# taz.de -- Propaganda im Irankrieg: Mit den eigenen Waffen geschlagen
> Mit KI-Clips im Lego-Stil erreichen iranische Botschaften ein
> Millionenpublikum. Die Machart zeigt ein tiefes Verständnis
> amerikanischer Popkultur.
(IMG) Bild: Hat sich im Netz selbstständig gemacht: überlebensgroße Lego-Figur vor dem Unternehmenssitz in Dänemark
dpa | US-Präsident Donald Trump beugt sich über die Epstein-Akten. Auf
seiner Stirn stehen Schweißperlen. Neben ihm steht Israels Regierungschef
Benjamin Netanjahu, beide als Lego-Figuren, mit starrem Lachen. Hinter
ihnen ein roter Teufel mit einem Kelch in der Hand. Kurz darauf hebt eine
Rakete mit amerikanischer Flagge ab. Die Szene soll vom Beginn des
Irankrieges erzählen.
Explosionen folgen, Städte brennen. Eine Hand drückt einen roten Knopf. In
einer Kommandozentrale stehen iranische Offiziere um eine Karte. Dann kippt
das Geschehen. Raketen und Drohnen schlagen in Städten am Golf und in
Israel ein. Die Ölpreise steigen. Amerikanische Soldaten kehren in Särgen
zurück.
## Die Videos erreichen ein Millionenpublikum
Die Botschaft dieser Videos ist eindeutig. Wer Iran angreift, wird
verlieren. Die [1][Clips verbreiten sich rasant im Netz und erreichen ein
Millionenpublikum.] Seit Wochen kursieren sie in sozialen Medien, oft
unterlegt mit eingängigen Rap-Songs. Auch regierungsnahe iranische Medien
teilen die Videos. Sie wirken spielerisch und unwirklich. Tatsächlich sind
sie Teil einer gezielten Erzählung.
„Die politischen Botschaften in den Videos sind ebenso unverblümt und
karikaturhaft wie die kantigen Lego-Figuren“, [2][schreibt das
US-amerikanische Magazin The New Yorker.] In einem Artikel rekonstruiert
das Blatt, wie ein Animationsstudio die Videos mithilfe von künstlicher
Intelligenz erstellt hat. Unter dem Namen „Explosive Media“ veröffentlichte
der Kanal auf Youtube schon vor dem Krieg politische Clips mit
antiwestlicher Stoßrichtung. Kaum jemand sah sie. Erst mit den Lego-Figuren
erreicht die Gruppe ein Massenpublikum.
Dass diese Clips so schnell ein Publikum finden, hat auch mit der Art zu
tun, wie Kriege heute erzählt werden. Konflikte lassen sich nahezu in
Echtzeit verfolgen. Auch [3][der Einsatz künstlicher Intelligenz zur
Produktion von Videos gehört längst zur psychologischen Kriegsführung].
## Studio kennt die amerikanische Popkultur
„Menschen wenden sich teilweise von einigen der realen Konfliktinhalte ab
und suchen nach etwas, das das Geschehen schnell verdichten kann“, [4][sagt
der Experte Moustafa Ayad dem US-Magazin Wired]. „Genau das leisten diese
Lego-Videos.“ Sie zeigen die iranische Perspektive und greifen zugleich die
politische Unzufriedenheit in den USA auf. Dem Magazin zufolge hat
„Explosive Media“ ein tiefes Verständnis amerikanischer Popkultur.
Verbreitet werden die Clips auch durch offizielle Kanäle, etwa von Irans
diplomatischen Vertretungen. Auch staatsnahe iranische und russische Medien
teilen sie, ebenso Influencer mit Verbindungen zu den mächtigen
Revolutionsgarden und großer Reichweite. Dennoch beteuert die in Iran
ansässige Gruppe in mehreren Interviews, nicht mit der Führung in Teheran
verbunden zu sein. Die BBC [5][will aber einen der Macher gesprochen
haben], der zugab, dass das iranische Regime ein „Kunde“ des Studios
„Explosive Media“ sei.
Experte Ayad vom britischen Institut für strategischen Dialog sieht
Hinweise für das Gegenteil. Er verweist auf den Internetzugang der Gruppe.
„Angesichts der Tatsache, dass das Regime in Iran das Internet für
praktisch alle anderen effektiv abgeschaltet hat, denke ich, dass man der
Regierung ziemlich nahestehen müsste, um Zugang zum Internet zu haben“,
sagt Ayad.
## Youtube-Sperrung ruft iranische Regierung auf den Plan
Die Verbreitung ruft auch Gegenmaßnahmen hervor. Die Gruppe verbreitet ihre
Videos vor allem über X und Telegram, seit Youtube ihren Kanal gesperrt
hat. Irans Außenamtssprecher Ismail Baghai kritisierte diesen Schritt
scharf. Er sei erfolgt, „um die Wahrheit über ihren „illegalen Krieg“ gegen
den Iran zu verschleiern und die falsche Darstellung der amerikanischen
Regierung vor jeglicher Gegenstimme zu schützen“, schrieb er auf X.
Die Lego-Videos von „Explosive Media“ gehören inzwischen zu den
bekanntesten Clips, die regierungsfreundliche Narrative aus Teheran
verbreiten. Sie sind Teil einer Entwicklung, die iranische Diplomaten und
Regierungsvertreter seit Beginn des Krieges vorantreiben.
## „Shitposting“ statt klassischer Kommunikationsstrategie
Experten ordnen die Clips in eine breitere Entwicklung ein. [6][Die New
York Times fragte kürzlich bang: ist das die Zukunft der Slopaganda] – ein
englisches Kofferwort aus dem Wort für KI-generierte Inhalte, „Slop“, und
Propaganda)? Das [7][Institut für strategischen Dialog spricht in diesem
Zusammenhang von „Shitposting“], das klassische Kommunikationsstrategien
zunehmend verdrängt. Gemeint sind provokante, absurde oder humorvolle
Inhalte, die gezielt Reaktionen auslösen sollen und Reichweite erzeugen.
Die Denkfabrik mit Sitz in London [8][schreibt in einem Bericht], dass
Beiträge iranischer Auslandsvertretungen seit Kriegsbeginn rund 900
Millionen Aufrufe und 22 Millionen Likes erzielt haben. Das entspricht
einem Anstieg um das Dreißigfache im Vergleich zu den 50 Tagen vor dem
Krieg.
Die hohen Reichweiten ließen sich nicht allein durch den Krieg erklären.
„Der Erfolg von Irans neuer Kommunikationsstrategie wirft daher Fragen über
die Zukunft diplomatischer Kommunikation selbst auf, insbesondere im
Hinblick auf autoritäre Staaten“, heißt es in der Analyse. Zwar sei es
nicht neu, dass Diplomaten soziale Medien nutzen, um gezielt zu
provozieren. Neu sei jedoch die breite Zustimmung und hohe Interaktion.
## Iran als „Underdog“
Laut der Analyse hat sich vor allem die Darstellung im Netz verschoben.
Iran erscheint dort zunehmend nicht mehr als Bösewicht, sondern als
„Underdog“ im Widerstand gegen die USA. Frühere Menschenrechtsverletzungen
treten dabei eher in den Hintergrund oder finden weniger Beachtung.
Zugleich sagen die Autoren, dass diese Entwicklung nicht allein auf Irans
Kommunikation zurückgeht. Auch die Politik der USA hat Zweifel an
etablierten Deutungen verstärkt. Teheran hat diese Dynamik aufgegriffen und
für sich genutzt. „Dieses Rebranding ist wohl Irans bislang
bemerkenswertester Erfolg in diesem Krieg.“
1 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Iranischer-AI-Spott/!6168834
(DIR) [2] https://www.newyorker.com/culture/infinite-scroll/the-team-behind-a-pro-iran-lego-themed-viral-video-campaign
(DIR) [3] /Fake-News-und-Manipulation/!6168052
(DIR) [4] https://www.wired.com/story/inside-the-pro-iran-meme-machine-trolling-trump-with-ai-lego-cartoons/
(DIR) [5] https://www.bbc.com/news/articles/cjd8jrd1vnyo
(DIR) [6] https://www.nytimes.com/interactive/2026/04/25/business/iran-trump-israel-war-memes.html
(DIR) [7] https://www.isdglobal.org/media-mentions/iran-takes-new-approach-to-war-propaganda/
(DIR) [8] https://www.isdglobal.org/digital-dispatch/irans-diplomats-launch-a-meme-war/
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