# taz.de -- Die Wahrheit: Lebenslänglich Bayer: hymnisch!
> Was wie ein verspäteter Aprilscherz klingt, ist bayerischer Ernst: Bald
> sollen an den Schulen wieder Hymnen gesungen werden. Nur keine
> fränkische.
Deutsche Erde Vaterland!“ Eine Nazi-Parole? Der Titel eines neuen Buches
der nach rechts abgebogenen Weißbier-Legende Waldemar Hartmann? Ein Tweet
von Monika Gruber? Oder der Titel des neuen Parteiprogramms der AfD? Nein,
diese finstere Wortpaarung soll allen Ernstes ab dem kommenden Schuljahr in
Bayern bei Abschlussfeiern gesungen werden. Sie bildet die zweite Zeile der
Bayernhymne. Mit einer wahren Blut-und-Boden-Parole wird also Bayern
künftig jede Schülerin und jeden Schüler in den Ernst des Lebens entlassen.
Das wird auch die Absolventen in Franken betreffen, wogegen emsige
Separatisten unter den Social-Media-Posts zum Hymnenerlass des Freistaats
mit aller gebotenen Deutlichkeit protestieren. Dabei gebe es doch mit dem
Frankenlied eine eigene Stammeshymne, heißt es da. Dass um dieses Lied
innerhalb Frankens gerade ein erbitterter Streit tobt, dient dem Anliegen
heimatversessener Franken, künftig ihre eigene Hymne singen zu dürfen,
nicht wirklich.
Gut 165 Jahre, nachdem Viktor von Scheffel die Verse zum Frankenlied
gedichtet hatte, war Menschen aus Mittelfranken aufgefallen, dass ihr
Bezirk im Gegensatz zu Oberfranken und Unterfranken in der Hymne keine
Erwähnung findet. Ein Unding! Ausgerechnet der Teil Frankens, aus welchem
die Bratwürste kommen, die der große Mittelfranke (!) Markus Söder so gerne
verzehrt, findet im Frankenlied keine Erwähnung. Das sollte so nicht
bleiben.
Ein Wettbewerb wurde ins Leben gerufen. Eine siebte Strophe soll dem für
eine Hymne eh schon sehr langen Lied nun hinzugefügt werden. Am 5. Juli,
wenn in der mittelfränkischen Stadt Treuchtlingen der Frankentag begangen
wird, soll die neue Strophe vorgestellt werden. Welche das sein wird,
darüber entscheidet eine Jury, der auch Ministerpräsident Söder angehört.
## Auf dem Staffelberg
Doch das kommt im Landkreis Lichtenfels gar nicht gut an. Da, auf dem
Staffelberg ist dem Dichter einst die Inspiration zum Hymnentext gekommen.
Der beschreibt, was man von da oben sieht – Oberfranken, wenn man in die
eine Richtig schaut und Unterfranken beim Blick in die andere Richtung. Wie
heißt es so schön in der Hymne? „Zum heil’gen Veit von Staffelstein/ Komm
ich empor gestiegen,/ Und seh’ die Lande um den Main/ Zu meinen Füßen
liegen.“ Aber eben nicht Mittelfranken.
Normalerweise weht oben auf dem Staffelberg stolz eine rot-weiße
Frankenfahne. Doch die hat Landrat Christian Meißner auf halbmast gesetzt
und mit einem Trauerflor versehen. Es ist dies eine Protestaktion gegen die
Erweiterung des Hymnentextes, für den sich der Landrat als Lichtenfelser
ganz besonders verpflichtet fühlt. Nein, so wird das nichts mit der
Unabhängigkeit Frankens!
Vielleicht sollte man das Frankenlied ja zu einem Lied für ganz Bayern
aufblasen, es noch weiter erweitern und den Regierungsbezirken Schwaben,
Niederbayern, Oberbayern und Oberpfalz auch noch eigene Strophen widmen.
Schlimmer als die jetzige Bayernhymne kann ein solches Lied der Bayern
eigentlich nicht werden.
15 May 2026
## AUTOREN
(DIR) Andreas Rüttenauer
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