# taz.de -- Trainerinnenwechsel bei Union: Lady an der Linie
> Nach dem Rauswurf von Steffen Baumgart übernimmt Marie-Louise Eta bei
> Union Berlin. Sie ist die erste Cheftrainerin eines Männerbundesligisten.
(IMG) Bild: Schreibt schon wieder Geschichte: Marie-Louise Eta auf dem Trainingsplatz von Union Berlin
Das ist doch mal eine Nachricht! Eine Frau übernimmt das Traineramt bei
einem Männerbundesligisten. So etwas hat es noch nie gegeben. Nach der
1:3-Niederlage beim 1. FC Heidenheim, dem abgeschlagenen Tabellenletzten,
hat Union Berlin seinen Trainer herausgeschmissen. Statt Steffen Baumgart
wird nun Marie-Louise Eta bei den letzten fünf Saisonspielen an der Linie
stehen.
Die Entscheidung sorgte für viel Aufregung unter den Social-Media-Posts des
Klubs. Da gab es neben viel Zustimmung auch die wohl unvermeidlichen
sexistischen Exzesse, deren schlimmste Auswüchse von den Admins des Klubs
schnell gelöscht wurden.
Eta hat bereits [1][Erfahrung im Geschichte Schreiben]. Nach der Trennung
vom langjährigen Erfolgstrainer Urs Fischer im November 2023 wurde der
damalige U19-Trainer Marco Grote zum Interimstrainer ernannt, Eta war
dessen Co-Trainerin und [2][rückte gemeinsam mit ihm zu den ersten Herren
auf]. So wurde sie zur ersten Frau im Trainerstab eines
Männerbundesligisten und stand auch in der Champions League der Männer an
der Linie.
Als mit Nenad Bjelica ein neuer Cheftrainer gefunden war, kehrte Grote
zurück zu den Junioren. Eta blieb Co-Trainerin. Als das Ziel Klassenerhalt
kurz vor Saisonende nochmal in Gefahr geriet, sprang das Interims-Duo Grote
und Eta für die letzten beiden Spieltage wieder ein und führte Union auf
den rettenden 15. Platz.
2024/25 wurde Eta Individualtrainerin der ersten Frauen und konnte am
Saisonende den Aufstieg in die erste Liga feiern. In dieser Saison kehrte
sie als Cheftrainerin zur männlichen U19 zurück, mit der sie den ersten
Platz in der Vorrunde der DFB-Nachwuchsliga erreicht hat. Im kommenden Jahr
wird sie Cheftrainerin der Frauen von Union Berlin in der Bundesliga. Das
hatte der Klub Anfang April verkündet.
## Neuer Stil
Inwiefern Union sich in den verbleibenden Spielen unter Eta spielerisch
weiterentwickeln wird, bleibt abzuwarten. Ein neuer Ansatz ist wegen Etas
vielfältiger Erfahrung in den unterschiedlichsten Union-Teams durchaus
wahrscheinlich. Sicher ist allemal, dass sich auch in Sachen Kommunikation
etwas ändern wird. Eta blieb in Interviews bisher zurückhaltend, Baumgart
dagegen ist für seine schroffe Art bekannt und verwendete im Januar noch
auf einer Spieltags-Pressekonferenz „ladylike“ als abwertenden Begriff.
So richtig gerechnet hatte niemand mit der Entlassung von Steffen Baumgart.
Das Team steht auf Platz elf der Tabelle, ein Sieg aus den verbleibenden
Spielen würde zum wohl Klassenerhalt reichen. Dennoch verkündete der Klub
in der Nacht auf Sonntag die Entlassung von Steffen Baumgart. Auch die
Co-Trainer Danilo de Souza und Kevin McKenna müssen gehen. „Zwei Siege aus
vierzehn Spielen seit der Winterpause und die gezeigten Leistungen in den
letzten Wochen geben uns nicht die Überzeugung, dass uns eine Trendumkehr
in der bisherigen Konstellation noch gelingt“, [3][wird Geschäftsführer
Horst Heldt auf der vereinseigenen Website zitiert].
Die desolate Vorstellung der Berliner beim Tabellenletzten, die eigentlich
nur in den ersten fünf Minuten anständigen Fußball gespielt hatten,
bestätigte den Trend der letzten Wochen. Dass Union immer noch sieben
Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang hat, liegt allein an den Erfolgen
der Hinrunde. Und so ist wohl eher die Schwäche der Konkurrenz Grund für
den scheinbar so sicheren Platz im Tabellenmittelfeld als Unions eigene
Stärke. Eine spielerische Weiterentwicklung unter Baumgart war nicht zu
erkennen.
Mit dem Fokus auf kämpferische Grundtugenden konnte der frühere
Union-Spieler zunächst eine respektable Punktausbeute vorweisen. Bereits in
der Hinrunde dieser Saison beschränkte sich das Offensivspiel der
Köpenicker in einigen Spielen lediglich auf Zurückerobern von verloren
gegangenen Bällen. Neben diesem Fokus auf den sogenannten zweiten Ball
setzte Union fast ausschließlich auch lange Flanken in den Strafraum, von
denen meist nicht allzu viele ankamen.
Beim Gastspiel in Heidenheim funktionierte das dann gar nicht mehr. Es
lassen sich also durchaus Gründe für die Trennung von Baumgart finden, mit
dem die Berliner erst im Januar eine Vertragsverlängerung über das
Saisonende hinaus vereinbart hatten.
Am kommenden Samstag beim Spiel gegen den Tabellenvorletzten Wolfsburg wird
Marie-Louise Eta also das erste Mal als Cheftrainerin an der Linie stehen.
Dann wird an der Alten Försterei neben den üblichen „Fußballgott“-Rufen
auch „Fußballgöttin“ skandiert werden. Dafür wird Stadionsprecher Christian
Arbeit gewiss sorgen. Der hatte vor zweieinhalb Jahren einigen Union Fans
noch Nachhilfe bei der richtigen Endung geben müssen. Durchaus mit Erfolg.
12 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Trainerin-bei-Profimaennern/!6005901
(DIR) [2] /Erste-Co-Trainerin-der-Bundesliga/!5969902
(DIR) [3] https://www.fc-union-berlin.de/de/meldungen/union-trennt-sich-von-steffen-baumgart-marie-louise-eta-uebernimmt-uE2loF
## AUTOREN
(DIR) Fridolin Haagen
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