# taz.de -- Vorstöße im Krieg in der Ukraine: Zwischen Waffenruhe und Eskalation
       
       > Sowohl Russland als auch die Ukraine kündigen zum Jahrestag des
       > Kriegsendes 1945 Waffenruhen an. Die Ukraine droht auch mit Drohnen über
       > der Parade.
       
 (IMG) Bild: Nach einem russischen Raketenangriff in der Stadt Merefa in der ukrainischen Region Charkiw
       
       Wieder ist ein Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine in Sicht,
       besser gesagt, zwei Waffenstillstände. Für den 8. und 9. Mai, den Tagen, an
       denen im Westen und in Russland des Endes des Zweiten Weltkrieges gedacht
       wird, hatte Russlands Präsident Wladimir Putin einseitig eine Waffenruhe
       verkündet.
       
       Mit dieser Initiative setzte Putin den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr
       Selenskyj unter Zugzwang. Hätte Selenskyj eingewilligt, hätte er Putin die
       Initiative überlassen und diesem gleichzeitig den Rücken für die
       Feierlichkeiten des 9. Mai, dem „Tag des Sieges“, freigehalten. Hätte
       Selenskyj nicht eingewilligt, wäre ihm ein russischer Propagandafeldzug
       sicher gewesen, der ihn als Friedensfeind gebrandmarkt hätte.
       
       Nun hat Selenskyj für den 6. Mai [1][einen eigenen einseitigen
       Waffenstillstand verkündet], Ende offen, und damit Putin die Schau
       gestohlen. Zum ersten Mal in diesem Krieg scheinen beide Seiten der anderen
       mit einem noch schnelleren einseitigen Waffenstillstand zuvorkommen zu
       wollen.
       
       Zu schön, um wahr zu sein. Tatsächlich ist dieser Waffenstillstandswettlauf
       mit so vielen Fallstricken versehen, dass eine weitere Eskalation just zu
       den Maigedenktagen nicht auszuschließen ist. Übertönt werden die
       Waffenstillstandsangebote vom Lärm der Waffen und einer weiteren
       Verschärfung der kriegerischen Rhetorik.
       
       ## Ukrainische Drohnen über der Parade in Moskau?
       
       Allein am 4. Mai, so berichtet der ukrainische Dienst von BBC, habe
       Russland die Ukraine mit 70 Flugkörpern angegriffen. Dabei sind an einem
       Tag 14 Menschen getötet und 60 weitere verletzt worden. Im russischen
       Tscheboksary wurde unterdessen ein Hochhaus von einer ukrainischen Drohne
       getroffen, berichtet die Nowaja Gazeta auf ihrem Telegram-Kanal. Dabei
       seien drei Personen verletzt worden.
       
       Präsident Selenskyj, so berichtet das ukrainische Portal New Voice, schloss
       nicht aus, dass ukrainische Drohnen am 9. Mai Moskau anfliegen werden.
       
       „Russland hat für den 9. Mai eine Parade angekündigt, doch dort wird es
       keine militärische Technik geben. Es ist das erste Mal seit vielen Jahren,
       dass sie es sich nicht leisten können, Waffen bei der Parade zu zeigen“,
       zitiert New Voice den Präsidenten. „Möglicherweise fliegen ukrainische
       Drohnen über dieser Parade. Das zeigt, dass sie nicht mehr so stark sind
       wie früher“, erklärte der ukrainische Präsident bei der Eröffnung des
       [2][VIII. Gipfeltreffens der European Political Community (EPC)] am 4. Mai
       in Eriwan.
       
       Eine leere Drohung ist das nicht. Vor wenigen Tagen noch hatten ukrainische
       Drohnen ein Wohnhaus in Moskau unweit des Kreml angegriffen. Und am
       Dienstagnachmittag berichten russische Quellen von erneuten ukrainischen
       Drohnenangriffen auf zahlreiche russische Städte.
       
       Im russischen Verteidigungsministerium nimmt man Selenskyjs Drohung, die
       Militärparade zu stören, sehr ernst. „Sollte das Regime in Kyjiw versuchen,
       seine verbrecherischen Pläne zur Störung der Feierlichkeiten zum 81.
       J[3][ahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg] umzusetzen,
       werden die Streitkräfte der Russischen Föderation einen massiven
       Raketenangriff auf das Zentrum von Kyjiw als Vergeltungsmaßnahme
       durchführen“, heißt es auf dem Telegram-Kanal des russischen
       Verteidigungsministeriums, der des Weiteren der Bevölkerung von Kyjiw und
       dem diplomatischen Personal empfiehlt, die ukrainische Hauptstadt
       rechtzeitig zu verlassen.
       
       In Moskau scheint man sich auch auf seine Weise auf den 9. Mai
       vorzubereiten. Es werden Ausfälle des Mobilfunknetzes und des Internets in
       der Hauptstadt erwartet. In der Moskauer Bevölkerung decken sich inzwischen
       viele mit Bargeld ein, ist doch nicht abzusehen, wie der bargeldlose
       Zahlungsverkehr bei längeren Ausfällen des Internets funktionieren wird.
       
       5 May 2026
       
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