# taz.de -- Deutsche Post: Rätselhafte Botschaften aus der Vergangenheit
       
       > Bei einem Berliner Buchhalter trudeln jetzt zwei Briefe ein, die vor über
       > zehn Jahren abgeschickt wurden. Selbst die Deutsche Post ist irritiert.
       
 (IMG) Bild: Zwar war das Porto 2013 mit 58 Cent wesentlich billiger als heute. Dafür konnte die Zustellung mitunter wohl etwas länger dauern
       
       Berlin taz | Buchhalter Hai Nguyen staunte nicht schlecht, als vergangene
       Woche in seinem Büro zwei Briefe an seine Frau ankamen. Zwar hatte seine
       Frau tatsächlich mal bei ihm gearbeitet, aber nach einem Schlaganfall vor
       ein paar Jahren ist sie erwerbsunfähig. Also rief der Berliner
       Deutschvietnamese seine Frau zu Hause an und fragte sie, was er mit den
       Briefen machen sollte. Beide waren von ihrer Krankenkasse. „Öffne sie doch
       bitte“, lautete die Antwort.
       
       Der erste Brief war eine Information zum Datenschutz. Selbst ein korrekter
       Buchhalter wie Hai Nguyen warf ihn in den Papierkorb, nachdem er ihn
       gelesen hatte. Dann hielten ihn Telefonate davon ab, auch den zweiten Brief
       zu öffnen. Als er dazu kam, war er erstaunt. Die Krankenkasse bat seine
       Frau um Informationen zu einem Jahre zurückliegenden Arbeitgeber. Wozu
       braucht sie das, fragte er sich. Hai Nguyen war verwirrt. Bis er auf das
       Datum des Briefes schaute: 14. Oktober 2013.
       
       Der Poststempel war vom Folgetag. Frankiert war der Brief mit den damals
       gültigen 58 Cent. Hatte sich jemand einen Scherz erlaubt? Hatte vielleicht
       ein Nachbar [1][die Post so lange zurückgehalten]? Nguyen fragte seine
       Mitarbeiterin, die ihm die Briefe auf den Schreibtisch gelegt hatte. Doch
       die versicherte ihm, die Postfrau hätte die beiden Briefe persönlich im
       Büro abgegeben. Dieselbe Postfrau, die auch die weitere Firmenpost gebracht
       hatte.
       
       Jetzt fiel dem Mann der andere Brief ein, den er in den Papierkorb geworfen
       hatte. Er schaute auch dort auf das Datum: Der Brief war sogar noch älter,
       vom 4. September 2012. Der Poststempel enthielt kein Datum, allerdings den
       Hinweis: „Nach erfolgter Zustellung zurückgegeben“. An so eine Rückgabe
       konnte sich seine Frau allerdings nicht erinnern. Na ja, ist ja auch schon
       lange her.
       
       Die taz fragte bei der Post nach, ob vielleicht in diesen Tagen in Berlin
       [2][ein Postsack aus dem vergangenen Jahrzehnt] aufgetaucht sei.
       DHL-Sprecher Johannes Nedo bat um Fotos der Briefumschläge. Doch die halfen
       ihm auch nicht weiter. „Die Fachkolleg:innen haben nach ihrer Analyse
       für diesen äußerst seltenen Fall leider keine eindeutige Erklärung“, teilt
       Nedo mit. „Wir bedauern es sehr, dass die Briefe so lange unterwegs waren
       und möchten bei Ihrer Leserin um Entschuldigung bitten.“
       
       Entschuldigung angenommen.
       
       6 Aug 2025
       
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