# taz.de -- Trumps Sondergesandter besucht Grönland: Schokoladenkekse für Grönland
> Der US-Sondergesandte Jeff Landry besucht überraschend Grönland, um an
> einer Wirtschaftskonferenz teilzunehmen. Was steckt wirklich hinter
> seinem Besuch?
(IMG) Bild: Kommt ohne Einladung nach Grönland: der von Donald Trump ernannte US-Sondergesandte Jeff Landry
Er kommt ohne Einladung und verteilt auf den Straßen von Nuuk
Schokoladenkekse an Kinder. Er verspricht, wenn sie ihn in seiner
Gouverneursvilla in Louisiana besuchen kämen, würden sie so viele Kekse
bekommen, wie sie nur essen könnten. Einen Arzt hat Jeff Landry auch dabei.
Der soll sich anschauen, was den Menschen in Grönland an medizinischer
Versorgung fehlt. Was ist das für ein Besuch?
Jeder Schritt, den der von [1][Donald Trump] ernannte US-Sondergesandte
seit Sonntag in Grönland macht, wird dort mit einem gewissen Misstrauen
beäugt. Anlass seines Besuchs ist die internationale Wirtschaftskonferenz
Future Greenland am Dienstag und Mittwoch, auf deren Teilnehmerliste Landry
überraschend aufgetaucht war.
Was ist geworden aus den Plänen der US-Übernahme? Er sei bloß hier, um
Beziehungen aufzubauen, zuzuhören und zu lernen, antwortet Landry dem
dänischen Rundfunk DR nach seiner Ankunft betont beschwichtigend. Trump
habe ihn beauftragt, so viele Freundschaften wie möglich zu schließen,
ergänzt er.
Im Januar hatte der US-Präsident mit weiteren verbalen Eskalationen seine
Besitzansprüche auf Grönland erneut markiert und damit nicht nur die
Bevölkerung verschreckt, sondern auch eine internationale Krise ausgelöst.
## Freund oder Feind?
Der nun so freundliche Landry hatte sich zuvor mehrfach abfällig über
grönländische Reaktionen auf die amerikanische Aufmerksamkeit geäußert. Man
traut ihm nicht über den Weg, das ist laut Medien vor Ort nun der Tenor der
Reaktionen.
Der grönländische Rundfunk KNR berichtet von einer Plakataktion im
Stadtzentrum von Nuuk am Montagabend: 150 Plakate mit der Botschaft USA ASU
(USA, hör auf) seien rund um das Kulturzentrum Katuaq aufgehängt worden –
die meisten seien Dienstagmorgen verschwunden gewesen. Kulturzentrum,
Kommune, Polizei und das amerikanische Konsulat teilten alle demnach mit,
sie hätten mit der Entfernung nichts zu tun.
Von offizieller Seite gibt man sich in Nuuk anlässlich der US-Visite
sachlich und betont ruhig. Regierungschef Jens-Fredrik Nielsen und der
Minister für Außenangelegenheiten, Múte B. Egede, trafen Landry sowie den
ebenfalls ohne Einladung angereisten US-Botschafter aus Dänemark zu einem
Gespräch. Ein „Höflichkeitstreffen“ nannte Nielsen es anschließend auf
einer Pressekonferenz, der Ton sei respektvoll gewesen.
Anzeichen, dass sich am amerikanischen Ziel, [2][Grönland zu] besitzen
etwas geändert habe, sehe er keine. „Wir haben die grönländische Position
zur Selbstbestimmung unseres Landes und Volkes wiederholt“, sagte Nielsen –
ebenso wie die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den USA. Dafür verwies
er aber auf die trilaterale Arbeitsgruppe zwischen den USA, Grönland und
Dänemark, die nach dem Krisentreffen der drei Länder im Januar in
Washington eingerichtet worden war.
## Die rote Linie bleibt
Nur diese Arbeitsgruppe sei etwa für Gespräche über eine Ausweitung der
Verteidigungszusammenarbeit zuständig. Sie mache Fortschritte und müsse
respektiert werden, sagte Nielsen – auch ein Kommentar zu inoffiziellen und
unvorhersehbaren Spontanbesuchen aus den USA, wie es sie ja im vergangenen
Jahr mehrfach gegeben hatte. „Ganz egal, wie viele Schokoladenkekse wir
bekommen, wir ändern nichts an unseren roten Linien“, formulierte Nielsen
es gegenüber der Sendung „TV Avisen 21“.
Ein dänischer Diplomatieexperte nannte den Besuch der US-amerikanischen
Delegation ohne offizielle Einladung „äußerst ungewöhnlich“. Die Amerikaner
müssen gewusst haben, dass sie ein relativ kühler Empfang erwartet, sagte
Mikkel Runge Olesen vom Dansk Institut for Internationale Studier dem DR.
Der Forscher vermutet, dass ihnen nicht viel anderes übrig geblieben sei,
seit Trump im Januar am Ende zugesagt hatte, die gewünschte Kontrolle über
Grönland nicht mit militärischer Macht zu erzwingen. „Jetzt gibt es nur
noch eine Möglichkeit: Das grönländische Volk davon zu überzeugen, dass es
eine gute Idee ist, Teil der USA zu werden“, so Runge Olesen. Dieses
Projekt laufe, wie man nun hören könne, vielleicht nicht ganz so gut.
19 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anne Diekhoff
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