# taz.de -- Saisonarbeit in der Landwirtschaft: Bis zu 16 Stunden am Tag schuften
> Rechte von Saisonarbeitskräften in Agrarbetrieben würden systematisch
> missachtet, kritisieren Gewerkschafter. EU-Vorschriften sollen lückenhaft
> sein.
(IMG) Bild: Bald geht es wieder los: Spargelernte in NRW 2025
Der neue Jahresbericht zur Saisonarbeit in der [1][Landwirtschaft] der
Initiative Faire Landarbeit zeichnet ein düsteres Bild: „Arbeitstage von
bis zu 16 Stunden und Wochenarbeitszeiten von über 70 Stunden sind keine
Seltenheit“, teilte die beteiligte Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt
(IG BAU) am Freitag mit. Gesetzliche Ruhezeiten von 11 Stunden würden
systematisch ignoriert. „In manchen Betrieben wird an sieben Tagen pro
Woche gearbeitet, ohne dass ein Ausgleich für die extreme Mehrbelastung
erfolgt.“
Besonders drastisch zeige sich die Situation bei der Unterbringung. „In
Hessen dokumentierte die Initiative einen Fall, in dem für einen 15
Quadratmeter großen Metallcontainer über 2.000 Euro Miete pro Monat
verlangt wurden“, so die Gewerkschaft. Das sei „ein klarer Fall von
Mietwucher“. Beschäftigte klagten auch über marode Küchen und verschmutztes
Duschwasser.
Obwohl der gesetzliche Mindestlohn formal gezahlt wird, komme bei den
Arbeiter*innen oft nur ein Bruchteil an. Die Betriebe würden
rechtswidrig Kautionen, unzulässige Vertragsstrafen und Kosten für
Arbeitsgeräte wie Messer oder Schutzausrüstung vom Lohn abziehen. In der
Spargelernte seien die Vorgaben von 11 Kilogramm pro Stunde im Jahr 2024
auf bis zu 14 Kilogramm pro Stunde im Jahr 2025 gestiegen. „Wer dieses
Pensum nicht schafft, dem droht die Kündigung“, [2][so die Gewerkschaft].
Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls (FKS) habe bestätigt, dass die
Landwirtschaft eine überdurchschnittlich hohe Quote an Mindestlohnverstößen
aufweise. Dennoch sinke die Zahl der Kontrollen kontinuierlich. Wurden laut
IG BAU 2021 noch 839 Betriebe geprüft, waren es 2024 nur noch 274. Das sei
„ein historischer Tiefstand von rund einem Prozent aller FKS-Prüfungen“.
## CDU will Mindestlohn für Saisonkräfte senken
Trotzdem verabschiedete die CDU auf ihrem Bundesparteitag im Februar einen
Antrag, Ausnahmen vom Mindestlohn für Saisonkräfte zuzulassen. Der
[3][Bauernverband hatte vorgeschlagen], dass sie nur 80 Prozent erhalten
sollten, damit die Produktion etwa von Obst, Gemüse und Wein nicht ins
Ausland verlagert werde. So eine Ausnahme würde aber laut IG BAU gegen das
im Grundgesetz verankerte Gleichbehandlungsprinzip verstoßen und vor allem
die Beschäftigten aus dem EU-Ausland diskriminieren.
Zu einem ähnlichen Ergebnis war auch Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU)
gekommen. Die Gewerkschaft verweist zudem darauf, dass Deutschlands
Selbstversorgungsgrad zum Beispiel bei Obst trotz Erhöhungen des
Mindestlohns im langjährigen Mittel kaum gesunken sei.
Die IG BAU begrüßte zwar, dass seit 2015 auch in Deutschland Agrarbetriebe
EU-Richtlinien zu transparenten Arbeitsbedingungen, Arbeits- sowie
Gesundheitsschutz erfüllen müssten, um Landwirtschaftssubventionen von der
Europäischen Union zu erhalten. Allerdings seien ausgerechnet der
Mindestlohn und die Höchstarbeitszeit bisher nicht Bestandteil dieser
„sozialen Konditionalität“, sagte das für die Branche zuständige
Vorstandsmitglied der Gewerkschaft, Christian Beck.
Der Deutsche Bauernverband ließ eine Bitte um Stellungnahme bis
Redaktionsschluss unbeantwortet.
[4][242.800 Menschen] waren etwa von März 2022 bis Februar 2023 nur
saisonal in der Landwirtschaft angestellt, wie das Statistische Bundesamt
berichtet. Sie ernten zum Beispiel Spargel, Erdbeeren oder Weintrauben und
erledigen auch andere Tätigkeiten auf den Höfen. Die Arbeiter kommen
überwiegend aus Osteuropa. Im Jahr 2025 ging die Initiative Faire
Landarbeit nach eigenen Angaben mit ihren Teams im gesamten Bundesgebiet
36-mal aufs Feld, dabei seien sie mit etwa 3.100 Saisonbeschäftigten in
direkten Kontakt getreten. Die meisten von ihnen kamen demnach aus
Rumänien, weitere Herkunftsländer sind unter anderem Polen, Bulgarien und
Kroatien.
27 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Landwirtschaft/!t5007831
(DIR) [2] https://igbau.de/Saisonbericht2025.html
(DIR) [3] /Debatte-um-Mindestlohn/!6099220
(DIR) [4] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/04/PD25_N015_41.html
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(DIR) Jost Maurin
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