# taz.de -- LGBTIQ-Rechte in Polen: Polen muss im EU-Ausland geschlossene Homo-Ehen anerkennen
       
       > Um die Rechte der LGBTIQ-Community in Polen steht es nach wie vor
       > schlecht. Nun hat das oberste Verwaltungsgericht ein wichtiges Urteil
       > gefällt.
       
 (IMG) Bild: Katholisch geprägte Gesellschaft: Pride Parade in Krakau im Mai 2019
       
       afp/taz | Die Justiz im katholisch geprägten Polen hat eine wegweisende
       Entscheidung zu gleichgeschlechtlichen Ehen getroffen: Laut dem obersten
       Verwaltungsgericht muss eine Ehe zwischen Schwulen oder Lesben in Polen
       anerkannt werden, wenn sie in einem anderen EU-Mitgliedstaat geschlossen
       wurde. Die am Freitag ergangene Grundsatzentscheidung folgt [1][einem
       Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom November]. Im Vorfeld war
       unklar gewesen, inwieweit Polen der Vorgabe folgen würde.
       
       Im konkreten Fall ging es um zwei Männer, die 2018 in Berlin geheiratet
       haben. Als sie nach Polen zurückkehrten, verweigerten die Behörden unter
       Verweis auf die polnische Verfassung die Anerkennung ihrer Ehe.
       
       Die Verfassung Polens [2][definiert die Ehe als Verbindung zwischen Mann
       und Frau]. Sie verbiete jedoch nicht die Anerkennung von Ehen, die in
       anderen EU-Staaten geschlossen wurden, befand nun Richter Leszek Kirnaszek.
       Die EU-Vorgaben garantierten das Recht auf Freizügigkeit und untersagten
       „Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und der sexuellen Orientierung“,
       führte er aus.
       
       Der EuGH hatte im November entschieden, dass eine gleichgeschlechtliche
       Ehe, die in einem der 27 EU-Mitgliedstaaten geschlossen wird, in jedem
       anderen Mitgliedstaat anerkannt werden muss. In der Vergangenheit lag Polen
       wiederholt mit Brüssel in LGBTIQ-Fragen über Kreuz.
       
       ## Applaus im Gerichtssaal
       
       Die Entscheidung des obersten Verwaltungsgerichts wurde von Anwesenden im
       Gerichtssaal mit Applaus aufgenommen. Dort hatten sich Aktivisten und
       mehrere gleichgeschlechtliche Paare versammelt. „Heute begehen wir einen
       Feiertag der Menschenrechte, eine unglaubliche, sehr notwendige
       Entscheidung“, sagte Paweł Knut, einer der Anwälte des Paares.
       
       Den Anwälten zufolge ist jedoch unklar, ob sich die Gerichtsentscheidung
       auf alle im EU-Ausland geschlossenen gleichgeschlechtlichen Ehen bezieht
       oder nur auf solche, bei denen die Ehepartner längere Zeit in einem anderen
       EU-Staat gelebt haben.
       
       Nichtregierungsorganisationen schätzen, dass bis zu 40.000 polnische
       Staatsbürger im Ausland gleichgeschlechtliche Ehen geschlossen haben. Polen
       ist eines der letzten Länder in Europa, [3][in denen es bislang keine
       gleichgeschlechtlichen Ehen oder eingetragenen Partnerschaften gibt].
       Ähnlich ist die Lage in Bulgarien, Rumänien und der Slowakei.
       
       20 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /LGBTQ-Community-in-Polen/!6139151
 (DIR) [2] /LGBTIQ-Rechte/!6141982
 (DIR) [3] /LGBTI-Rechte-in-Europa/!5593047
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Polen
 (DIR) Schwerpunkt LGBTQIA
 (DIR) EuGH
 (DIR) Gerichtsurteil
 (DIR) Homo-Ehe
 (DIR) Eingetragene Partnerschaft
 (DIR) Ehe für alle
 (DIR) Europäischer Gerichtshof
 (DIR) Schwerpunkt LGBTQIA
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) LGBTIQ+-Rechte: Polen will eingetragene Partnerschaften ermöglichen
       
       Das am Dienstag ins Parlament eingebrachte Gesetz ist das bislang größte
       legislative Vorhaben zur Stärkung von LGBTIQ-Rechten in dem katholischen
       Land.
       
 (DIR) LGBTQ+-Community in Polen: Streit über eingetragene Ehe für alle
       
       Nach einem Urteil des EuGH muss Warschau gleichgeschlechtliche Ehen, die im
       Ausland geschlossen wurden, anerkennen. Der Justizminister windet sich.
       
 (DIR) Erstes LGTBIQ-Museum in Osteuropa: Verflochtene queere Geschichten
       
       In Warschau ist das QueerMuzeum eröffnet worden. Es erzählt von Stolz,
       Freude und Sex, aber auch von Stigmatisierung und Verfolgung.