# taz.de -- Ende einer großen Aufholjagd: Spalier auf dem Weg nach unten
       
       > Heidenheim, Samstag, 17 Uhr 23: Das Abenteuer Bundesliga ist für den 1.
       > FC Heidenheim fürs Erste beendet. Trainer und Fans feiern den
       > Zusammenhalt.
       
 (IMG) Bild: Ein Spalier, ein Spalier! Mainzer kondolieren dem 1. FCH
       
       Es waren rührende Szenen, die sich nach dem Schlusspfiff in Heidenheim
       abspielten. Und sie dauerten ziemlich lange. Unmittelbar nach dem Ende der
       Partie hatten die siegreichen Mainzer Spieler ein Spalier für die gerade
       abgestiegenen Kollegen gebildet – hin zu deren Fankurve. Die übernahm nun
       das Kommando, sang, hüpfte und riss immer wieder rote Bengalfackeln an.
       Dazwischen griff immer wieder der eloquente Capo zum Mikrofon und sagte
       Spielern und Trainer, wie stolz man trotz allem auf sie sei.
       
       Letzterer, Frank Schmidt, war sichtlich bewegt und betonte seinerseits
       mehrfach, wie dankbar er den Fans sei. Und eine dreiviertel Stunde nach
       Spielende waren immer noch alle auf dem Rasen. „Einfach unglaublich, was
       gerade abgegangen ist“, sagte Schmidt danach. „Wir sind gerade abgestiegen
       und alle schwenken ihre Fahnen. Dieses Für- und Miteinander – deswegen ist
       dieser Verein etwas Besonderes.“
       
       Nun hätte man sich auch nicht vorstellen können, dass die freundlichen
       Heidenheimer sich nach einem Abstieg zu einem wütenden Mob zusammentun
       könnten, der die eigenen Spieler beschimpft. Weil er nach drei Jahren
       erster Liga schon völlig vergessen hat, wo man herkommt und welche
       Möglichkeiten man an der Brenz nun mal so hat. Nämlich genau solche, die es
       erlauben, im optimalen Fall ein paar Jahre Bundesliga zu spielen und dort
       hin und wieder die Etablierten zu ärgern. Und dann wieder abzusteigen aus
       einer Liga, in der man in der Regel x-mal so viel verdient wie in
       Heidenheim.
       
       Um 17 Uhr 23 war die zweite Liga dann auch offiziell Realität geworden,
       schon eine Stunde zuvor hatte niemand mehr an ein Wunder geglaubt.
       Letztlich hätte Heidenheim also auch gewinnen können – angesichts des
       Wolfsburger 3:1-Sieges beim FC St. Pauli wäre auch das vergeblich
       geblieben. Ordentlich Mühe gaben sie sich natürlich trotzdem, um die beiden
       Mainzer Tore durch Philip Tietz (7.) und Nadiem Amiri noch irgendwie
       umzubiegen. Aber es nützte nichts. Trotz allen Bemühens – Mainz war einfach
       besser.
       
       ## Wacker abwärts
       
       Für die wackeren Heidenheimer war der Abstieg angesichts der Dramaturgie
       der vergangenen Wochen umso niederschmetternder. Schließlich war dem Team
       von der Ostalb eine der spektakulärsten Aufholjagden der
       Bundesliga-Geschichte gelungen. So hatte der FCH, der nach seiner ersten
       Bundesligasaison überhaupt gegen den FC Chelsea in der Conference League
       randurfte, vor Ostern noch elf Zähler Rückstand auf den rettenden 15.
       Tabellenrang – und zehn auf den Relegationsplatz. Nur um am Ende als
       Vorletzter abzusteigen.
       
       Urgestein Frank Schmidt wird also in seinem letzten Trainerjahr in seiner
       Geburtsstadt einen Zweitligisten anleiten. Der Mann, der seit unfassbaren
       18 Jahren als Coach amtiert, kündigte jüngst das bis dato Unvorstellbare
       an: das Ende seiner Amtszeit als FCH-Trainer für Sommer 2027. Bis es so
       weit ist, dass 19-jährige Heidenheimfans erstmals in ihrem Leben einen
       anderen Trainer als Schmidt erleben, wird – so viel ist gewiss – auf dem
       Schlossberg so ruhig und seriös weitergearbeitet werden wie eh und je.
       Dafür bürgen Schmidt und ein Mann, der noch länger im Verein ist als der
       Trainer: Der Vorstandsvorsitzende Holger Sanwald (seit 1994 im Verein), der
       wie Schmidt für maximales Engagement und minimale Großmäuligkeit steht und
       am Samstag betonte, man sei „in Würde“ und „erhobenen Hauptes“ abgestiegen.
       „Aber wir werden wieder kommen, Davon bin ich überzeugt. Ein Neuaufbau, in
       der 2. Liga wieder anzugreifen – das kann auch Spaß machen.“
       
       Ab Montag, das kündigte Schmidt an, wird man sich also um den baldigen
       Wiederaufstieg kümmern. In aller Ruhe, mit viel Sachverstand. Und ohne in
       der Gefahr zu sein, durch riskante, überteuerte Transfers unkalkulierbare
       Risiken einzugehen: Schmidt und Sanwald verfolgen die Heidenheimer Spiele
       zwar nicht mit der Pyrofackel in der Hand – am Samstag machte der
       Stadionsprecher grob geschätzt 187 Durchsagen, wonach das verboten sei –
       aber sie ticken dennoch auch wie Fans. Und als solcher spielt man halt
       nicht Vabanque mit seiner liebsten Freizeitbeschäftigung.
       
       Unter den FCH-Anhängern erinnert sich jedenfalls manch Älterer noch an die
       Zeiten, in denen man zu viert oder sechst zu den Oberliga-Auswärtsspielen
       des damaligen Heidenheimer SB fuhr. Am Steuer: Holger Sanwald, der schon
       immer auch erster Fan seines Vereins war. In die zweite Liga nehmen er und
       Schmidt nun viele tausend Anhänger mehr mit als noch vor fünf Jahren zu den
       Spielen kamen. Nicht nur in der Hinsicht haben sich die drei Jahre
       Bundesliga also für den FCH gelohnt.
       
       17 May 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christoph Ruf
       
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