# taz.de -- DHL streicht Deutsche Post aus dem Namen: Trari, trara, die Post ist weg
       
       > Die DHL will die Deutsche Post zur Tochtergesellschaft herabstufen – und
       > sie damit aus dem Namen des Weltkonzerns verschwinden lassen. Gut so.
       
 (IMG) Bild: DHL steht gar nicht für „Deutsche Handelslogistik“
       
       Es ist der größte Knall seit der Umbenennung des Schokoriegels „Raider“ in
       „Twix“ im Jahre 1991. Die Deutsche Post AG wird mit der gestrigen
       Hauptversammlung zu einer Tochtergesellschaft des zukünftig unter dem Namen
       „DHL AG“ firmierenden Unternehmens degradiert.
       
       Damit bekommt sie im Zeitalter des Mailverkehrs genau das, was sie
       verdient. Wer [1][im 21. Jahrhundert] noch bekritzeltes Papier in einen
       Umschlag steckt, mit einer selbst abgeleckten Briefmarke frankiert und in
       einen dieser gelben Briefkästen steckt, soll nun wenigstens offiziell mit
       der völligen Bedeutungslosigkeit seines anachronistischen Tuns konfrontiert
       werden. Tochtergesellschaft ist im ganz großen Business nämlich nur ein
       anderes Wort für Arschloch.
       
       Damit geht die Deutsche Post [2][den gleichen Weg wie viele Einrichtungen
       vor ihr], deren alte Namen dem modernen und aufgeschlossenen Weltbürger
       nicht mehr sexy genug erschienen: So wurde aus dem Hausmeister der
       Facility-Manager, aus dem Arbeitsamt die Bundesagentur für Arbeit, und aus
       dem Eintopf die Bowl.
       
       Bestens erkannt hat diese Dynamik auch der DHL-Konzernchef Tobias Meyer.
       Nach seinem Amtsantritt 2023 wurde die Deutsche Post DHL Group zunächst zur
       DHL Group. Aber irgendwie war ihm da immer noch zu viel „Post“ drin. Das
       klingt doch viel zu sehr nach den Vorgängern Thurn-und-Taxis-Post (seit dem
       16. Jhd.), Reichspost, Bundespost (bis 1995), und Deutscher Post:
       Poststeinzeitmenschen schreiben einander Briefe und warten zu Hause darauf.
       Gääähn.
       
       ## Uncool und verschnarcht
       
       So etwas passt aber nicht zu dem Profil, das die stark international
       ausgerichtete DHL heute hat. Als entsprechend uncool und wenig catchy für
       den globalen Gebrauch wird der Name Deutsche Post empfunden. Denn der von
       den Worten „Post“ und „deutsch“ ausgehende Ruch von Sauerkraut und
       Verschnarchtheit schadet einem weltweit operierenden
       Logistikdienstleistungsunternehmen.
       
       Das ohnehin längst überholte positive Vorurteil deutscher Gründlichkeit und
       Pünktlichkeit mag vielleicht im klassischen Postverkehr von Vorteil sein.
       Doch die gute alte Brief- und Paketpost macht nur noch ein Fünftel des
       Konzernumsatzes aus.
       
       Im Grunde identifiziert man sich gar nicht mehr damit – das erfährt längst
       auch leidvoll die traditionelle Kundschaft, die nun immer öfter immer
       länger immer vergeblicher auf [3][das analoge Geschreibsel] von Oma und Opa
       warten muss. Das Porto wird fast jede Woche erhöht; das Enkelkind schickt
       eh eine Mail oder eine Drohne.
       
       Wie piefig sieht das denn auch aus? Da hast du super fancy Geschäftszweige,
       die „Global Forwarding/DHL Freight“ oder „DHL Supply Chain“ heißen und da
       vorne an deinem Namen klebt aber noch wie Vogelscheiße: Deutsche Post!
       Fehlt nur noch, dass sie es in Fraktur schreiben.
       
       ## Gamsbarthut oder Chinesen?
       
       Das ist so peinlich. Da fragt sich doch der Amerikaner, der Franzose, der
       Japaner, ob ihm da vielleicht als Nächstes von einem Typen mit Gamsbarthut
       oder Pickelhaube eine Ansichtspostkarte über den Zaun geworfen wird, wo er
       doch eigentlich moderne und globale Lösungen bestellt hat?
       
       Was kommt wohl als nächstes: die Postkutsche, Marschmusik, Allgäuer
       Emmentaler? Und bestimmt sieht die Konzernzentrale aus wie Neuschwanstein.
       Mit so ’nem Türmchen. Nein danke – da machen wir die Geschäfte doch lieber
       mit dem Chinesen.
       
       So in etwa wird sich das Tobias Meyer gedacht haben. Sein Vorgänger Frank
       Appel hatte die Umbenennung noch mit Rücksicht auf die Inlandbelegschaft
       gescheut. Die müssen jetzt wohl mit den Folgen von Identitätsverlust und
       Entwurzelung alleine klarkommen, ohne vom Konzern bestellte Seelsorger oder
       Therapeuten. Wahrscheinlich kommt der Briefträger deshalb nun noch seltener
       und unzuverlässiger. Bald heißt er auch nicht mehr Briefträger, sondern,
       weeß icke, Senior Carrier Assistant Manager.
       
       Wer dachte, wenigstens der Buchstabe D in DHL habe noch etwas mit
       Deutschland zu tun, liegt übrigens falsch: Denn der Name setzt sich aus den
       Anfangsbuchstaben der Nachnamen von Adrian Dalsey, Larry Hillblom und
       Robert Lynn zusammen, den Gründern des Unternehmens 1969 in San Francisco.
       
       5 May 2026
       
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