# taz.de -- Staatsumbau in Israel: Religiöser Fundamentalist soll Israels Landverwaltung leiten
> Der Siedler Jehuda Eljiahu ging bisher als rechte Hand von Finanzminister
> Smotrich gegen Bauvorhaben von Palästinensern und Beduinen vor.
(IMG) Bild: Israelische Siedler feiern die Wiedererrichtung der Siedlung Sa-Nur
Dass die israelische Siedlerbewegung einen Marsch durch die Institutionen
angetreten hat, ist inzwischen auch der Opposition klargeworden. Jüngst
versprach [1][Naftali Bennett] als aussichtsreicher Herausforderer von
Regierungschef Benjamin Netanjahu, nach seinem möglichen Wahlsieg im Herbst
Beamte wieder zu entlassen, die in den vergangenen Jahren wegen ihrer
politischen Überzeugungen in Institutionen gehievt wurden. Für dieses
Vorhaben darf er nun einen weiteren Namen auf die Liste setzen: Jehuda
Elijahu, der seit dieser Woche die israelische Bodenbehörde leitet.
Damit übernimmt ein extremistischer Siedler eine mächtige Behörde: Die
Israeli Land Authority (ILA) verwaltet rund 93 Prozent des israelischen
Staatsgebietes, ist für Planung und Nutzungsrechte verantwortlich und geht
gegen illegale Landnutzung vor. Mit anderen Worten: Elijahu erhält einen
ganzen Werkzeugkoffer, um palästinensische und beduinische Gemeinden
innerhalb Israels zu drangsalieren.
„Ich habe vollstes Vertrauen, dass Elijahu wichtige Veränderungen in der
ILA vornimmt und Bürokratie verringert“, erklärte Netanjahu zu seiner
Ernennung. Fachliche Voraussetzungen bringt der Bewohner des illegalen
Außenpostens Harasha und enge Vertraute von Finanzminister [2][Bezalel
Smotrich] dafür allerdings nicht mit, im Gegenteil: Der Findungskommission
lag ein Rechtsgutachten vor, das fehlende Qualifikationen Elijahus
bemängelte. Dennoch wurde er laut dem israelischen Wirtschaftsmagazin
Calcalist Mitbewerbern mit weit größerer Erfahrung vorgezogen.
Doch damit nicht genug: Die Kommission setzte sich mit vier zu einer Stimme
über Warnungen hinweg, dass Elijahus Ernennung neben fehlenden Kompetenzen
auch wegen seiner engen Kontakte zu Smotrich illegal sein könnte.
## Elijahus Ernennung könnte illegal sein
Elijahu und Smotrich arbeiten seit mehr als 30 Jahren eng zusammen. Beide
sind religiöse Fundamentalisten, in deren Augen das gesamte Land zwischen
dem Mittelmeer und dem Jordan dem jüdischen Volk zusteht. Elijahus
völkerrechtlich illegales Zuhause Harasha im besetzten Westjordanland ließ
Smotrich im Dezember nach israelischem Recht legalisieren – völkerrechtlich
bleibt der Ort illegal.
Zusammen gründeten sie 2006 die NGO Regavim, die juristisch gegen
Bauvorhaben von Palästinensern und Beduinen in Israel und dem
Westjordanland vorgeht. Beide erhalten auf legalem Weg häufig keine
Baugenehmigungen. Selbst aber haben laut Recherchen der Zeitung Haaretz
sowohl Smotrich als auch Eljiahu unter falschen Angaben Bankkredite
aufgenommen, um in nach israelischem Recht illegalen Außenposten Häuser zu
bauen.
Zuletzt leitete Elijahu die von Smotrich neu geschaffene zivile
Siedlungsverwaltung im Westjordanland. Weil diese Kompetenzen von der Armee
auf eine zivile Einrichtung übertragen wurden, sehen Völkerrechtler und
NGOs darin eine De-facto-Annexion.
„In einem auch nur annähernd funktionierenden Staat würde eine Person wie
Elijahu von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen und strafrechtlich
verfolgt“, schreibt die NGO Kerem Navot, die Israels Besatzung kritisiert
und die Ausweitung von Siedlungen und Außenposten dokumentiert. Gegen die
Entscheidung dürften Beschwerden vor Israels Oberstem Gericht eingehen. Die
Chancen stehen laut Calcalist nicht schlecht, dass die Richter die
Personalie Elijahu noch kippen könnten.
## Bennett kein Hoffnungsträger
Doch das Gericht gerät selbst zunehmend unter Druck: Seine Bemühungen, den
Siedler und Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir an einem politischen Umbau
der Polizei zu hindern, zeigen bisher kaum Wirkung.
Und auch Oppositionsführer Bennett ist kaum ein Hoffnungsträger, um den
[3][Marsch der Siedler durch die Institutionen] zurückzudrehen. Bennett
selbst ist so eng mit der Bewegung verbunden, dass er von 2010 bis 2012 die
wichtigste Dachorganisation der Siedlungen, den Jescha-Rat, leitete.
6 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Felix Wellisch
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