# taz.de -- Betrug im Netz: Alles auf dem Monitor haben
       
       > Der neue Cybersicherheitsbericht des Amts für Sicherheit und
       > Informationstechnik hat eine einfache Kernbotschaft: Betrügen im Netz
       > kann jeden treffen.
       
 (IMG) Bild: Die Betrüger bleiben oft anonym – um so wichtiger, dass Betroffene von Cyberbetrug offen sprechen
       
       Internetbetrug kann jeden treffen – l[1][aut dem neuesten
       Cybersicherheitsmonitor] des Bundesamts für Sicherheit und
       Informationstechnik (BSI) ist in Deutschland bereits jeder neunte
       Internetnutzer davon betroffen.
       
       Wichtig dabei: Die Befragung hat „berichtendes Verhalten“ dokumentiert,
       also das, was die Leute selbst preisgegeben haben. Die Dunkelziffer ist
       wahrscheinlich groß. Man kann also sagen, dass mindestens einer von neun
       Menschen, die in Deutschland das Internet nutzen, schon mal dort betrogen
       wurde.
       
       Zu den meisten Betrugsfällen kommt es in den Bereichen Online-Shopping,
       Fremdzugriff auf einen Account und Zugriff aufs Online-Banking, dicht
       gefolgt vom Phishing, dessen Opfer kürzlich mehrere Politiker im Rahmen des
       [2][Signal-Skandal]s wurden.
       
       So gut wie kein Ort im Netz ist wirklich sicher vor Betrügern. Und weil
       heute ein Großteil des Alltags eng mit dem Internet verzahnt ist, wäre die
       Lösung, [3][einfach offline zu gehen], schlichtweg nicht praktikabel. Was
       also tun? Bestimmte Dienste verbieten? Bestimmte Regeln erlassen? All das
       bringt wenig, wenn die Nutzer und Betroffenen sich einfach zu sicher fühlen
       im Netz.
       
       ## Nicht zu Fremden ins Auto
       
       Denn genau das ist ein Problem, das der Cybersicherheitsmonitor
       identifiziert: Mehr als ein Viertel der Befragten nutzt nicht alle
       möglichen vorhandenen Sicherheitsmaßnahmen wie Passwort-Manager,
       Zwei-Faktor-Authentisierung und das regelmäßige Durchführen von Updates.
       Knapp ein Viertel findet es zu kompliziert, sich überhaupt damit
       auseinanderzusetzen.
       
       Knapp jeder Fünfte beschäftigt sich nur mit Cyberkriminalität und
       -sicherheit, wenn es schon zu spät ist. In einer idealen Welt wäre aber die
       Annahme, dass einen jemand im Internet betrügen kann, für alle so klar, wie
       es für Kinder klar sein sollte, dass sie nicht zu einem Fremden ins Auto
       steigen oder einem Fremden die Türe öffnen – unabhängig davon, wie
       überzeugend er sich präsentiert oder wie er argumentiert.
       
       Doch leider ist die Welt nicht so. Und das, obwohl scammen, also betrügen,
       immer einfacher wird, auch durch künstliche Intelligenz. KI befeuert die
       [4][Scam-Economy]. Denn heute muss ein Betrüger wirklich nicht mehr die
       Landessprache des Opfers beherrschen, um sich erfolgreich als
       Bankmitarbeiter auszugeben oder einen Online-Shop inklusive Werbung auf
       Social Media zu schalten, in einer Sprache, die er selbst nicht spricht.
       
       „Cyberkriminalität ist ein weltweites Phänomen, das weder an Landesgrenzen
       noch vor verschlossenen Türen Halt macht“, heißt es auch in dem Report. Das
       sorgt dafür, dass keine Maßnahme außer mehr Bewusstsein für das Problem bei
       den Verbrauchern, den Internetbesuchern, das Problem lösen wird.
       
       ## Betrügen als Geschäftsmodell
       
       Da hilft auch digitale Souveränität, Klarnamenpflicht oder ein Verbot
       bestimmter Dienste nicht. Denn für Betrüger gehört es zum Geschäftsmodell
       dazu, neue Lücken – sei es in Systemen oder in der menschlichen
       Gutgläubigkeit – zu finden.
       
       Keine App, keine Website, kein Dienst ist jemals komplett sicher. Man kann
       auf Dating-Apps, durch eine gefälschte Bank-E-Mail oder eine Person, die
       die Bilder eines Familienmitglieds geklaut und ein Fake-Profil erstellt
       hat, über den Tisch gezogen werden.
       
       Oder man bekommt es erst gar nicht mit, dass man selbst Opfer wurde, bis
       man versucht, sich bei Facebook oder Instagram einzuloggen und keinen
       Zugriff mehr aufs eigene Konto hat, weil irgendwo im Netz jemand durch
       einen Leak an das eigene Passwort gekommen ist oder man auf irgendeinen
       Link zu einer täuschend echt aussehenden, jedoch gefälschten Anmeldeseite
       geklickt hat.
       
       „Viele Schutzmaßnahmen sind den Befragten nicht bekannt“, heißt es seitens
       des BSI. Das ist genau die Stellschraube, an der sich etwas ändern ließe.
       Ein Positivbeispiel für mehr niedrigschwellige Information liefert der
       [5][Podcast „The Perfect Scam“ von AARP] aus den USA, einer NGO, die sich
       für Rentner einsetzt. Regelmäßig werden dort Opfer und Sicherheitsexperten
       interviewt und die Vorgehensweisen der Betrüger besprochen. Realitätsnah
       und verständlich. Das hat gleich mehrere Vorteile: Man erhält Zugang zu
       Wissen und die Scham wird reduziert. Denn wer betrogen wurde, redet in der
       Regel nicht gern darüber. Doch wenn man von Menschen hört, die darüber
       sprechen, was einem möglicherweise selbst passiert ist, die mutig genug
       sind, zu sagen: „Ich wurde betrogen“, in Podcasts und in anderen
       Medienformaten, dann führt das im besten Fall dazu, dass das Thema
       Onlinebetrug irgendwann kein Tabuthema mehr ist.
       
       In diesem Sinne: Auch ich bin letzten Winter auf einen Betrüger
       hereingefallen, der mich davon überzeugte, dass er auf Kleinanzeigen ein
       Ticket für eine Veranstaltung verkauft – 100 Euro war ich los. Habe ich
       mich darüber geärgert? Klar. War ich in dem Moment unaufmerksam und
       gutgläubig? Ja. Schreibe ich das gern jetzt in die Zeitung? Absolut nicht.
       Doch ich mache es, weil meine Überzeugung dafür, dass wir alle mehr über
       das Thema Cybersicherheit sprechen müssen, größer ist als die Scham.
       
       11 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Verbraucherinnen-und-Verbraucher/Leistungen-und-Kooperationen/Digitaler-Verbraucherschutz/Digitalbarometer/digitalbarometer_node.html
 (DIR) [2] /Phishing-Angriff-auf-Signal/!6174340
 (DIR) [3] /Soziale-Ausgrenzung-bei-Digitalisierung/!5831441
 (DIR) [4] /Drogenplattform-Archetyp-ist-offline/!6091599
 (DIR) [5] https://www.aarp.org/podcasts/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Klaudia Lagozinski
       
       ## TAGS
       
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