# taz.de -- Trainerinnendebüt im Männerfußball: Frau Eta im Vergleich
> Warum die Verpflichtung einer Männer-Cheftrainerin nur eine Etappe in
> einem wichtigen Kampf ist. Das lehrt schon die Geschichte des Sports.
(IMG) Bild: Noch weit weg von der Normalität: Marie-Louise Eta zieht vor ihrer Premiere besonders große Aufmerksamkeit auf sich
Reden wir doch einfach mal nicht darüber, ob eine qualifizierte Frau
wirklich das machen kann, was ihre Qualifikation nahelegt: im Fall der
ausgebildeten Fußballlehrerin [1][Marie-Louise Eta] also, das Profiteam des
1. FC Union Berlin zu leiten. Das kann sie nämlich.
Reden wir stattdessen darüber, dass es den Sport, dieses etwa 150-jährige
gesellschaftliche Phänomen, charakterisiert, große und kleine soziale
Gruppen systematisch auszuschließen: Im Fall von Marie-Louise Eta geht es
darum, den völlig irrationalen Ausschluss von Frauen zu beenden.
Eine andere große gesellschaftliche Gruppe, die systematisch draußen
bleiben musste, waren Afroamerikaner im US-Sport. Schaut man sich deren
Integration ins Profigeschäft an, tun sich ein paar Parallelen zu Frau Eta
auf.
Als erster Schwarzer Profi in der mächtigen Major League Baseball
([2][MLB]) gilt [3][Jackie Robinson]. Das ist zwar nur so halb richtig,
weil es in den 1890er Jahren schon afroamerikanische Spitzenspieler gab,
die schlicht hinausgedrängt wurden. Aus keinem anderen Grund denn
Rassismus.
Das verhält sich mit Frauen im Fußball durchaus ähnlich: [4][In den 1910er
Jahren war die englische Frauenliga dabei, den Männern den Rang
abzulaufen.] Als sie zu erfolgreich agierte, wurde sie verboten. Im
historischen Gedächtnis taucht sie kaum noch auf.
## Hoffentlich dauert das Eta-Experiment nicht auch 80 Jahre
Als Jackie Robinson 1947 bei den Brooklyn Dodgers auflief, war er gar nicht
der beste Schwarze Baseballprofi seiner Zeit. Bessere Spieler wie Satchel
Paige brillierten in den sogenannten [5][Negro Leagues]. Robinson galt
jedoch unter den guten Profis als derjenige, der mit dem zu erwartenden
Druck am ehesten umgehen konnte. Auch hier gibt es eine Parallele zu Eta:
Deutlich schwerer als das Projekt, den ja gar nicht wirklich
abstiegsgefährdeten 1. [6][FC Union] in der Bundesliga zu halten, dürfte
der auf ihr lastende Druck sein, dass künftig für jede Niederlage ihr
Geschlecht als Ursache ausgemacht wird. Die Dodgers gaben übrigens 1947
eine sozialwissenschaftliche Studie in Auftrag, um herauszufinden, wie die
(weiße Mehrheits-)Gesellschaft auf einen Schwarzen Baseballprofi reagiert.
Wäre ja für Union auch eine Idee.
Treibende Kraft der Verpflichtung Robinsons war Dodgers-Manager [7][Branch
Rickey]. Ihn als Menschenfreund zu beschreiben, ginge fehl. Nicht nur, dass
er bestimmte Gruppen hasste, etwa Juden und Katholiken, auch für die
Integration von Afroamerikanern hatte er vor allem ökonomische Motive.
Rickey störte sich daran, dass es neben der weißen MLB die von Schwarzen
Unternehmern betriebenen „Negro Leagues“ gab. An deren geschäftlichen
Erfolg wollte er ran und warb deren Stars ab – letztlich mit Erfolg.
Vergleichbares lässt sich über den FC Union nicht behaupten, doch so ganz
ist die Theorie vom PR-Coup nicht von der Hand zu weisen: Aus dem
Köpenicker Verein, dessen Defensive schon 50 Gegentore zugelassen hat,
wurde plötzlich der modernste und innovativste Fußballklub der Welt. Wenn
sich der internationale Zuspruch auch ökonomisch ausdrücken wird, etwa in
Form von Sponsoren, dürfte sich niemand wundern.
Der Historiker [8][Jules Tygiel] hat die gesellschaftliche Bedeutung
Robinsons in dem Buch „Baseball’s Great Experiment“ analysiert. Sein
resignativer Schluss etliche Jahrzehnte später lautet: „In Wirklichkeit
läuft das Experiment bis in die Gegenwart.“
Robinson lief vor etwa 80 Jahren erstmals in einem weißen Team auf.
Marie-Louise Eta betreut ihr Männerteam an diesem Wochenende erstmals.
Hoffentlich dauert das Eta-Experiment nicht auch 80 Jahre.
17 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Martin Krauss
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