# taz.de -- Lena Dunhams Memoir „Famesick“: Über den Hass erzählen
> Lena Dunham möchte vieles sein und wird doch immer festgelegt und für
> vermeintliche Eindeutigkeiten gehasst. Ist sie eine schlechte Feministin?
(IMG) Bild: Eine ambivalente Feministin: Lena Dunham bei der Vorstellung ihres Buches „Famesick“ am 12. April in Philadelphia
Es gibt Namen, die sofort eine starke Reaktion hervorrufen, wenn man sie in
der Öffentlichkeit ausspricht. Lena Dunham ist so einer.
Der Name der Autorin und Serienmacherin wurde zum Synonym der schlechten
Feministin oder nervigen Oversharerin. Doch es sind nicht nur die anderen,
die den Namen Lena Dunham mit negativen Gefühlen verbinden, auch sie selbst
tut es. In ihren kürzlich erschienen Memoiren schreibt sie: „(Mein Name)
wurde zum Zeichen von Exzellenz, dann zum Symbol für eine gewisse
Absurdität der Millennials und – schließlich – zu einer Pointe, die sich
eher wie eine Beleidigung anfühlte.“
Gründe, weswegen Lena Dunham gehasst wird, gibt es viele. Die Vorwürfe: Sie
zeige zu viel von ihrem dicken Körper im Fernsehen. Sie sei eine
Heuchlerin, weil sie abnimmt. [1][Ihre Serie „Girls“] sei zu weiß. Es sei
Tokenism, dass sie dem Schwarzen Schauspieler Donald Glover in der zweiten
Staffel die Gastrolle eines republikanischen Love Interest gegeben hat.
Ihre Kommentare seien unsensibel, wie der, dass sie sich wünscht, sie hätte
selbst mal eine Abtreibung gehabt. Sie habe als Kind ihren Bruder sexuell
belästigt, weil sie ihn an seinen Genitalien berührt habe. Sie sei ein
Nepo-Baby. Sie sei „white feminist“ und „hipster racist“.
## Eine unwahrscheinlich erfolgreiche Frau
Die Liste ihrer (scheinbaren) Fehltritte lässt sich beliebig verlängern,
denn Lena Dunham provoziert gerne und entschuldigt sich viel. Nur aus den
Fehlern zu lernen, scheint sie nur bedingt. Ihre Person lässt sich gut über
den Hass, der ihr entgegenschlägt, erzählen. Es wurde unzählige Male getan,
[2][erst kürzlich betitelte die New York Times ihr Interview mit:] „Lena
Dunham versucht immer noch herauszufinden, warum die Menschen sie so sehr
hassen.“ Doch der Hass ist nur eine Seite ihrer Geschichte, die andere ist
die einer unwahrscheinlich erfolgreichen Frau.
Sie ist gerade mal 23 Jahre alt, als sie mit dem selbst gedrehten Kurzfilm
„Tiny Furniture“ einen Preis beim South-By-Southwest-Festival gewinnt. Kurz
darauf verkauft sie ihre erste Fernsehserie an HBO, zwei Jahre später wird
„Girls“ ausgestrahlt und gilt fortan als ein feministischeres und
realistischeres „Sex and the City“.
Die Comedyserie läuft über sechs Staffeln und wird mit Emmys und Golden
Globes prämiert. Alles geschrieben, produziert, Regie geführt und
verkörpert von Lena Dunham. Angelehnt an einen Witz aus der ersten Episode
der Serie wird Dunham schnell als „Stimme ihrer Generation“ gefeiert. Und
ihr Erfolg reicht weit über eine Generation hinaus. [3][Gerade unter der
Gen Z feiert „Girls“ gerade ein großes Revival.]
In ihren Zwanzigern führt Dunham ein erfolgreiches Leben zwischen New York
und Los Angeles. Sie verkehrt mit Prominenten wie Judd Apatow, Nora Ephron
oder Greta Gerwig und kann künstlerisch umsetzen, was sie möchte. Darunter
ein erstes Memoir und ein feministischer Newsletter.
## Was „Famesick“ erzählt
Doch auch diese Erfolgsgeschichte erzählt nur einen Teil der Wahrheit. Was
von außen für viele nach einem Leben aussieht, dass sie selbst gerne in
ihren Zwanzigern geführt hätten, beschreibt Lena Dunham als schlimmste Zeit
ihres Lebens.
In ihrer neuen Autobiografie „Famesick“ erzählt sie von der Zeit des
Berühtmtwerdens, von dem Hass, der ihr entgegenschlägt, von verpassten
Familienmomenten und dem Verlust zweier wichtiger Beziehungen – zu ihrem
Exfreund Jack Antonoff und ihrer Geschäftspartnerin und ehemals besten
Freundin Jenni Konner.
Die Klatschmedien in den USA sind in den Tagen rund um die Veröffentlichung
voll von Enthüllungen und Mutmaßungen. Buzzfeed, Variety oder auch People
rätseln darüber, mit welchem Popstar Jack Antonoff kuschelte (war es
wirklich Lorde?), skandalisieren, wie Adam Driver am Set von „Girls“ seinen
Aggressionen freien Lauf ließ und Möbelstücke zerschmetterte oder verkaufen
es als „shocking revelation“, dass Dunham kurz vor der Trennung ihren
Partner betrogen hat.
Und ja, all das kommt in den Memoiren vor. Doch eigentlich dreht sich die
Geschichte um etwas anderes. Sie erzählt von Krankheit und Schmerz. Lena
Dunham ist an Endometriose und dem Ehlers-Danlos-Syndrom erkrankt. Eine
äußerst schmerzhafte Krankheit, die oft zu Angststörungen führt. Auch bei
Dunham, sie nimmt Klonopin dagegen – und wird abhängig. „Ich habe die
meiste Zeit der letzten zehn Jahren krank verbracht. Manchmal im
Krankenhausbett, öfter in meinem Bett, aber am häufigsten bei der Arbeit
oder beim Dinner, wo ich so tat, als würde ich meine Schmerzen nicht
spüren.“
## Kirschgroße Blutklumpen
Dieses Alles-wollen und Alles-möglich-machen ist es, was Lena Dunham am
Ende zu Boden schlägt. Selbst als sie wegen ihres Tablettenkonsums in einer
Entzugsklinik ist, nimmt sie an der Met Gala teil. Sie beschreibt, wie sie
nach einer Nacht im Fiebertraum ihr Abendkleid vor ihrer Tür in der Klinik
liegenlassen musste, damit es nach Schmuggelware untersucht werden konnte.
In „Famesick“ gibt Dunham nicht nur intime Einblicke in ihre Krankheits-
und Krankenhausgeschichten zwischen kirschgroßen Blutklumpen, die aus ihr
rausfließen und Sex im Krankenbett – sie liefert auch Kontext zu einigen
ihrer Fehltritte.
Kurz nach dem Finale von „Girls“ – die #MeToo-Bewegung war gerade
aufgekommen –, wurde Murray Miller, ein Autor der Serie, des sexuellen
Missbrauchs beschuldigt. [4][Dunham und Konner verteidigten ihn.] Sie
schrieben, dass sie eigentlich immer Frauen glaubten, doch hier müsse es
sich um eine Falschbeschuldigung handeln. Im Buch erklärt Dunham, dass sie
zu dem Zeitpunkt, es war einige Tage nach ihrer Gebärmutteroperation –
vollkommen sediert war und nicht wusste, was sie tat.
Solche Hintergrundgeschichte lassen die Leser_innen vielleicht besser
verstehen, wieso Dunham wie gehandelt hat. Das Memoire liest sich trotz
allem nicht wie der Versuch, sich reinzuwaschen. Doch es ist eine Chance,
die Person Lena Dunham besser kennenzulernen und gleichzeitig etwas über
die feministische Internetkultur zu lernen. Denn nicht nur für sie kam es
überraschend, dass der größte Hass ihr nicht von irgendwelchen Männern,
sondern von ihren eigenen Leuten entgegenschlug.
Aus einer diskriminierungssensiblen Perspektive sind viele Kritikpunkte an
Dunham berechtigt. Doch die Kritik offenbart auch eine Verhaltensweise, das
sich im Netz entwickelt hat. Als sei es moralisch in Ordnung, jeden
Gedanken, den wir über irgendeine Person haben, ungefiltert zu
veröffentlichen. Vor allem dann, wenn sie selbst viel über sich preisgeben.
Gleichzeitig offenbart es den Anspruch an Personen des öffentlichen Lebens,
dass sie eindeutig sein müssen. Eindeutig gut oder eindeutig böse.
Ambivalenzen scheinen in schnelllebigen Social-Media-Zeiten überfordernd.
In den letzten Jahren hat Dunham sich etwas zurückgezogen. Lebt seit nun 8
Jahren clean mit ihrem Ehemann in Großbritannien, übernimmt aus Schutz vor
dem Hass [5][keine Hauptrollen mehr in ihren Serien] und teilt weniger aus
ihrem Leben im Netz.
Am Anspruch an sie hat es trotzdem nichts geändert. Zur Veröffentlichung
von „Famesick“ hat [6][die Chefredaktion, ein junges Onlinemedium aus
Österreich, ein Reel auf Instagram gepostet]. In dem Video fragen sie: Ist
Dunham ein Vorbild oder ein Prototyp des weißen Feminismus? Dabei ist
dieses Entweder-oder-Denken das Problem. Denn sie kann beides sein. Eine
Feministin, die Pionierarbeit im kulturellen Bereich leistet und eine
Feministin, die Fehler macht. Mindestens das hat ihr Memoire „Famesick“
gezeigt.
30 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Neue-TV-Serie-Girls/!5081637
(DIR) [2] https://www.nytimes.com/2026/04/11/magazine/lena-dunham-interview.html
(DIR) [3] /TikTok-Trend-zur-Serie-Girls/!5921369
(DIR) [4] /Lena-Dunham-entschuldigt-sich/!5465493
(DIR) [5] /Netflix-Serie-Too-Much-von-Lena-Dunham-Klischees-statt-Witz-und-Romantik/!6096125
(DIR) [6] https://www.instagram.com/reel/DXOMbiZIho2/?utm_source=ig_web_copy_link&igsh=MzRlODBiNWFlZA==
## AUTOREN
(DIR) Carolina Schwarz
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