# taz.de -- Rentenpläne von Merz: Profite oder Ethik
> Der Kanzler relativiert seine Renten-Äußerungen, will aber weiter eine
> Kapitalrente. Seine Pläne würden viele Menschen in ein Dilemma stürzen.
(IMG) Bild: Merz' Äußerungen sind manchmal ungeschickt und manchmal einfach daneben
Friedrich Merz hat am Wochenende das getan, was er häufiger machen muss:
Nämlich eine Empörung eindämmen, die er kurz zuvor selbst durch
missverständliche Äußerungen ausgelöst hat. Beim CDU-Arbeitnehmerflügel
beteuerte der Kanzler, dass es zu keinen Rentenkürzungen kommen wird. Das
hatte er ein paar Tage zuvor auch nicht explizit behauptet. Aber er
schrumpfte bei seinem Auftritt ausgerechnet beim Bankenverband die
gesetzliche Rente rhetorisch zu einem irgendwie lästigen Anachronismus,
[1][der „allenfalls“ nur noch die Basisabsicherung für das Alter leisten
könne].
An seiner Agenda, die private, kapitalgedeckte Altersvorsorge massiv
auszubauen, hält Merz fest. Sie soll wohl auch verpflichtend für alle
werden, wenn man ihn richtig versteht. Das kann man als CDU-Kanzler und
ehemaliger Manager des Finanzinvestors Blackrock natürlich fordern. Aber
dann sollen er und die anderen Kapitalmarkt-Fans auch die Schattenseiten
einer privaten Rente benennen: Aktienkurse können einbrechen, Dividenden
auf null gesetzt werden.
Merz stürzt viele Menschen zudem in ein Dilemma: Als Kleininvestoren müssen
künftige Rentiers [2][auf möglichst hohe Mieten und damit Gewinne beim
Wohnungskonzern Vonovia], möglichst viele Aufträge des Rüstungsunternehmens
Rheinmetall und möglichst hohe Preise von neuen Medikamenten aus dem Hause
Bayer hoffen, um nur drei Beispiele aus dem DAX zu nennen (große Fonds
investieren immer in DAX-Unternehmen). Aber gleichzeitig lehnen viele
solche Geschäftsmodelle aus ethischen Gründen ab – oder weil ihnen hohe
Mieten und teure Medikamente gerade im Alter selbst schaden würden. Merz
will die Leute zwingen, Teil des Aktienmarktkapitalismus zu werden, auch
wenn sie ihn ablehnen.
Es fehlt eine ehrliche, tiefere Debatte über das Für und Wider einer
Kapitalrente. Versicherungen, 23-jährige Börsenfans auf Social Media,
BörsenjournalistInnen mit Tunnelblick und Friedrich Merz haben bislang ein
Monopol auf dieses Thema, und das ist nicht gut.
27 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Gunnar Hinck
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