# taz.de -- Perfider Erpressungsversuch: Rattengift in Babynahrung
> Unter anderem in Österreich wurden manipulierte Hipp-Produkte aus dem
> Verkehr gezogen. Hinter der Aktion stecken mutmaßlich kriminelle
> Erpresser.
(IMG) Bild: Positiv auf Rattengift getestet: Hipp Babynahrung in Österreich
Ein perfider Erpressungsversuch beschäftigt derzeit Österreich: Mehrere
Babynahrungsgläser des Herstellers Hipp wurden gezielt mit Rattengift
versetzt. Nicht nur in Österreich, auch in Ungarn, Tschechien und der
Slowakei könnten die betroffenen Gläser verkauft worden sein. Mittlerweile
wurden sie aus dem Handel genommen.
Konkret handelt es sich um das Produkt „Gemüsegläschen Karotte mit
Kartoffel“ in der 190-Gramm-Variante. Ausgangspunkt ist eine Spar-Filiale
im ostösterreichischen Burgenland, wo am Samstag ein vergiftetes Glas
Babynahrung sichergestellt wurde. Die Landespolizeidirektion Burgenland
bestätigte: Tests am sichergestellten Glas verliefen positiv auf
Rattengift. Insgesamt könnten bis zu zwölf verkaufte Gläser betroffen sein.
Hinter der Aktion steckt mutmaßlich ein [1][kriminelles Erpressungsschema].
Laut einem Bericht der österreichischen Zeitung Die Presse soll bereits am
27. März eine E-Mail bei Hipp in Deutschland eingegangen sein, in der 2
Millionen Euro bis zum 2. April gefordert wurden. Gleichzeitig drohte der
oder die Unbekannte, vergiftete Produkte in Filialen in Tschechien, der
Slowakei und im Burgenland zu platzieren. Der Hersteller soll das Schreiben
jedoch erst am 16. April gelesen haben, zwei Wochen nach Ablauf des
genannten Ultimatums.
## Hipp hält sich bedeckt
Unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe zeigte sich die Firma wenig
auskunftsfreudig: Die deutsche Pressestelle war telefonisch nicht
erreichbar, Medienanfragen blieben unbeantwortet. Der Hipp-Elternservice
war zudem nach Bekanntwerden der Angelegenheit nicht erreichbar, wie der
Standard berichtete. Hipp-Sprecher Clemens Preysing sprach später von einem
„externen kriminellen Eingriff“, ohne weitere Details zu nennen. Eine
Anfrage der taz zu offenen Fragen ließ das Unternehmen unbeantwortet.
Die Ermittlungen haben mittlerweile internationale Dimensionen angenommen.
In Tschechien und der Slowakei wurden betroffene Gläser polizeilich
sichergestellt, auch die ungarischen Behörden sind informiert. Die
Staatsanwaltschaft Eisenstadt leitete ein Verfahren wegen vorsätzlicher
Gemeingefährdung ein. Über die konkrete Menge des enthaltenen Gifts ist
bislang nichts bekannt. Die Ergebnisse der toxikologischen Untersuchung
werden gegen Ende der Woche erwartet.
Österreichs Gesundheitsministerin Korinna Schumann mahnte zur Vorsicht und
wies darauf hin, dass nicht nur Kinder diese Gläser nutzen. Als
Vorsichtsmaßnahme wurden Krankenhäuser, Pflege- und Betreuungseinrichtungen
sowie Kinderbetreuungsstätten im Burgenland informiert.
In Deutschland haben unterdessen mehrere Handelsketten reagiert: Sowohl dm
als auch Rewe haben Hipp-Glasprodukte vorsorglich aus dem Verkauf genommen.
Bisher gibt es jedoch keine konkreten Verdachtsmomente in deutschen
Märkten. Wer ein verdächtiges Glas entdeckt, sollte es keinesfalls öffnen
oder verwenden, heißt es von den Behörden in Österreich. Betroffene Gläser
sind an einem weißen Aufkleber mit rotem Kreis am Boden erkennbar; zudem
fehlt beim Öffnen das typische Knackgeräusch.
21 Apr 2026
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(DIR) Florian Bayer
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