# taz.de -- Lachgas und K.-o.-Tropfen: Verkauf ab sofort stark eingeschränkt
       
       > Künftig dürfen Minderjährige kein Lachgas mehr kaufen, K.-o.-Tropfen
       > sollen nicht mehr vertrieben werden. Was das für Verbraucher und Handel
       > bedeutet.
       
 (IMG) Bild: Für manche endet es gar nicht lustig: Lachgas. Die Partydroge darf ab sofort nur noch sehr eingeschränkt verkauft werden
       
       dpa | Der Verkauf von Lachgas in Kartuschen ist seit Sonntag weitgehend
       eingeschränkt. Die neue Regelung soll vor allem dem Gesundheitsschutz
       dienen: Weil das Gas als Partydroge genutzt wird, dürfen Minderjährige nun
       bundesweit kein Lachgas mehr erwerben oder besitzen. Verboten werden auch
       der Online-Handel und der Verkauf an Automaten. Das Gesetz von
       Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) umfasst außerdem „K.-o.-Tropfen“,
       wie sie etwa Sexualstraftäter einsetzen.
       
       Dem Inkrafttreten ging eine Übergangszeit von drei Monaten voraus, um die
       Umstellung im Handel und an Automaten möglich zu machen. Die vorherige
       Bundesregierung verfolgte ähnliche Pläne, die sie wegen ihres vorzeitigen
       Endes nicht mehr realisieren konnte. In der Folge wurden teilweise schon
       regionale Lachgas-Verbote eingeführt.
       
       ## Wo ist das Problem?
       
       „Lachgas ist kein Spiel und keine harmlose Partydroge, sondern ein hohes
       Risiko für die Gesundheit“, sagte Warken schon zum Parlamentsbeschluss im
       November. Vermeintlich harmlose Industriechemikalien dürften nicht länger
       missbraucht werden. Denn Folgen könnten Bewusstlosigkeit und bleibende
       Schäden des Nervensystems sein. Oft wird Lachgas, also Distickstoffmonoxid
       (N2O), als euphorisierender Stoff über Luftballons eingeatmet. Bei direktem
       Konsum aus Kartuschen kann es wegen der Kühlung zu Erfrierungen und
       Verletzungen des Lungengewebes infolge des Gasdrucks kommen.
       
       ## Was regelt das Gesetz bei Lachgas?
       
       [1][Unterbunden werden soll die bisher recht leichte Verfügbarkeit.]
       Künftig fallen Lachgas und Zubereitungen davon in Kartuschen mit einer
       Füllmenge von mehr als 8,4 Gramm unter ein gesetzliches „Umgangsverbot“ für
       neue psychoaktive Stoffe. Erwerb und Besitz für Minderjährige werden
       ausdrücklich verboten. Generell untersagt wird die Abgabe über Automaten
       und der Versandhandel an private Verbraucher. Für Volljährige gilt künftig,
       dass pro Einkauf maximal zehn Kartuschen mit jeweils 8,4 Gramm erworben
       werden dürfen.
       
       ## Gibt es Ausnahmen?
       
       Weil das Gas auch zu anderen Zwecken verwendet wird, sind Ausnahmen von
       Verkaufsverboten vorgesehen: So sollen Lachgaskartuschen mit bis zu 8,4
       Gramm Füllmenge auf dem Markt bleiben können, die etwa zum Aufschäumen von
       Schlagsahne genutzt werden. Die zunächst vorgesehene Grenze von genau 8
       Gramm hatten Union und SPD in den Beratungen noch leicht heraufgesetzt. Das
       soll Füllmengenschwankungen berücksichtigen und auch den Aufwand für
       Hersteller reduzieren.
       
       ## Was sagen Polizei- und Medizinexperten?
       
       Die Gewerkschaft der Polizei begrüßte die Gesetzespläne. Denn dass der
       Lachgas-Konsum vor allem im Partykontext massiv zugenommen hatte, liege
       unter anderem an der unregulierten Verfügbarkeit. Zugleich für nötig hält
       die Gewerkschaft eine bundesweite Aufklärungsoffensive. Und fraglich sei,
       ob die künftig noch zulässige Füllmenge niedrig genug ist – sie entspreche
       etwa einem Luftballon-Volumen und könnte leicht für den Konsum missbraucht
       werden. Die Bundesärztekammer warb daher für eine begrenzte Abgabemenge und
       forderte außerdem ein Verbot für jede Form von Werbung und Sponsoring.
       
       ## Was sollte laut Ärzten nun folgen?
       
       Die Bundesärztekammer dringt auf „ausreichende Kontrollen“. [2][Verstöße
       müssten entsprechend geahndet werden,] sagte Vorstandsmitglied Christine
       Neumann-Grutzeck der Deutschen Presse-Agentur. „Der Erfolg von Maßnahmen
       zum Jugend- und Gesundheitsschutz hängt maßgeblich von der Umsetzung ab.“
       Die Aufsichtsbehörden seien hierbei gefordert.
       
       Laut Bundesgesundheitsministerium sind Polizei und Staatsanwaltschaften der
       Länder zuständig. „Diese Behörden überwachen die Einhaltung des Gesetzes,
       ermitteln Verstöße und leiten Strafverfahren ein.“ Die Bundesärztekammer
       appellierte, Konsum und Missbrauch weiter zu beobachten, „um mit klugen
       Maßnahmen dagegen zu wirken und das Gesetz, wenn nötig, nachzuschärfen“.
       
       ## Was wird bei K.-o.-Tropfen geregelt?
       
       [3][Das Gesetz regelt auch Beschränkungen für die Chemikalien
       Gamma-Butyrolacton (GBL) und 1,4-Butandiol (BDO).] Sie sind als
       K.-o.-Tropfen bekannt. Wenige Minuten nach der Einnahme wird den Opfern
       schwindelig, sie können das Bewusstsein verlieren. Täter nutzen die Zeit
       etwa für Sexualdelikte. Der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck (CDU)
       sprach von „einem Mittel gezielter chemischer Gewalt“. Daher wurde
       verboten, beide Substanzen auf den Markt zu bringen. Untersagt wurden auch
       Handel und Herstellung.
       
       12 Apr 2026
       
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