# taz.de -- Auftakt der Tischtennis-WM: Von kleinen und großen Nationen
> Table Tennis is coming home: 100 Jahre nach der ersten WM findet das
> Weltturnier wieder in London statt. Der neue Modus kommt nicht bei allen
> gut an.
(IMG) Bild: Schwer zu schlagen, aber nicht unschlagbar: Weltmeister Wang Chuqin
Maximalismus ist das Gebot der Stunde. Auch in der vergleichsweise kleinen
Sportart Tischtennis herrscht dieser Tage das Prinzip des „höher,
schneller, weiter“. Die seit Dienstag laufenden Weltmeisterschaften der
Teams zum Beispiel gehen über 13 Spieltage, nicht weniger als 64 Teams
(statt zuletzt 40) pro Geschlecht, also 128 Teams von je bis zu 5
Teilnehmenden sind am Start. Es gibt einen neuen Modus mit komplizierter
Vorrunde, bevor das Spektakel mit K.-o.-Prinzip ab dem Sechzehntelfinale
erst so richtig losgeht.
Zum Vergleich: Zur allerersten WM, die in London stattfand wie diese
Jubiläumsausgabe zum 100. Geburtstag, schickten ganze sieben Nationen
Spielerinnen und Spieler, und wäre Indien nicht dabei gewesen, wäre das gar
keine WM gewesen, sondern eine EM. China war noch gar nicht dabei, Japan
auch nicht. Das Männerendspiel 1926 – die Frauen traten lediglich im Einzel
an – gewann Ungarn, damals die dominierende Nation im Tischtennis – 5:4
gegen England.
2026 nehmen Nationen wie Usbekistan, Puerto Rico, Katar oder Neukaledonien
teil. Eines der ersten Spiele der Männer am Dienstag, dem Eröffnungstag,
lautete Madagaskar gegen Mongolei. Die Madagassen gewannen recht
überraschend mit 3:2. Die deutschen Teams steigen erst am Samstag ein; die
Herren beginnen gegen Japan, die Frauen gegen Frankreich.
Dass am Anfang gleich starke Gegner warten, ist dem neuen Modus geschuldet:
Die sieben stärksten Nationen spielen mit Gastgeber England nämlich gleich
am Anfang gegeneinander, bis sie in der ausgespielten Reihenfolge gegen die
Besten der Schwachen in der K.-o.-Phase spielen. Es könnte also sein, dass
China im Verlaufe des Turniers gleich zweimal gegen Südkorea spielen muss.
## Umstrittener Modus
[1][Gefallen hat die Änderung nicht allen]. „Ich bin sprachlos und
entsetzt“ war zum Beispiel die Äußerung des deutschen Routiniers Dima
Ovtcharov in einem Podcast des DTTB dazu. Kurz vor Turnierbeginn ist die
Kritik am Modus fast naturgemäß wieder verstummt; es soll ja eine große
Party werden in der Londoner Wembley Arena. [2][Im Jahr von „Marty
Supreme“] und dem 100. WM-Geburtstag – Tischtennis war dem Fußball
zumindest in der Hinsicht um vier Jahre voraus – soll der Boom weitergehen.
Leiden müssen die, die spielen.
Wird denn was gehen für die Deutschen? Zuletzt zeigten die Herren
aufsteigende Form; die Frauen sind inklusive Juniorinnenweltmeisterin
Annett Kaufmann und [3][der aktuellen Weltranglistenneunten Sabine Winter]
als amtierende Europameisterinnen ohnehin gut aufgestellt. Um die Medaillen
werden beide mitspielen; für mehr braucht es Glück, einen guten Turnierbaum
und einen Lauf. Vor 100 Jahren landeten die Herren übrigens auf dem letzten
Platz. Gegen Ungarn und Österreich hagelte es 0:9-Niederlagen.
Favoriten sind hier und da natürlich die Titelverteidigenden aus China.
Doch während es bei den Frauen frühstens im Finale spannend werden könnte –
die Reihenfolge der Herausforderinnen wäre ungefähr Japan, Südkorea,
Nordkorea, dann vielleicht Deutschland –, ist bei den Herren diesmal
wirklich eine Überraschung möglich.
Einzel-Weltmeister Wang Chuqin kann auch mal verlieren; dahinter sind im
Team China Lin Shidong oder Liang Jingkun eher auf dem absteigenden Ast.
Während [4][Frankreich mit den Lebruns], aber auch Schweden und Deutschland
gefährlich sein können. Der taz-Tipp: Japan. Sora Matsushima und Toma
Harimoto werden on fire sein.
Und Ungarn, bei Frauen und Männern jeweils mit 3:0-Siegen gestartet, wird
am Ende keine Rolle spielen.
29 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.tischtennis.de/news/kritik-am-neuen-wm-format-dttb-sucht-dialog-mit-weltverband.html
(DIR) [2] /Juedische-Sportler/!6156997
(DIR) [3] /Tischtennisspielerin-Sabine-Winter/!6168819
(DIR) [4] /Tischtennis-EM-in-Linz/!6041356
## AUTOREN
(DIR) René Hamann
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