# taz.de -- Die Wahrheit: Lidls Billig-Pub
       
       > Demnächst eröffnet der deutsche Discounter eine Kneipe in Nordirland,
       > denn bislang hatte er dort keine Lizenz zum Verkauf von Alkohol.
       
       Die Nordiren lieben Alkohol und Schnäppchen. Es ist jedoch recht selten,
       das beides zusammenkommt. Dank Lidl ist es aber bald soweit. Der deutsche
       Billigladen wird im Sommer in Dundonald östlich der nordirischen Hauptstadt
       Belfast sein erstes Wirtshaus eröffnen.
       
       Es soll aber nicht der Beginn einer Diversifizierung sein, sondern eine
       Ausnahme bleiben. Grund sind die drakonischen Schanklizenzgesetze in
       Nordirland. So dürfen Pubs zum Beispiel erst seit 2018 am Karfreitag
       öffnen. Da war Ian Paisley schon vier Jahre tot und rotierte vermutlich in
       seinem Grab.
       
       Der streitbare Presbyterianer-Pfarrer und frühere Regierungschef
       Nordirlands hatte einen Wutanfall bekommen, als die Regierung Ende der
       siebziger Jahre den Wirten gestattete, ihre Kneipen auch am Sonntag zu
       öffnen. Damals entfielen rund 90 Prozent des Bierabsatzes in Großbritannien
       und Nordirland auf Pubs. Dieser Anteil ist stetig zugunsten von
       Supermarktbier zurückgegangen, insbesondere seit der Pandemie, als
       Supermärkte zeitweise 100 Prozent des Absatzes ausmachten.
       
       Paisley stellte sich nach Aufhebung des sonntäglichen Öffnungsverbots
       monatelang jeden Sonntag mit einem Plakat vor eine Kneipe und drohte den
       gottlosen Trinkern mit Höllenqualen. Gott habe am Sonntag schließlich
       geruht, wetterte Paisley, und nicht getrunken. Demnach hat er an den
       anderen Tagen getrunken? Das erklärt einiges.
       
       ## Lizenz erkauft
       
       In Nordirland kommt aber auch Gott nicht an den Schanklizenzgesetzen
       vorbei. Es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Lizenzen, und Unternehmen
       können sie nicht – wie in anderen Teilen des Vereinigten Königreichs –
       einfach beantragen, sondern müssen sie einem anderen Unternehmen abkaufen.
       
       Das hat Lidl zwar getan, ist aber am „Mangel-Test“ gescheitert, weil man
       nicht nachweisen konnte, dass es in der Gegend zu wenige Schnapsläden gibt.
       Trotz der Lizenz darf Lidl in Dundonald deshalb keinen Alkohol verkaufen.
       Die Lösung? Ein Wirtshaus bauen. In Nordirland ist mit einer Pub-Lizenz
       automatisch das Recht verbunden, Alkohol auch außer Haus zu verkaufen. Lidl
       gelang es tatsächlich, den „Mangel-Test“ für einen Pub zu bestehen, weil
       zwei Wirtshäuser in der Nachbarschaft dichtgemacht hatten.
       
       Doch es gab zunächst eine weitere Hürde. Konkurrierende Supermärkte
       behaupteten, Lidls Pub-Pläne nutzen eine „rechtswidrige Lücke“ aus, um
       einen Schnapsladen zu betreiben. Sie zogen vor Gericht, aber die Klage
       wurde abgewiesen.
       
       So kann Lidl mit seiner Discounter-Kneipe zur irischen Vereinigung
       beitragen. Die Zahl der Todesfälle in Nordirland, die auf Alkoholkonsum
       zurückzuführen sind, ist innerhalb von zehn Jahren um 81 Prozent gestiegen.
       Dundonald ist eine Hochburg des Unionismus, der Ort ist bekannt für seine
       britische kulturelle Identität. Wenn Lidl auch in anderen unionistischen
       Hochburgen Billig-Pubs baut, gäbe es bald keine Unionisten mehr.
       
       20 Apr 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ralf Sotscheck
       
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