# taz.de -- Jungnazis: Razzien reichen nicht
> Es braucht mehr als die polizeiliche Verfolgung junger Extremisten. Doch
> gerade im Bereich Demokratieförderung und Jugendhilfe wird heftig
> gekürzt.
(IMG) Bild: Ein Demonstrant mit Shirt und Logo der Gruppe „Deutsche Jugend Voran“
Die Großrazzia mit 600 Polizist*innen bei Jungnazis in 12 Bundesländern
[1][richtet sich gegen zentrale Köpfe der Nachwuchsszene]. Repressionen wie
die Festnahmen von gewaltbereiten Neonazis und auch die Anklagen nach
Anschlägen und Gewalttaten von Szeneakteuren, [2][etwa der „Letzten
Verteidigungswelle“] haben dabei bereits in den letzten Monaten dazu
geführt, dass Gruppen wie „Deutsche Jugend Voran“ oder „Jung & Stark“
zuletzt eher gealtert & schwächlich wirkten. Einige der Gruppen befinden
sich teils in Auflösung oder Metamorphose.
Grund zur Entwarnung ist das aber leider nicht: Nicht wenige der
gewaltbereiten Neonazis sind einfach weitergewandert zu neonazistischen
Parteien und deren Jugendorganisationen. Ebenso findet man Jungnazis immer
wieder auf AfD-Veranstaltungen, die mit ihrer Hetze auf allen Kanälen
nichts anderes tut, als rechten Terror zu fördern.
Gerade mit Blick auf radikalen Nachwuchs ist es richtig, hier von Seiten
der Behörden weiter konsequent Zeichen zu setzen – denn Repression wirkt:
In Berlin hatten Jungnazis nach der Verhaftung einer ihrer zentralen
Figuren bereits weniger Schlagkraft. Wo sich terroraffine Strukturen
herausbilden, die Gewalt vorbereiten, braucht es konsequente Gegenwehr.
Ebenso wichtig wäre es aber gleichzeitig, als Staat in Präventionsarbeit
Jugendhilfestrukturen, Demokratieförderung und Selbstwirksamkeitsprojekte
zu investieren.
Denn während rechte Gewalt auf einem Rekordhoch liegt, [3][kürzt die
Bundesregierung zeitgleich mit kopflosem Kulturkampf] gegen alles
vermeintlich zu linke, Teile der zivilgesellschaftlichen
Präventionslandschaft weg. In manchen Regionen Deutschlands ersetzen
neonazistische Jugendgruppen schlicht fehlende pädagogische und
sozialarbeiterische Angebote für Jugendliche.
Gerade mit Blick auf junge Menschen muss der Staat Strukturen
aufrechterhalten: Die [4][Coronapandemie] ging zu Lasten vieler junger
Menschen. Multiple Krisen, Vereinzelung, Doomscrolling auf
Social-Media-Plattformen im Besitz von autoritären Tech-Oligarchen taten
ihr Übriges. In komplizierten Zeiten verfangen einfache Erzählungen wie
völkischer Kulturpessimismus und Paranoia von Deutschlands Untergang. Das
bekommt man nicht nur mit Razzien in den Griff.
6 May 2026
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