# taz.de -- Integration ist keine Einbahnstraße: Die undankbaren Türken
> Deutschland bemüht sich seit 65 Jahren, mit Sprachwitz und Spucke
> Heimatgefühle bei Türken zu erzeugen. Und wir? Klagen dagegen! Und
> bekommen recht!
(IMG) Bild: Orientalische Sitten: Kaum wird’s mal ein bisschen warm, setzen sich die Leute raus
Felsenfest bin ich inzwischen davon überzeugt, dass wir Türken ein total
unfaires Volk sind und die armen Deutschen es uns niemals recht machen
können!
Wie haben wir doch früher ständig rumgejammert, dass die Integration auf
keinen Fall einseitig verlaufen darf und dass die Deutschen uns auch ein
bisschen entgegenkommen müssen, sonst wäre das ja keine schöne Integration,
sondern nur eine hässliche Assimilation und so weiter und so fort …
Was haben die netten Deutschen daraufhin gemacht?
Das ganze Land ist jeden Sommer nach Antalya und Istanbul geflogen und hat
alle unsere Sitten und Gebräuche nach Deutschland geschleppt, um uns das
Leben hier so angenehm wie möglich zu machen. Ich meine damit nicht nur den
Döner.
## Viel Spucke auf beide Wangen
Als wir damals vor 65 Jahren hierherkamen, haben die Deutschen bei der
Begrüßung nicht mal die Hand gegeben – ich meine nicht uns, das war ja
normal –, sondern gegenseitig. Jetzt küssen sie sich hemmungslos und laut
schmatzend mit viel Spucke auf beide Wangen, so wie wir.
Damals saßen die Leute selbst im Sommer bei 35 Grad in Cafés und
Restaurants bei fest verschlossenen Fenstern und Türen drinnen. Heute sind
alle Bürgersteige mit Tischen und Stühlen vollgestellt, sodass kein Mensch
mehr durchkommt, genauso wie in der Türkei. Und in deren Küchen arbeiten
auch nur Schwarzhaarige.
1974 riefen die Deutschen nicht mal „Hurra, Deutschland ist
Fußball-Weltmeister“, stattdessen murmelten sie verschämt: „Die BRD hat
irgendein Turnier gewonnen.“ Niemand kam auf die Idee, begeistert auf die
Straße zu gehen, schon gar nicht mit einer Deutschlandflagge in der Hand.
Heute veranstalten sie nach türkischem Vorbild die ganze Nacht Hupkonzerte
mit langen Autokonvois, selbst nach einem 2:1 Sieg gegen Färöer-Inseln.
Aus Rücksicht auf uns gibt es so gut wie keine Behörden oder Firmen mehr,
[1][bei denen man nicht mit etwas Schmiergeld weiterkommt]. Überall
herrschen tolle orientalische Verhältnisse, die das Leben leichter machen.
Damit aber nicht genug: Unsere höchst integrationswilligen Deutschen haben
sogar die politischen Verhältnisse hierher transportiert, damit sich der
chronisch unzufriedene Türke endlich wie in der Türkei fühlt. Deshalb hat
die nette deutsche Polizei jahrelang so getan, als könnten sie die
[2][politischen NSU-Morde an Türken] nicht aufklären.
Sie nannten die NSU-Morde nicht mal NSU-Morde, sondern höchst
entgegenkommend Döner-Morde. Die Ermittler waren so taktvoll, in dem sie
die Opfer zu Tätern erklärten und deren Familien all die Jahre des Mordes
beschuldigten.
Um unser Heimatgefühl auf die Spitze zu treiben, verweigerte das Gericht
der türkischen Presse sogar den Zutritt zum Gerichtssaal, damit die armen
Reporter aus der Türkei keinen unnötigen Demokratie-Schock erleiden.
Aber einige haben das einfühlsame Gericht in Bayern dafür verklagt. Und das
Gericht in seiner Güte hat denen auch noch recht gegeben. Wie weit sollen
diese armen Menschen uns denn noch entgegenkommen? Noch mehr [3][Anpassung
und Integration] an unsere [4][Sitten und Gebräuche] können wir nun
wirklich nicht verlangen. Wir sind so was von undankbar!
11 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Neue-Zahlen-zu-Korruption-in-Deutschland/!6065293
(DIR) [2] /NSU-Prozess-in-Dresden/!6167740
(DIR) [3] /Ueber-migrantische-Selbstbehauptung/!6173835
(DIR) [4] https://deutsch-lernen.zum.de/wiki/Sitten_und_Gebr%C3%A4uche_in_Deutschland,_lokale_Besonderheiten
## AUTOREN
(DIR) Osman Engin
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