# taz.de -- Ein Baustellenkoordinator für Berlin: Damit es endlich fluppt
> Der Senat will das Großärgernis Baustellen mit einem Ehrenamtler von
> außen angehen – und BVG-Busse zur Überprüfung im Vorbeifahren einsetzen.
(IMG) Bild: Ex-U-Bahntunnelbohrer Jörg Seegers soll als ehrenamtlicher Koordinator Berlins Baustellen-Problem lösen
Jenseits der 60, bodenständig, kein Schwätzer, fachlich hoch anerkannt und
nun ehrenamtlich für Großthema zuständig – hatte das Berlin nicht jüngst
erst? Dass der fast 64-jährige Jörg Seegers, unter anderem
[1][erfolgreicher Tunnelbohrer bei der U-Bahnlinie 5], nun das
Baustellenproblem Berlins lösen soll, erinnert an die Verpflichtung von
Exfeuerwehrchef Albrecht Broemme. Der organisierte erst in der Pandemie
2020 die Notfall-Coronaklinik, dann die Impfzentren und [2][schließlich bis
2025 die Flüchtlingsunterbringung].
Insofern könnte Seegers, der am Dienstag im Roten Rathaus vor Journalisten
saß, noch vor einigen Aufgaben stehen, auch wenn sein jetziges Engagement
vorerst bis Jahresende befristet sein soll. Der schwarz-rote Senat hatte
zuvor quasi begleitende Maßnahmen für seine Arbeit beschlossen. [3][Laut
Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU)] soll es darum gehen, Baustellen besser
zu kontrollieren, teilweise auch digital. Regierungschef Kai Wegner (CDU)
hatte schon im vergangenen Jahr angekündigt, einen Baustellenkoordinator
einzusetzen.
Bonde präsentierte zudem ein System, das zwar pragmatisch, aber angesichts
Berliner Schwierigkeiten mit weit weniger komplexen Sachverhalten wie
Raketenwissenschaft wirkt: Busse der BVG sollen mit Kameras im Vorbeifahren
Baustellen und ihren Zustand erfassen. Diese Daten sollen dann in eine
Datenbank der Verkehrsverwaltung einfließen. Dort würde abgeglichen, ob die
jeweilige Baustelle mit allen nötigen Hinweis- und Warnschildern auch so
aussieht, wie sie genehmigt ist. Ob das alles mit der Sichtweise der
Datenschutzbeauftragten einhergeht, ist noch offen.
Der neue Baustellenkoordinator – er selbst sprach am Dienstag von
„Baustellen-Manager“ – sieht wie Bonde schon in besserer Kommunikation mit
Anwohnern und Straßennutzern einen wesentlichen Schritt, um Ärger nicht
überborden zu lassen. „Da kann man ganz viel Sprengstoff rausnehmen“, sagte
Seegers. Simple Schilder in DIN A2 oder DIN A3 am Bauzaun sollen möglichst
an jeder Baustelle aufklären, wie lange die Sperrung dauert. Er sei derzeit
viel in der Bauwirtschaft unterwegs, um dafür zu werben, dass das auch ohne
gesetzliche Vorgabe gilt.
## Bußgelder bisher zu niedrig, um Wirkung zu zeigen
Was viele noch mehr nervt, beschrieb Seegers so: „Baustellen, bei denen
nichts passiert, sind ein Riesenärgernis.“ Damit ein Bauzaun nicht länger
eine Straße lange vor Beginn versperrt, setzen Bonde und Seegers auf höhere
Bußgelder und die Möglichkeit, in so einem Fall den Abbau der Baustelle zu
erwirken. Bislang aber ist die Lage noch anders. Die bisherigen Bußen
bewegen sich laut Seegers „im Hunderter-Bereich“ – das sei natürlich
nichts, was eine Baufirma stören würde. Ohne Konsequenzen sei das Ganze
aber ein zahnloser Tiger, bestätigte er der taz.
Auf die Frage, warum es angesichts einer vielköpfigen, fest angestellten
und bezahlten Mitarbeiterschar in der Senatsverkehrsverwaltung einen
Ehrenamtlichen braucht, um das Baustellen-Problem zu lösen, sprach Bonde
von „unglaublicher Erfahrung und Reputation“ von Seegers. „Die Kollegen in
der Senatsverwaltung sind wirklich wahnsinnig erfahren“, sagte sie, aber
Seegers Fähigkeiten seien, gebündelt, selten zu finden.
22 Apr 2026
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