# taz.de -- Die Wahrheit: Rocky Horror is back
       
       > Neues aus Neuseeland: Seit den Rolling Stones verkehren Popstars nicht
       > gern am Arschloch der Welt, wie Aotearoa in ihren Kreisen gern genannt
       > wird.
       
       Ich bin kein Fan von Massenkonzerten, aber meine Kiwi-Seele schmerzt es,
       dass gut abgehangene Bands wie AC/DC und Oasis oder Stars wie Lady Gaga und
       Taylor Swift auf ihren letzten Welttourneen unser Inselreich einfach
       ausließen. Hiesige Fans mussten nach Australien fliegen, um diese
       internationalen Musiker live zu sehen. Eine Schmach.
       
       Schuld daran könnten immer noch die Rolling Stones sein, die nach ihrer
       Tour durch Neuseeland im Jahre 1965 den vernichtenden Satz raushauten, dass
       es das „Arschloch der Welt“ sei. Wir halten seitdem tapfer dagegen, dass es
       aber immerhin der schönste Arsch ist. Und obwohl wir auf der Weltbühne gern
       ignoriert und verspottet werden, haben Kiwis still und heimlich
       Kulturgeschichte geschrieben.
       
       Ich rede nicht von Peter Jacksons „Der Herr der Ringe“, sondern von der
       „Rocky Horror Show“. Das frivole Rock-’n’-Roll-Musical rund um die
       Verlobten Brad und Janet wurde einst von Richard O’Brien geschrieben –
       mittlerweile 84-jährige genderfluide Queerikone mit Perlenkette, Glatze und
       scharfem Geist. In der Filmversion von 1975 spielte er Riff Raff, den
       buckligen außerirdischen Butler im Schloss von „Sweet Transvestite“ Dr.
       Frank-N-Furter. Unvergessen!
       
       ## Kino nach Rasiersalon
       
       O’Brien wuchs im trostlosen Kaff Hamilton auf der Nordinsel auf und ging
       nach der Arbeit im Rasiersalon gern ins Embassy-Kino. Da schaute er sich
       die „science fiction double feature late-night picture shows“ an, die ihn
       zu seinem Bühnenstück samt kultigen Ohrwürmern inspirierten. Bald verließ
       er das Land der Schafe Richtung England, kehrte aber 2009 zurück und lebt
       seitdem glücklich mit seiner deutschen Frau im Küstenstädtchen Tauranga.
       
       Zurückgekehrt ist dieses Jahr auch die „Rocky Horror Show“. Eigentlich
       sollte sie nach der Premiere 1973 in London nur fünf Wochen laufen, aber
       hat es mittlerweile auf 53 Bühnenjahre gebracht – das am längsten tourende
       Musical der Welt mit über 35 Millionen Zuschauern in 30 Ländern. 15 Jahre
       hat es gedauert, dass auch Aotearoa wieder Tourneestation wurde – wir sind,
       wie gesagt, Schlimmeres gewohnt. Und wieder gab es einen Kiwi-Kulturtriumph
       zu vermelden.
       
       Der Narrator, also Erzähler, wurde nämlich vom hinreißenden Neuseeländer
       Kristian Lavercombe verkörpert, der mit über 2.600 Auftritten den
       Weltrekord gebrochen hat. Ich saß in Christchurch zur Mitternacht im
       Publikum, rechts und links von mir Glitter und Korsagen, und rollte
       begeistert die Hüften zum Time Warp. Erst danach erfuhr ich als frisch
       entflammter Fan den unglaublichsten aller „Rocky Horror“-Fakten.
       
       Ein anderer Kiwi war bereits als Narrator in den Ring gestiegen: kein
       Geringerer als Robert Moldoon, der von 1974 bis 1985 Premierminister war –
       ein pöbelnder Populist mit Spitznamen „Piggy“. Auf der Bühne stand er erst,
       als er nicht mehr im Amt war, und machte damit seinen schlechten Ruf wieder
       gut. Dammit, Janet, was für Sternstunden!
       
       28 May 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anke Richter
       
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