# taz.de -- Flüchtiger Neonazi: Marla Svenja Liebich in Tschechien gefasst
> Die Neonazi-Figur Liebich sollte längst in der JVA Chemnitz einsitzen.
> Monatelang wurde sie per Haftbefehl gesucht. Jetzt wurde sie verhaftet.
(IMG) Bild: Hass und Hetze in Dauerschleife: Sven Liebich bei einer Coronaleugner-Veranstaltung im November 2020 in Halle an der Saale
dpa/taz | Die verurteilte Neonazi-Person Marla Svenja Liebich ist nach
monatelanger Fahndung in Tschechien gefasst worden. Tschechische Polizisten
hätten Liebich auf der Grundlage eines europäischen Haftbefehls in Krásná,
einer Gemeinde im Karlovarský kraj, nahe der deutschen Grenze,
festgenommen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Halle. Zuvor hatte
die Mitteldeutsche Zeitung berichtet.
Liebich habe kurzzeitig versucht, sich dem Zugriff zu entziehen, sagte der
Sprecher. Die Neonazi-Figur sei jetzt in Gewahrsam. Es solle ein
Auslieferungsverfahren geben.
Eigentlich sollte Liebich schon seit dem 29. August 2025 in Haft sein,
meldete sich dafür jedoch nicht im Frauengefängnis in Chemnitz. [1][Polizei
und Staatsanwaltschaft hatten einen Vollstreckungshaftbefehl erlassen],
nachdem Liebich die Haft nicht angetreten hatte. Die Beamten schrieben die
Person deutschlandweit zur Fahndung aus. Über die Plattform X hatte Liebich
behauptet, sich ins Ausland abgesetzt zu haben.
Liebich war im Juli 2023 – damals noch als Sven Liebich – vom Amtsgericht
Halle [2][wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung zu einer
Gesamtfreiheitsstrafe] von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung
verurteilt worden. Die Berufung dagegen scheiterte, ebenso wie später die
Revision.
## Änderung des Geschlechtseintrags als Provokation
Sven Liebich hatte seinen Geschlechtseintrag von männlich auf weiblich und
den Vornamen in Marla Svenja ändern lassen. Der Fall – [3][eine reine
Provokation] – fachte die Debatte über das neue Selbstbestimmungsgesetz
zuletzt wieder an.
Die Frage nach dem Erscheinungsbild Liebichs bei der Festnahme ließ der
Sprecher der Staatsanwaltschaft offen. Die Mitteldeutsche Zeitung
berichtet, Liebich habe Männerkleidung getragen, sein Kopf sei kahlrasiert.
Mit dem im November 2024 in Kraft getretenen Gesetz, das das frühere
Transsexuellengesetz ablöste, wurden Änderungen des Geschlechtseintrags und
des Vornamens deutlich erleichtert.
Liebich ist seit Jahrzehnten in Halle rechtsextremistisch aktiv, leitete
eine Kameradschaft, meldete Demonstrationen an, unter anderem gegen die
Coronamaßnahmen, hetzte in Blogs und betrieb einen Onlineshop. Dort konnte
man etwa einen Baseballschläger mit der Aufschrift „Abschiebehelfer“
kaufen.
9 Apr 2026
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