# taz.de -- Bremer CDU stellt anonyme Anzeige: Der unverhoffte Ruhm eines unbekannten Parteisoldaten
       
       > Anonym hat der Bremer CDU-Fraktionsgeschäftsführer Anzeige gegen die
       > Wirtschaftssenatorin erstattet. Direkte Folge: Jetzt kennen alle seinen
       > Namen.
       
 (IMG) Bild: Angeblich von nichts 'ne Ahnung: Wiebke Winter, Vorsitzende der CDU-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft
       
       Jetzt ist schon wieder nichts passiert. Steigen Sie da noch durch?
       
       In Bremen ist herausgebrannt, dass der Geschäftsführer der CDU-Fraktion im
       Landtag – angeblich ohne das Wissen seines Arbeitgebers – anonym eine
       Strafanzeige gegen die Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Die Linke)
       [1][erstattet hat], mit der er sie bezichtigt, widerrechtlich digitale
       Akten vernichtet, beziehungsweise deren illegale Löschung in Auftrag
       gegeben zu haben, die in den Ermittlungen um die – [2][möglicherweise
       überhöhten!] – Ruhestandsbezüge eines ehemaligen Staatsrates … also ich bin
       raus.
       
       Die Unionsfraktion hatte doch um das Thema bereits einen der langweiligsten
       Untersuchungsausschüsse seit jeher konzipiert, der nach dem wenig
       verhohlenen Willen seiner Urheber die Landesregierung – oder wie sie im
       CDU-Jargon heißt: den „Senat Bovenschulte“ – [3][als korrupte
       Selbstbedienungstruppe darstellen soll, aber zugleich droht, zum schlechten
       Ruf des Parlaments beizutragen]. Weil er den Anschein erweckt, dass sich
       die Mitglieder der Bürgerschaft mit Nichtigkeiten auseinandersetzen, statt
       die zahlreichen echten und großen Probleme des Landes zu bearbeiten …
       
       Und nun wollen die Christdemokraten also parallel dazu die Justiz bemühen,
       ohne als solche erkennbar zu werden?
       
       ## 
       
       Sie sind ja tapfer! Es ist jedenfalls alles superaufregend – und
       verwickelt. Zwar kein Mord, auch kein Totschlag – sondern nur eine von den
       Kosten des mit der Aufklärung betrauten Parlamentarischen
       Untersuchungsausschusses (PUA) deutlich überschrittene maximale
       Schadenssumme eines wohl gar nicht feststellbaren Schadens. Aber wer sagt
       denn, dass Krimis immer blutig sein müssen und grausam.
       
       Verwickelt reicht schon. Und auf die Intelligenz der Intrigant*innen
       kommt es dabei auch nicht an. Manchmal ist es ja sogar lustig, wenn Leute
       blöd sind: Er habe die Ermittlungsarbeit nicht durch seine Funktion bei der
       CDU politisieren wollen, hat der Fraktionsgeschäftsführer dem Weser-Kurier
       seine Heimlichkeit erklärt. Ist das nicht irre?
       
       Der Mann ist seit 2021 im Amt. Bis auf ein Schülerpraktikum in Hameln hat
       er seinen gesamten beruflichen Werdegang an die Bremer CDU geknüpft. Erst
       Praktikant, hat er sich über die Stationen studentische Hilfskraft,
       Mitarbeiter und so weiter bis zum Geschäftsführer von Fraktion und Partei
       hochgedient, der in ihrem Dunstkreis offenbar nach Gutdünken schalten und
       walten kann.
       
       Und das in so brisanten Angelegenheiten! Wiebke Winter, die
       Fraktionsvorsitzende, soll von nichts eine Ahnung gehabt haben! Auch
       Parteichef Heiko Strohmann nicht! Und dabei ist der junge Mann so
       unauffällig geblieben, dass er bis Dienstag völlig unbemerkt hätte den Tod
       des unbekannten Parteisoldaten sterben können.
       
       ## Obacht: Der Mann heißt Tobias Hentze
       
       Jetzt aber ist, weil er der Staatsanwaltschaft gegenüber seinen Namen
       verschwiegen hat, publik geworden, dass er Tobias Hentze heißt. Für so viel
       Aufklärung hat der PUA also schon mal gesorgt, wenn auch zugegebenermaßen
       nur in seinen Randbereichen. Kommt da noch mehr?
       
       Mustafa Güngör, Chef der Bürgerschafts-SPD, sieht den bestehenden PUA
       [4][durch Hentzes Anzeigeverhalten] fast resignativ in ein „noch
       zweifelhafteres Licht“ gerückt. Die Doppelspitze der Grünen-Fraktion,
       Solveig Eschen und Emanuel Herold, befindet, die Nachricht von der
       klandestinen Anzeige verdeutliche noch einmal, dass sich hinter dem
       gesamten Aufriss um die Ruhestandsbezüge eine Kampagne verberge. Die
       bewerten sie dabei als „mehr oder weniger schlau ausgeklügelt“.
       
       Mehr oder weniger schlau – das ist doch wenigstens einigermaßen lustig
       gesagt. Es ist eine der Situation völlig angemessene Pointe. Also hierfür
       ein offizielles Humorsternchen. Wird auf Wunsch auch als Smiley
       ausgeliefert.
       
       15 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [3] /Bremer-Christdemokraten-im-Trollmodus/!6128857
 (DIR) [4] https://de.wikipedia.org/wiki/Anzeigeverhalten
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Benno Schirrmeister
       
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