# taz.de -- Südafrikas Präsident unter Druck: Ein Urteil mit politischer Brisanz
> Laut einem Urteil des Verfassungsgerichts vom Freitag muss das Parlament
> ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Cyril Ramaphosa
> prüfen.
(IMG) Bild: Südafrikas Opposition fordert Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Cyril Ramaphosa
Südafrikas Verfassungsgericht hat eine folgenreiche Entscheidung für
[1][Präsident Cyril Ramaphosa] getroffen. Wie das Gericht im Johannesburger
Stadtteil Braamfontein am Freitagmorgen verkündete, muss sich das Parlament
erneut mit einem Bericht von 2022 befassen. In dem Bericht waren schwere
Vorwürfe gegen das Staatsoberhaupt erhoben und sogar eine mögliche
Amtsenthebung ins Spiel gebracht worden.
Gegenstand des Überprüfungsberichts waren Ereignisse auf Ramaphosas
privater Wildtierfarm „Phala Phala“ in Limpopo. Dort sollen Ramaphosa am 9.
Februar 2020 rund 580.000 US-Dollar gestohlen worden sein, die in einem
Sofa versteckt waren. Bis heute behauptet Ramaphosa, das Geld stamme aus
dem Verkauf von 20 Büffeln an den sudanesischen Geschäftsmann Mustafa
Mohamed Ibrahim Hazim.
Das Verfassungsgericht äußerte nun allerdings Zweifel an dieser Darstellung
und verwies auf offene Fragen und Widersprüche. So sollen sich die
angeblich verkauften Tiere auch noch mehr als zwei Jahre später auf der
Farm befunden haben. Zudem fehlten offizielle Steuerunterlagen für das
Geschäft.
Und damit nicht genug: Statt den Diebstahl ordnungsgemäß anzuzeigen, sollen
interne Ermittlungen eingeleitet worden sein, in deren Zuge Ramaphosa den
namibischen Präsidenten um Hilfe bei der Verfolgung eines Verdächtigen
gebeten haben soll. Zudem wurden Reisedokumente gefälscht und staatliche
Ressourcen genutzt. Die Liste ist lang, und der Vorwurf des Amtsmissbrauchs
wiegt schwer.
## Schutz vor weiteren Untersuchungen
Der parlamentarische Ausschuss, der den Fall damals untersuchte, zog
deshalb eine klare Schlussfolgerung: Es gebe genügend Hinweise, um ein
Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Cyril Ramaphosa einzuleiten. Das
Parlament sah das allerdings anders. Die damalige Mehrheit des regierenden
ANC schmetterte den Bericht mit 214 zu 148 Stimmen ab und bewahrte den
eigenen Parteichef damit vor weiteren Untersuchungen.
Dass der Fall nun neu aufgerollt wurde, liegt an einer Klage der
Oppositionsparteien Economic Freedom Fighters (EFF) und African
Transformation Movement (ATM). Laut Vuyo Zungula, Fraktionschef der ATM,
hat das Parlament seine Kontrollfunktion vernachlässigt, indem es die
Einleitung eines umfassenden Amtsenthebungsverfahrens abgelehnt habe. Eine
Meinung, der sich das Verfassungsgericht nun angeschlossen hat. Die
Ablehnung einer weiteren Untersuchung im Jahr 2022 sei „irrational“ und
„verfassungswidrig“ gewesen, erklärte das Gericht.
Die Entscheidung ist politisch brisant. Während der ANC 2022 noch eine
absolute Mehrheit im Parlament besaß, hat er diese bei der Parlamentswahl
2024 verloren. Damit ist unklar, ob Ramaphosa im Fall einer erneuten
Abstimmung weiterhin ausreichend Rückhalt besitzt. Die Nationalversammlung
muss nun erneut den Bericht ordnungsgemäß bearbeiten, wodurch die Frage
nach einer umfassenden Amtsenthebungsuntersuchung gegen den Präsidenten
wieder offen ist.
## Die Opposition feiert
Die Oppositionspartei EFF feierte die Entscheidung des Gerichts mit einer
Siegeskundgebung. Parteichef Julius Malema forderte erneut den Rücktritt
von Präsident Cyril Ramaphosa. Auch die Partei ATM forderte, die
unverzügliche Einberufung eines Amtsenthebungsausschusses.
In einer Reaktion auf die Verkündung des Urteils teilte das Präsidentenbüro
mit, Ramaphosa respektiere die Entscheidung des Gerichts und halte daran
fest, dass niemand über dem Gesetz stehe. Alle Vorwürfe müssten in einem
ordentlichen Verfahren geprüft werden – ohne Angst, Bevorzugung oder
politische Voreingenommenheit.
8 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Helena Kreiensiek
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