke neu zu gestalten]. Und bei der Stichwahl in Texas stellte
sich Trump gegen den langjährigen Senator John Cornyn, der vor drei Jahren
zu sagen gewagt hatte, Trumps Zeit gehe zu Ende.
Aus seinen Absichten, alle Parteigenossen auszusondern, die noch einen Rest
an Prinzipientreue besitzen, machte Trump keinen Hehl. Zur Niederlage von
Cassidy hatte er nur zu sagen: „Seine Treulosigkeit gegenüber dem Mann, der
ihn ins Amt gebracht hat, ist nun Legende.“ Lindsey Graham, ein
bedingungsloser Loyalist, fügte hinzu: „Dies ist die Partei von Trump. Wer
versucht, ihn zu zerstören, verliert.“
Einem Kongress voller bedingungsloser Loyalisten, so kommentierte die New
York Times, wäre es dann sicher auch zuzutrauen, Trump in zwei Jahren ein
drittes Mal ins Amt zu befördern. Die einzige Hoffnung, die bleibt, ist,
dass die Demokraten trotz aller Betrugs- und Manipulationsversuche genügend
Wähler mobilisieren können, die das nicht mitmachen.
20 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Sebastian Moll
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