# taz.de -- Immer weniger Höfe in Brandenburg: Ausverkauftes Land
> In Brandenburg gibt es immer weniger, aber größere Höfe. Agrarland wird
> an externe Höchstbietende verkauft, kleine Betriebe leiden darunter.
(IMG) Bild: Trockene Felder in der Brandenburger Uckermark
Wenn Wilhelm Zahn an die Jahre 2018 und 2019 zurückdenkt, sieht er vor
allem Grau. „Hinter dem Trecker standen 50 Meter hohe Staubwolken. Der
Boden flog buchstäblich davon“, erzählt der junge Landwirt der [1][LBG eGbR
Bagemühl] im Norden der Uckermark. Damals kapitulierten die Böden vor den
extremen Dürresommern. Der Klimaschock zwang den Familienbetrieb 2020 in
eine Kehrtwende hin zu einem [2][neuen Anbauverfahren]. Heute
bewirtschaftet Zahn 700 Hektar Ackerland in Woddow. Damit liegt er zwar
über dem Durchschnitt, ist in Brandenburg aber kein Riese. [3][Betriebe
umfassen dort teilweise Tausende Hektar, Tendenz steigend, während die Zahl
der Betriebe abnimmt.]
Die Umstände der Natur zwingen Landwirte wie Zahn immer wieder, sich
anzupassen, um ihren Boden zu schützen und ihre Existenz zu sichern. Doch
der Kampf um widerstandsfähige Landwirtschaft wird längst auch auf dem
Bodenmarkt entschieden. Nach der Wende verkaufte die BVVG
(Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH), eine Nachfolgeeinrichtung der
Treuhandanstalt, über eine Million Hektar des alten DDR-Volkseigentums nach
Höchstgebot.
Das trieb die Preise in absurde Höhen. „Die Bodenpreise sind mittlerweile
so hoch, dass eine Erweiterung in meinem ganzen Leben keine wirtschaftliche
Investition mehr sein wird“, bilanziert Zahn. „Dass die Flächen damals so
vertickt wurden, war ein riesiges Politikversagen. Das ist nicht mehr
umkehrbar.“
Den eigenen Betrieb zu vergrößern, sei dadurch für kleinere
familiengeführte Betriebe wie seinen quasi blockiert. Die Folgen sieht Zahn
in seiner Region: In jeder Himmelsrichtung finde man fremde
Agrarstrukturen, die tausende Hektar umfassen. „Meist stehen dahinter gar
keine Landwirte mehr, sondern außerlandwirtschaftliche Investoren.“
Stiftungen wie die von Aldi sowie internationale Holdings investieren
längst in ostdeutschen Boden.
Das Ausmaß dieser Entwicklung zeigt die Fachgruppe Boden der
Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) auf. Jüngst schluckte
ein japanisch-australisches Firmengeflecht (Igneo Infrastructures) die
Deutsche Agrar Holding mit Sitz in Oranienburg. 20.000 Hektar ostdeutscher
Boden seien so laut AbL in das Portfolio internationaler Fondsmanager
gewandert. Ermöglicht worden sei das durch Share Deals. Dabei kaufen
Investoren statt Ackerflächen direkt Anteile an Agrargesellschaften. Diese
Konstruktionen entziehen sich häufig der agrarstrukturellen Kontrolle des
Bodenmarkts. Unter bestimmten Voraussetzungen kann durch Share Deals auch
die Grunderwerbsteuer erheblich reduziert werden. „Gegen solche Mächte
haben familiengeführte Betriebe keine Chance“, kritisiert Zahn.
## Kein Weg nach Berlin
In Berlin ist der Wunsch nach der regionalen Ernährungswende, also
regionaler, nachhaltiger Lebensmittelproduktion und kurzer Lieferketten,
groß. Zahn stellt fest: „Von uns geht gar nichts nach Berlin. Das, was wir
anbauen, hängt am Weltmarkt. Wir konkurrieren preislich mit der globalen
Weltmarktbindung.“ Wohin seine Ernte transportiert wird, liegt nicht in
seiner Hand.
Ein brandenburgisches Agrarstrukturgesetz gegen Share Deals und
Großbetriebe wird in der Koalition laut AbL [4][nicht mehr diskutiert].
2024 konnte durchgesetzt werden, dass die verbliebenen 91.000 Hektar
BVVG-Land – etwas mehr als die Fläche Berlins – nicht mehr verkauft,
sondern nach sozialen und ökologischen Kriterien vermeintlich fair
verpachtet werden. Doch auch das wird systematisch genutzt: Laut einer
Antwort des Bundeslandwirtschaftsministeriums auf eine Anfrage von Marcel
Bauer (Die Linke) verkaufte die BVVG in 520 Verträgen insgesamt 930 Hektar
Land. Das Ministerium wiegelt ab: Es soll sich lediglich um verpachtete
Kleinstflächen unter zwei Hektar handeln, auf denen ökologische Maßnahmen
angeblich nicht umsetzbar seien.
Die aktuellen BVVG-Regeln wackeln und sind weiterhin umstritten. Manche
politischen Akteure sprechen sich dafür aus, wieder mehr Land zu verkaufen.
Wie brisant die Lage ist, zeigt ein interner Evaluierungsbericht des
Bundestags-Agrarausschusses vom März 2026. Demnach werde als Reaktion auf
den Druck von Ländern und Verbänden eine Ausweitung der regulären
Landverkäufe bereits näher geprüft. Das Verkaufsverbot für öffentliches
Land steht damit auf der Kippe.
Landwirten wie Zahn droht der Boden weiterhin knapp zu werden.
„Öffentliches Land gehört uns allen“, warnt ein Mitarbeiter aus der
Fachgruppe Boden der AbL. „Es sollte gemeinwohlorientiert vergeben werden.“
Ansonsten könnten Investoren darüber entscheiden, wem Brandenburgs Boden
künftig gehört.
28 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://ackern-in-woddow.de/de/
(DIR) [2] https://ackern-in-woddow.de/de/#regenerativer-ackerbau
(DIR) [3] https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2026/04/brandenburg-landwirtschaft-in-zahlen.html
(DIR) [4] /Brandenburgs-Koalition-gibt-Projekt-auf/!6007772
## AUTOREN
(DIR) Pauline Cruse
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