# taz.de -- Anschlag auf Magdeburger Weihnachtsmarkt: Am Ende will niemand verantwortlich sein
> Der Bericht des Untersuchungsausschusses sieht „ganz überwiegend“ die
> Stadt verantwortlich. Man habe Kosten drücken wollen.
(IMG) Bild: Terror-Weihnachten: Nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg am 20. Dezember 2024
Ein veraltetes Sicherheitskonzept, fehlender Informationsaustausch: Der
parlamentarische Untersuchungsausschuss zum Anschlag auf den
Weihnachtsmarkt in Magdeburg hat am Dienstag seinen Abschlussbericht
vorgestellt. Alle Fraktionen des Landtags von Sachsen-Anhalt erklärten, es
habe zumindest eine Chance gegeben, den Anschlag zu verhindern. Wer
allerdings wie weit verantwortlich war, das bewerten die verschiedenen
Parteien unterschiedlich.
Seit [1][Februar 2025 tagte der Ausschuss im Landtag 30 Mal] und hörte mehr
als 140 Zeug:innen. Dabei versuchten Landtagsabgeordnete aller Fraktionen
herauszufinden, wie es zu dem Anschlag kurz vor Weihnachten 2024 kommen
konnte. Ein Mann war mit einem SUV in die Menschenmenge auf dem
Weihnachtsmarkt in Magdeburg gefahren, tötete damit 6 Menschen und
verletzte mehr als 300 teils schwer.
Der Untersuchungsausschuss beschäftigte sich mit der Biografie des Täters
und seinen Kontakt zu Behörden. Außerdem prüften die Abgeordneten, wie das
Sicherheitskonzept des Weihnachtsmarkts in Magdeburg aussah und umgesetzt
wurde. Überall fanden sie Schwächen und Fehler.
Beim Sicherheitskonzept heißt es sogar, es habe den Anschlag begünstigt,
anstatt den Weihnachtsmarkt zu schützen. „Der geplante Zufahrtsschutz war
auf dem Kenntnisstand von 2016“, heißt es in einer Zusammenfassung des
Abschlussberichts der regierenden Parteien CDU, SPD und FDP.
## Kritik am Innenministerium
„Ganz überwiegend“ verantwortlich sei demnach die Stadt Magdeburg. Durch
die Privatisierung des Weihnachtsmarkts sei ein „ausgeprägtes
Kostenvermeidungsverhalten“ erkennbar. Organisiert wurde der
Weihnachtsmarkt von einer GmbH. Die Stadt sei dem „Irrglauben“ erlegen,
ihre Tochter-GmbH „werde mit größerer Sorgfalt Veranstaltungen planen und
durchführen“. Die Stadtverwaltung habe den Geschäftsführer des
Weihnachtsmarkts nicht gut genug beaufsichtigt, sei ihm persönlich zu nahe
gewesen.
Dass der Weihnachtsmarkt trotz des Konzepts nicht geschützt war, daran
trügen Polizei und das Land Sachsen-Anhalt dem Bericht der
Regierungsfraktionen zufolge nur eine Mitverantwortung. Die hätten keine
klaren Regeln für Sicherheitsmaßnahmen erlassen oder die bestehenden nicht
durchgesetzt. Keine der drei Institutionen habe sich verantwortlich
gefühlt.
## Linke kritisiert „politisches Versagen“
Die Linke kritisiert hingegen deutlicher das Innenministerium. In einem
eigenen Bericht über den Ausschuss erklärt die linke Fraktion „ein
politisches Versagen“ des CDU-geführten Ministeriums. Das habe kein
einheitliches Bedrohungsmanagement geschaffen und die Aufgabe in die
Kommunen verlagert.
Zudem habe die Landesregierung „keine funktionsfähigen,
ressortübergreifenden Mechanismen etabliert“, um Informationen zu Personen
in sensiblen Positionen zu bündeln. Der Täter hatte bis zum Anschlag als
psychiatrischer Facharzt im Maßregelvollzug Bernburg der Salus gGmbH
gearbeitet.
Dabei war [2][er seit 2016 an 34 Strafverfahren beteiligt], in 9 Fällen
davon als Beschuldigter oder Tatverdächtiger. Zwar ging es dabei nie um
Gewalttaten. Aber noch im Oktober erfolgte eine Gefährderansprache des
Täters durch die Polizei. Der Arbeitgeber Salus, der unter Aufsicht des
SPD-geführten Sozialministeriums stand, bekam davon aber nichts mit.
## Grüne monieren fehlende Organisation der Polizei
Die Grünen betonen in ihrem Bericht zum Ausschuss, der Polizei würden
fachliche und organisatorische Strukturen fehlen, um Gefährder:innen
wie den Täter zu erkennen. Es habe etwa befremdlich gewirkt, dass die
Direktorin des Landeskriminalamts fast ein Jahr nach dem Anschlag im
Ausschuss „unvorbereitet und unwissend“ zum Thema Bedrohungsmanagement
gewirkt habe.
Sebastian Striegel, Obmann der Grünen im Ausschuss, forderte am Dienstag,
Politik und Verwaltung sollten für die „strukturellen Versäumnisse im
Vorfeld der Tat von Magdeburg Verantwortung übernehmen“. Daran mangle es
bisher, obwohl die Überlebenden und Betroffenen einen Anspruch darauf
hätten.
Als größte Oppositionspartei äußerte sich auch die AfD zum Abschluss des
Untersuchungsausschusses. Die rechtsextreme Partei nutzte den
Abschlussbericht für eine migrationspolitische Zuspitzung: Der Täter wurde
in Saudi-Arabien geboren und lebt seit 20 Jahren in Deutschland. Dass er
den Behörden nicht rechtzeitig aufgefallen war, sei auf ein
gesellschaftliches Klima zurückzuführen, „in dem Kritik an Fremden verpönt
ist“.
Die Linke hat wiederum eine andere Erklärung. Der Täter hatte sich selbst
als Kritiker des Islam bezeichnet und immer wieder rassistisch geäußert.
Das sei „nicht ausreichend als eigenständiges Gefährdungsmuster erkannt
worden“, sagte Eva von Angern. Im Umgang mit [3][antimuslimischem
Rassismus] gebe es eine blinde Stelle bei den Behörden. Die
Sicherheitsbehörden sollten sich an dieser Stelle weiterentwickeln.
19 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) David Muschenich
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