# taz.de -- Die Wahrheit: Neues aus Neuseeland: teuer, aber happy
> Neues aus Neuseeland: Im ewigen Konkurrenzkampf mit dem großen Bruder
> Australien versucht Aotearoa weiter sein Glück.
Diese Finnen, unglaublich! Schwermütige Trinker, die in düsteren Wäldern
hausen, aber sich unverfroren an die Spitze des jährlichen „World Happiness
Report“ gemogelt haben. Da fragt man sich als Kiwi empört, wo die globale
Gerechtigkeit bleibt. Oder wer diese sagenhafte Studie manipuliert hat.
Denn der schönste Arsch der Welt hat es nur auf den 11. Platz geschafft.
Ein Skandal!
Unsere Medien kapierten das zweifelhafte Ergebnis auch nicht und befragten
einen finnischen Philosophen, woran wir – zum dritten Mal in Folge – in den
Top Ten gescheitert sind. Die Analyse des Experten: Wenn wir unser Ranking
verbessern wollen, sollten wir uns weniger beklagen. Was mich vollends
verwirrt. Ich persönlich wäre nämlich deutlich glücklicher, wenn es in
unserem zwangspositiven Land etwas mehr Meckerkultur gäbe.
Oder wenn es billiger wäre. Denn der nächste Schlag wurde uns vom
amerikanischen Reiseblogger Nomadic Matt versetzt, dessen Worte schmerzten:
„Das Land von Mittelerde, Great Walks, Kiwis, Backpackern, Abenteuersport,
leckerem Wein und unberührten Landschaften ist auch ein Land, das all dein
Geld wie ein riesiges Vakuum aus der Brieftasche saugt.“ Der Autor von „How
to Travel the World on $75 a day“ hielt sich nicht an den Buchtitel und gab
in 25 Tagen Neuseeland über 2.000 Euro aus.
## Konkurrenz mit Australien
Immerhin liegen wir auf der Happiness-Skala vor Australien, das erst an 15.
Stelle auftaucht. Das tröstet im Dauerkonkurrenzkampf mit dem großen
starken Bruder ein wenig. Denn die Wunde sitzt noch tief, die uns Kanadas
Premierminister Mark Carney vor einem Monat geschlagen hat. Auf seinem
Antrittsbesuch down under lobte er das Gastland in einer Rede vor dem
australischen Parlament dafür, dass es als erste Nation der Welt das
Wahlrecht für Frauen eingeführt habe. Autsch!
Diese Errungenschaft, genauso wie die Besteigung des Mount Everest, gehört
jedoch einzig und allein den Kiwis. Hier schritten Frauen bereits im Jahr
1893 zur Wahlurne – im Land der Kängurus erst 1902. Carney hatte, wie gern
international üblich, Aotearoa mit Australien verwechselt. Aber wir lassen
uns nicht unterkriegen. Denn wir haben noch einen weiteren Titel zu
verteidigen: die Erfindung des Mont Blanc. Nicht um den Berg oder Füller
geht es, sondern um den Kaffee.
Seit 2022 bilden sich vor Good Measure in Melbourne Schlangen, seit dort
der Mont Blanc serviert wird: Kaffee, Eiswürfel und Schlagsahne im Glas. In
Österreich in der warmen Variante als Einspänner bekannt, aber angeblich
erst in Australien umgetauft und revolutioniert. So nahm der Trend seinen
Lauf, bis vor zwei Wochen eine neuseeländische Sonntagszeitung enthüllte,
dass ein kleines Straßencafé in Auckland bereits seit 2018 den legendären
Trunk braut. Der Kampf geht weiter, genauso verbittert wie um die
Baisertorte Pavlova. Denn das macht uns wirklich glücklich.
2 Apr 2026
## AUTOREN
(DIR) Anke Richter
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