# taz.de -- Sprachförderung in der Kita: Sprechen mit Rossmann
       
       > Mit dem Programm „Klasse 0“ wollen Konzerne gezielt Kinder mit
       > Sprachdefiziten fördern. Der Kitaverband fordert stattdessen stabile
       > Rahmenbedingungen.
       
 (IMG) Bild: Besser plappern mit bunten Bildern: Ein Kind bei einer Sprachförderung in einer Kita
       
       Das von der Drogeriekette Rossmann und weiteren Unternehmen finanzierte
       Programm „Klasse 0“ kommt auch Kindern in Berlin zugute. An Grundschulen in
       Hohenschönhausen, Lichtenberg [1][und Kreuzberg erhalten Kitakinder] damit
       zwei Mal pro Woche für je zwei Stunden eine besondere Sprachförderung. Sie
       soll ihnen den Übergang in die Grundschule erleichtern. Die Schulen
       bekommen dafür von Rossmann und [2][der Initiative „Wir für Schule“ jeweils
       bis zu 8.000 Euro, etwa für pädagogisches Personal, Materialien oder
       Aufwandsentschädigungen für Ehrenamtliche]. Bundesweit nehmen bisher rund
       140 Schulen teil, wobei nach Angaben des Unternehmens mehr als 250 Schulen
       Interesse hätten.
       
       Die Idee kommt von einer Grundschule in Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz.
       Die Schulleiterin hatte ihr Konzept in einer Talkshow vorgestellt und von
       den Bedarfen an ihrer Schule erzählt. Der Rossmann-Geschäftsführer wollte
       „direkt und unbürokratisch helfen“ und stellte 1 Million Euro zur
       Verfügung, um das Konzept auch an andere Schulen zu bringen.
       
       Dass dies im Prinzip nur der berühmte „Tropfen auf den heißen Stein“ ist,
       räumen sie beim Konzept „Klasse 0“ selbst ein. „Die Aufgabe hat ohne Frage
       eine politische Dimension und bedarf entsprechender Maßnahmen. Diese
       geschehen allerdings aktuell nicht oder [3][bestenfalls partiell“, schreibt
       die Initiative auf ihrer Webseite]. Ihr Programm sehen sie als
       „Innovationsschub von außen“, der nur punktuell erfolgen könne.
       
       Zum Vergleich: In Berlin allein gibt es rund 450 Grundschulen. „Im Schnitt
       haben [4][in jeder ersten Klasse acht Kinder solche gravierenden
       Rückstände], dass sie nicht aufholbar sind“, sagte Guido Richter, der
       [5][Vorsitzende des Verbandes Berliner Grundschulleitungen] (VBGL) dem
       Tagesspiegel. Er kritisierte darin auch, dass die Bezirke [6][die
       gesetzliche Pflicht von 18 Monaten Sprachförderung vor der Einschulung
       nicht umsetzen] würden – da könne die private Förderung gut unterstützen.
       
       ## Staatliche Aufgaben – externe Akteure
       
       Beim Kitaverband in Berlin begrüßen sie grundsätzlich „jedes Engagement zur
       Unterstützung von Sprachförderung in Bildungseinrichtungen“, schreibt der
       Verband der kleinen und mittelgroßen Kitaträger in Berlin (VKMK) in einer
       Stellungnahme. Doch die Sprachförderung über Unternehmen zeige, wie
       staatliche Bildungsaufgaben zunehmend auf externe Akteure verlagert würden.
       Dies könne ungleiche Bildungschancen verfestigen.
       
       „Wenn externe Akteure in die Sprachförderung einbezogen werden müssen,
       verweist dies nicht auf ein innovatives Modell, sondern auf eine fehlende
       strukturelle Kohärenz in der Bildungspolitik“, sagt Lars Békési,
       Geschäftsführer des VKMK – Der Kitaverband. Der VKMK vertritt die
       Interessen der freien und unabhängigen Kindertageseinrichtungen in Berlin.
       
       Der Verband sieht das Problem außerdem auf einer strukturellen Ebene. Denn
       seit der Novelle des Kita-Fördergesetzes im vergangenen Jahr würden
       grundsätzlich die Kinder gefördert, die auch Transferleistungen (BuT)
       bekämen.
       
       Sprachförderbedarf entstehe aber aus verschiedenen Faktoren, etwa
       sprachlichen Umweltbedingungen, Bildungsnähe im Elternhaus, frühkindlicher
       Interaktionsqualität sowie individuellen Entwicklungsverläufen, erklärt der
       Verband. Es bestehe das Risiko, dass mit dieser Logik systematisch viel zu
       wenige Kinder gefördert würden. Eine Förderung müsse sich an individuellen
       Sprach- und Entwicklungsbedarfen orientieren. Der Verband spricht davon,
       dass bis zu 60.000 Kinder „mit erwiesenem Unterstützungsbedarf“ durchs
       Raster fallen könnten.
       
       Dabei leisteten die Kitas schon gute Arbeit, [7][bei wachsenden
       Anforderungen]. „Die Einrichtungen verfügen über Kompetenz, Personal und
       pädagogische Konzepte, um Kinder individuell zu fördern. Was fehlt, sind
       verlässliche, langfristig tragfähige und bedarfsgerechte
       Rahmenbedingungen“, kritisiert VKMK-Geschäftsführer Békési. Und diesen
       verlässlichen Rahmen müsse eben wiederum die Politik bereitstellen.
       
       17 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.kurt-schumacher-grundschule-berlin.de/klasse-0-wirfuerschule/
 (DIR) [2] https://unternehmen.rossmann.de/presse/pressemeldung/klasse-0-start.html
 (DIR) [3] https://wirfuerschule.de/programme-fuer-schulen/klasse0/
 (DIR) [4] https://www.tagesspiegel.de/berlin/schule/mit-rossmann-und-basf-gegen-sprachdefizite-berliner-grundschulen-setzen-bei-vorschul-forderung-jetzt-auf-firmen-sponsoring-15572527.html
 (DIR) [5] https://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-grundschulleiter-zum-neuen-schuljahr-schulen-sollen-selbst-entscheiden-durfen-wo-sie-kurzen-8575384.html?icid=in-text-link_15572527
 (DIR) [6] /Chancengleichheit-fuer-Kinder/!5882445
 (DIR) [7] /Schulbildung-in-Berlin/!6000401
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uta Schleiermacher
       
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