# taz.de -- Nach Entlassung des Staatssekretärs: Hessens SPD-Wirtschaftsminister unter Druck
> Nach Vorwürfen sexueller Belästigung gegen einen Staatssekretär wächst
> die Kritik an Hessens SPD-Wirtschaftsminister Mansoori. Der weicht Fragen
> aus.
(IMG) Bild: Staatssekretär Umut Sönmez musste Anfang der Woche seinen Posten räumen
Am Donnerstag musste sich der hessische SPD-Wirtschaftsminister und
stellvertretende Ministerpräsident Kaweh Mansoori den Fragen der Opposition
im Wirtschaftsausschuss stellen. Anders als üblich musste er das jedoch
nicht öffentlich tun – dafür hatten CDU und SPD mit ihren Stimmen gesorgt.
Anlass für die Befragung war, dass Mansoori am Montag seinen engen
Vertrauten und Staatssekretär Umut Sönmez entlassen hatte.
Einen Grund nannte er dafür nicht. Doch Sönmez soll auf einer
Fastnachtsparty im Ministerium im Februar 2026 eine Mitarbeiterin sexuell
belästigt haben, indem er sie wiederholt anfasste und ihr an den Po griff.
Die Frau beschwerte sich laut HR offiziell und meldete sich über eine
längere Zeit krank. Außerdem erstattete sie Strafanzeige bei der Polizei.
Mittlerweile hat die Wiesbadener Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen
sexueller Belästigung eingeleitet, wie sie gegenüber der taz bestätigte. Es
folgten interne Ermittlungen und, wie die FAZ berichtete, Druck von
[1][Ministerpräsident Boris Rhein (CDU), der in Hessen mit der SPD
regiert].
Mansoori entließ Sönmez am Montag, allerdings ohne Gründe zu nennen. Sönmez
weist die Vorwürfe der sexuellen Belästigung in einer Stellungnahme zurück
und spricht von einer vorverurteilenden Berichterstattung. Mansoori selbst
sagte am Montag, er nehme die Vorwürfe „sehr ernst“ und kündigte eine
„gründliche, aber zügige“ Prüfung an.
## Reaktionen der Opposition und die Frage des zeitlichen Ablaufs
Die Opposition im Landtag aus Grünen, FDP und AfD fordert derweil
Aufklärung. „Es muss ohne Rücksicht auf Parteifreunde oder irgendeine Wahl
aufgeklärt werden“, sagte die Grünen-Landtagsabgeordnete Kaya Kinkel im
Gespräch mit der taz. Ihre Fraktion hatte für den Wirtschaftsausschuss
einen Fragenkatalog mit 16 Fragen vorbereitet.
Dass Mansoori diese nun nicht öffentlich beantwortet, ärgert Kinkel. „Wir
sind irritiert über das Verhalten der Koalitionsfraktionen“, erklärte sie
in einer Pressemitteilung am Donnerstagnachmittag. Insbesondere der
zeitliche Ablauf sei wichtig: Wann hat das Wirtschaftsministerium die
Staatskanzlei über die Vorwürfe informiert? So lagen beispielsweise die
Kommunalwahlen in Hessen zwischen dem vermeintlichen Übergriff im Februar
und der Recherche des HR im April.
„Zudem blieben wesentliche Fragen zur Aufarbeitung der Vorwürfe gegen den
SPD-Staatssekretär in Mansooris Haus unbeantwortet, unter anderem zur Rolle
von Ministerpräsident Boris Rhein“, so Kinkel. Auch die Staatskanzlei von
CDU-Ministerpräsident Boris Rhein soll erst kurz vor Ostern von den
Vorwürfen erfahren haben.
## Immer Trubel im Wirtschaftsministerium
Bereits in der Vergangenheit war über Konflikte um Sönmez berichtet worden.
Die Frankfurter Rundschau berichtete 2007 über einen damaligen Vorfall in
Gießen. In einem Untersuchungsausschuss schilderte die frühere
Staatssekretärin Lamia Messari-Becker 2024 zudem Spannungen und aus ihrer
Sicht unangemessenes Verhalten im Ministerium.
Auf dem Landesparteitag der SPD in Hessen am Samstag dürfte auch darüber
debattiert werden, wie sich die Partei zu dem Thema positioniert. Die
Fraktion diskutierte bereits am Dienstag mehr als drei Stunden hinter
verschlossenen Türen. Man befürworte die Entlassung von Sönmez, heißt es
aus der Fraktion.
Der [2][Landesvorsitzende Sören Bartol] sagte dem HR, der Minister handle
richtig. Die Affäre könnte die Führungsstärke des mächtigen
Nachwuchstalents Mansoori auf die Probe stellen. Der will am Samstag als
stellvertretender Landesvorsitzender wiedergewählt werden.
16 Apr 2026
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