# taz.de -- Abgesagte Klimastrategie: Revolte der Aktionär*innen bei Ölkonzern BP
       
       > Glänzende Geschäfte durch den Irankrieg, dennoch unzufriedene
       > Anteilseigner*innen wegen der Klimakrise: BP erwartet eine turbulente
       > Hauptversammlung.
       
 (IMG) Bild: BP-Tankstelle in Schweden 1957: Statt auf erneuerbare Energien will der Ölkonzern wieder mehr auf fossile Brennstoffe setzen
       
       Die Geschäfte laufen wegen der durch den [1][Irankrieg] verursachten
       Ölkrise bestens. Dennoch wird die Hauptversammlung des britischen Ölriesen
       BP an diesem Donnerstag für die neue Vorstandschefin Meg O’Neill und
       Verwaltungsratschef Albert Manifold turbulent. Ihm droht sogar, nicht von
       den Anteilseigner*innen im Amt bestätigt zu werden. Das empfehlen
       jedenfalls die mächtigen Stimmrechtsberater von Glass Lewis und ISS.
       
       Stimmrechtsberater geben Anteilseigner*innen Empfehlungen für ihr
       Verhalten auf Aktionär*innenversammlungen – und haben deshalb
       großen Einfluss auf die Investor*innen. Ihnen sind die BP-Bosse
       verpflichtet. Der Führung des mit einem Börsenwert von 100 Milliarden
       US-Dollar zehntgrößten Ölkonzerns weltweit droht Ungemach.
       
       Ursache der Aktionärsrevolte ist der BP-Strategieschwenk im vergangenen
       Jahr. Nachdem der Konzern wegen seines niedrigen Börsenkurses fast vom
       Widersacher Shell übernommen worden war, beschloss BP, das Geschäft mit
       erneuerbaren Energien abzubauen und wieder mehr auf fossile Brennstoffe zu
       setzen. Statt 8,5 sollten künftig jährlich 10 Milliarden US-Dollar in das
       klimaschädliche Öl- und Gasgeschäft fließen.
       
       2020 hatte BP noch angekündigt, sich peu à peu zum Erneuerbaren-Konzern zu
       verwandeln. Bis 2030 sollte die Öl- und Gasproduktion um 40 Prozent gesenkt
       und gleichzeitig die Kapazitäten der Erneuerbaren ausgebaut werden. In der
       neuen Strategie bezeichnete BP den Glauben an eine rasche Energiewende als
       „unangebracht“, die Windenergiesparte wurde abgestoßen, ein Partner für das
       Solarstromgeschäft wird gesucht. Darüber hinaus cancelte BP mehrere
       Wasserstoffprojekte.
       
       Und tatsächlich: Der Börsenkurs des Konzerns legte seitdem um 70 Prozent
       zu, nicht zuletzt wegen des Irankonflikts. Hier hat BP sogar Vorteile
       gegenüber der „Big Oil“-Konkurrenz: Die Briten sind kaum von der Krise
       betroffen, nur wenig BP-Brennstoff muss die Straße von Hormus passieren.
       
       ## Auch schon Exxon in die Bredouille gebracht
       
       Doch die niederländische Aktionärsgruppe Follow This reichte im Januar
       zusammen mit 16 weiteren institutionellen Investoren einen [2][Antrag für
       das BP-Treffen] ein. Inhalt: Das Unternehmen solle eine langfristige
       Strategie zur Schaffung von „Shareholder-Value“ entwickeln, wenn Öl- und
       Gasnachfrage weltweit sinken sollten.
       
       BP schaltete auf stur. Der Antrag von Follow This soll am Donnerstag nicht
       zur Abstimmung zuzulassen werden. Er sei „ungültig und bei einer ‌Annahme
       wirkungslos“, hieß es. Dabei erfüllt er formaljuristisch laut Beobachtern
       die Anforderungen. Außerdem: Follow This ist nicht irgendeine
       Aktionärsvereinigung. Dahinter stecken sogenannte aktivistische Aktionäre,
       die sich bei Unternehmen mit wenigen Anteilsscheinen einkaufen, um viel
       Einfluss auszuüben.
       
       Follow This brachte so auch schon das US-Unternehmen Exxon [3][in die
       Bredouille]. Der größte Ölkonzern der Welt verabschiedete am Ende zwar
       keine Ökostrategie, aber es gab jede Menge Schlagzeilen für den Aufstand
       beim Aktionärstreffen. Auch in Deutschland machen [4][kritische
       Anteilseigner*innen Furore], so mit Protestaufrufen gegen RWE oder
       Torten gegen VW-Bosse bei der Hauptversammlung.
       
       Ärger gibt es auch in diesem Fall. Die Missachtung der
       Aktionär*innenwünsche durch BP brachte nämlich die Stimmrechtsberater
       auf den Plan. Die Entscheidung werfe „weitere Fragen zur Transparenz, zur
       Kommunikation mit den Aktionären und zur Reaktion ⁠auf deren Anliegen auf“,
       erklärte Glass Lewis. Auch ISS empfahl, gegen den BP-Vorstand zu ‌stimmen.
       
       Der Vermögensverwalter Candriam kündigte sogar an, er werde gegen alle zur
       Abstimmung stehenden BP-Chef*innen votieren, weil das Unternehmen keine
       Fortschritte bei der Bewältigung der „wesentlichen langfristigen
       Übergangsrisiken“ erzielt habe.
       
       ## Aktivist*innen feiern die Unruhe
       
       Ob die BP-Chefs wirklich beim Aktionär*innentreffen abgestraft
       werden, ist fraglich. Schließlich vertreten die Beratungsfirmen und
       Anteilseigner*innen, die sich bis jetzt zu Wort gemeldet haben, nur wenige
       Prozent der stimmberechtigten Aktionär*innen. Aber viele Investor*innen
       äußern sich nicht, so der Vermögensverwalter Blackrock, der mit 9 Prozent
       den größten BP-Anteil hält.
       
       Die Aktivist*innen von Follow This feiern dennoch jetzt schon die
       Unruhe, die sie verursacht haben: Die vorliegenden Anträge „sollen den
       Druck der Aktionäre erhöhen und die Aufmerksamkeit auf die finanzielle
       Unhaltbarkeit fossiler Geschäftsmodelle richten“, sagt NGO-Gründer Mark van
       Baal. „Wenn die rückläufige Öl- und Gasnachfrage den Shareholder-Value
       mindert, müssen die Vorstände transparent sein, ob sie einen Übergang
       planen oder eine geordnete Abwicklung bewältigen wollen.“
       
       Als im Jahr 2020 wegen des Ausbruchs der Coronapandemie die Ölnachfrage
       sank, senkten BP und Shell laut Follow This ihre Dividenden um 50
       respektive 66 Prozent.
       
       23 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Schwerpunkt-Iran-Krieg/!t5613610
 (DIR) [2] https://follow-this.org/new-shareholder-resolutions-at-shell-and-bp-focus-on-financial-risks-of-declining-oil-and-gas-demand-x/
 (DIR) [3] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/exxon-mobil-investoren-klimaschutz-1.7261417
 (DIR) [4] /Kritischer-Aktionaer-ueber-Aktivismus/!5935742
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kai Schöneberg
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Kritische Aktionäre
 (DIR) BP
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Ölindustrie
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Klimawandel in Europa: Spitze bei der Hitze
       
       Europa erhitzt sich schneller als jeder andere Kontinent. 2025 litten
       darunter besonders Skandinavien, die Wälder Spaniens – und Seegraswiesen.
       
 (DIR) Energiekonzern verdoppelt Gewinne: Ölkrise lohnt sich für BP
       
       Dank des Irankriegs haben fossile Konzerne ihre Profite enorm gesteigert.
       „Obszön“ finden das Klimaschützer – und fordern neue Strategien.
       
 (DIR) Aufstand der Aktionäre bei Ölkonzern: Klatsche für BP-Management
       
       Aktionäre des Ölkonzerns haben Anträge abgelehnt, die Klimaberichte
       abschaffen sollten. BP-Aufsichtsratchef Manifold wurde mit einem schlechten
       Wahlergebnis abgestraft.
       
 (DIR) Aktivistischer Investor: Mini-Aktionäre bei RWE scheitern
       
       Kleiner Investor, viel Krawall: Enkraft Capital will RWE grüner machen,
       setzt sich aber nicht durch. Der Konzern darf sein Kohlegeschäft behalten.
       
 (DIR) Mini-Investor greift Kohlekonzern an: Nun hat es RWE erwischt
       
       Der Kohlekonzern stößt so viel CO2 aus wie keine andere Firma in Europa.
       Ein Investor stört sich jetzt daran – und greift den Vorstandschef massiv
       an.
       
 (DIR) Klimaziele, aber Öl und Gas verkaufen: Big Oil setzt nicht auf grün
       
       Investoren, Regierungen und Gerichte drängen die Ölmultis stärker Richtung
       Umweltschutz. Aber viele wetten lieber auf ein Scheitern der Klimapolitik.