# taz.de -- Nach Gerichtsurteil in Südafrika: Präsident Ramaphosa lehnt einen Rücktritt ab
> Trotz des erneuten Amtsenthebungsverfahrens will Südafrikas Präsident
> Cyril Ramaphosa sein Amt nicht aufgeben. Seine Partei ANC hat nun ein
> Dilemma.
(IMG) Bild: Ramaphosa will nicht abtreten
Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa will nicht zurücktreten. In einer
[1][Fernsehansprache an die Nation am Montagabend] versuchte er, einen
Schlussstrich um den neuesten Skandal um seine Person zu ziehen, der ein
erneutes Amtsenthebungsverfahren durch das Parlament nach sich gezogen hat.
Er betonte die Bedeutung von Stabilität, Kontinuität und Respektierung der
verfassungsgemäßen Abläufe. Seine Regierung konzentriere sich weiterhin auf
die Erholung der Wirtschaft und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Man
respektiere die Rechte des Parlaments, aber diese sollten nicht die
Institutionen destabilisieren.
Unter Druck steht Ramaphosa seit einem brisanten [2][Urteil des
Verfassungsgerichts] vom vergangenen Freitag. Das oberste südafrikanische
Gericht hatte geurteilt, dass Südafrikas Parlament erneut eine
Amtsenthebung des Präsidenten prüfen muss. Ein solches Verfahren hatte die
ANC-Mehrheit im Parlament 2022 verhindert, die Opposition hatte dagegen
geklagt und bekam jetzt recht: Dieser Schritt sei verfassungswidrig
gewesen, so die Richter.
Hintergrund ist die Affäre um Ramaphosas Farm Phala Phala, wo bei einem
Raubüberfall im Jahr 2020 bis zu 4 Millionen US-Dollar-Bargeldbestände, die
nirgends deklariert waren, in Sofas und Matratzen versteckt gefunden worden
waren – und die mutmaßlichen Räuber angeblich nach der Ergreifung gefoltert
und bestochen wurden, um die Sache unter den Teppich zu kehren. Das
Parlament [3][wies 2022 die Befunde einer Untersuchungskommission zurück],
die eine nähere Untersuchung des Raubüberfalls sowie ein
Amtsenthebungsverfahren gegen Ramaphosa empfohlen hatte.
Der Spruch der obersten Richter, der diese Parlamentsentscheidung jetzt
kippte, erfolgte genau 30 Jahre nach Inkrafttreten der demokratischen
Verfassung Südafrikas, die damals unter Vorsitz Ramaphosas geschrieben
worden war – ein historischer Zeitpunkt. Nun haben sich die Hüter der
Verfassung gegen ihren Urheber gewandt.
## Zweidrittelmehrheit nötig
In Reaktion auf den Richterspruch beschloss das Parlament am Montag, erneut
eine Kommission zur Prüfung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen Ramaphosa
einzurichten. Der TV-Auftritt des Präsidenten war die Reaktion darauf.
Eine Amtsenthebung würde zwei Drittel der Stimmen im Parlament benötigen,
also 267 der 400 Abgeordneten. Das zu erreichen wäre jetzt deutlich
einfacher als 2022, als der regierende ANC (African National Congress) noch
die absolute Mehrheit hielt. [4][Seit den Wahlen 2024] hält der ANC nur
noch 159 Sitze, alle anderen Parteien zusammen haben 241.
Entscheidend dürfte die Haltung der liberalen Oppositionskraft DA
(Democratic Alliance) werden, [5][Hauptkoalitionspartner des ANC in der
Regierungskoalition]. Bislang war sie gegen eine Amtsenthebung. Seit dem
Gerichtsurteil ist dies nicht mehr so klar. Der Richterspruch sei ein
„bedeutsamer Moment“ für die südafrikanische Demokratie, sagte DA-Chef
Geordin Hill-Lewis und erklärte, seine Partei werde im neuen
Amtsenthebungsausschuss „konstruktiv“ mitarbeiten. „Niemand sollte
erwarten, dass die DA Fehlverhalten deckt“, sagte er.
Bei einer Amtsenthebung wäre nicht nur Ramaphosas politische Karriere
vorbei, er würde auch alle einem Ex-Präsidenten zustehenden Zuwendungen und
Vergünstigungen verlieren. Weniger riskant für ihn wäre also, vorher
zurückzutreten oder sich vom ANC absetzen zu lassen, wie es der ANC
beispielsweise 2008 mit Thabo Mbeki und 2018 mit Jacob Zuma machte.
Die Alternative für den ANC ist, mit einem schwer angeschlagenen
Präsidenten in Südafrikas Kommunalwahlen im November zu ziehen. Der jüngste
Schlagabtausch belegt sowohl das Ausmaß der politischen Spannungen als auch
die andauernde Stärke der Institutionen in Südafrika.
12 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=9mQSzrhkDPk
(DIR) [2] /Suedafrikas-Praesident-unter-Druck/!6177422
(DIR) [3] /Suedafrikas-Praesident/!5902773
(DIR) [4] /Suedafrika-braucht-Koalition/!6011614
(DIR) [5] /Neue-Koalition-in-Suedafrika/!6017308
## AUTOREN
(DIR) Tintswalo Baloyi
## TAGS
(DIR) Südafrika
(DIR) Cyril Ramaphosa
(DIR) ANC
(DIR) Südafrika
(DIR) Südafrika
(DIR) Südafrika
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Südafrikas Präsident unter Druck: Ein Urteil mit politischer Brisanz
Laut einem Urteil des Verfassungsgerichts vom Freitag muss das Parlament
ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Cyril Ramaphosa
prüfen.
(DIR) Polizeiskandal in Südafrika: Freund und Helfer des organisierten Verbrechens?
Südafrikas Polizeichef steht wegen einer Auftragsvergabe ein
Verbrecherkartell vor Gericht und muss gehen. Seine Nachfolgerin ist auch
verwickelt.
(DIR) Ausländerfeindlichkeit in Südafrika: Ein König aus Nigeria macht Ärger in Südafrika
Ausländerfeindliche Unruhen erschüttern die Stadt East London in Südafrika.
Auslöser ist die wohl illegale „Krönung“ eines nigerianischen „Königs“.