# taz.de -- Experiment zwischen Mode und Performance: Outfits im Zwiegespräch
       
       > Mit Fluoreszenz und Körperbewusstsein endet die Lange Nacht der Museen an
       > der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Der Lichthof wird zum
       > temporären Runway.
       
 (IMG) Bild: Die von Elisa Frankie Natt designte Steppjacke, in Szene gesetzt
       
       Das Licht folgt dem Model. Mit äußerster Körperanspannung bewahrt Anusha
       Hirschwald die Schieflage, mit der die schleppenhaft weitläufige Jacke den
       Körper umhüllt und freilegt zugleich, während sie von der Empore auf der
       zweiten Etage hinunterläuft. Nicht immer bleibt sie sichtbar inmitten der
       Menschenmengen, nur markiert durch das Scheinwerferlicht. Erst auf der
       Bühne ist die von Elisa Frankie Natt designte hellblaue, quadratisch
       gesteppte Jacke in Gänze zu betrachten.
       
       Viele Menschen haben am 9. Mai in der Langen Nacht der Museen Leipzig zur
       Fashion Performance gefunden, die in der [1][Hochschule für Grafik und
       Buchkunst] stattfindet. Leipziger Studierende und Künstler:innen haben
       sich zusammengetan, um den Runway zu erforschen, zu erweitern und zu
       durchbrechen. Die Kulisse stellen schwarz-grau-weiß gemalte Gebilde von
       Co-Organisator Gideon Liebmann. Im Fokus bleiben dennoch die Fashion
       Designs von Studierenden der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und
       der UdK Berlin.
       
       Mira Lu Haselows Set trumpft mit Farbe, Streifenstrümpfen, Puffärmeln und
       schwingendem Filzgürtel auf. Dem skulpturalen Hut, der sich in ein
       schalenförmiges Oberteil transformieren lässt, stehlen fast die knallroten
       Filzsocken mit Knubbelzehen die Show, unter denen schwarze Sohlen noch
       hervorblicken. Bemerkenswert ist in diesem Fest aus hofnärrischer
       Verspieltheit und Eleganz, dass die Outfits aufeinander antworten, Motive
       weitergesponnen werden. Auch die Performer:innen treten in Dialog,
       indem sie nicht mehr nur sich ablichten lassen, sondern einander zu
       fotografieren beginnen.
       
       Offensiver kommt die von Jens Schabbach konzipierte Choreografie der
       Selbstinszenierung in Leon Sebastian Leiß' Set zum Ausdruck. Das Zepter,
       das die Models einander aus der Hand nehmen, entpuppt sich als Selfiestab.
       Eigene Erzählkraft entwickelt die mal sphärische, mal mit Kinderstimmen
       unterlegte Experimental-Musik des in Leipzig ansässigen Künstlers Myen.
       Hier herrscht eine Art Nachkriegsästhetik vor: gegelte Haare, beschmutzte
       Haut, in haptische Stoffe aus Schwarz, Weiß, Rot gehüllten Körper.
       Entschärft wird sie durch das Gruppenselfie am Ende.
       
       Klar als Klimax auszumachen ist das letzte Set von Maleka Maria Wiedemann;
       schwarze, dünne Stoffe, die sich jenseits von Dystopie und Utopie bewegen,
       die Musik geht in ein andächtiges Zersplittern und zitternde Stimmen über.
       Fiona Lee Ahrens präsentiert den Höhepunkt: eine fluoreszierende Stoffbahn,
       die das Gesäß freilegt. Erst beim dritten Hinschauen zeigen sich auch bei
       den ersten schwarzen Outfits im dünnen Stoff ähnlich fluoreszierende
       Muster.
       
       11 May 2026
       
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